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Beobachten + Vorhersagen
lagerung von Sedimenten infolge veränderter Strö
mungsverhältnisse gewonnen werden sollen. 2007
wurden die Messungen zum Teil durch extreme See
gangsverhältnisse behindert, die auch zum Verlust
von Messgeräten führten, so dass erste Ergebnisse
erst im Laufe dieses Jahres vorliegen werden.
Die Luftdruckverteilung über dem Nordatlantik und
das lokale Windfeld über der Nordsee bewirken in
der Deutschen Bucht die Ausbildung von 9 typischen
Zirkulationsmustern, von denen jedoch nur 3 von
Bedeutung sind. Häufigkeit und Verteilung dieser
Muster ermöglichen eine Beurteilung der strömungs
bedingten Transporte in der Deutschen Bucht und
deren saisonaler und zwischenjährlicher Variabilität.
Die täglichen Strömungsmuster werden mit Hilfe des
operationeilen BSH-Modells bestimmt und in einem
„Strömungskalender“ zusammengefasst.
Generell herrscht in der Nordsee eine großräumig
zyklonale, d. h. gegen den Uhrzeigersinn gerichtete
Zirkulation vor, die mit einem starken Einstrom von
atlantischem Wasser am nordwestlichen Rand und
mit einem Ausstrom über der Norwegischen Rinne
verbunden ist. Die zyklonale Zirkulation ist deshalb
auch innerhalb der Deutschen Bucht der häufigste
Zirkulationstyp. Gegenüber 2006 hat die Häufigkeit
des zyklonalen Musters von 166 Tagen im Vorjahr auf
128 Tage abgenommen (10-jähriges Mittel: 157 Tage).
Bemerkenswert war auch ein Fehlen längerer Phasen
konstanter zyklonaler Zirkulation, die in den Vorjahren
bei deutlich über 10 bis zu 28 Tagen lagen. Dem
gegenüber wurde 2007 nur eine 8-tägige Phase im
August beobachtet. Antizyklonale Zirkulation wurde
an 71 Tagen beobachtet, das entspricht einer Zu
nahme von 22 Tagen gegenüber 2006 (10-jähriges
Mittel: 46 Tage). Das variable Strömungsmuster, das
zeitweise von Wirbelstrukturen geprägt ist, verzeich-
nete eine geringe Zunahme von 110 auf 113 Tage
und liegt weiter deutlich über dem 10-jährigen Mittel
von 88 Tagen.
Die Umverteilung der Zirkulationsmuster vom zyklo
nalen Typ auf den antizyklonalen und variablen Typ
ist insofern ungewöhnlich, als dass der Nordatlan
tische Zirkulationsindex (DJFM) im Winter 2006/2007
mit 1,83 relativ hoch war. Dies ist im Allgemeinen
zumindest im Frühjahr mit einer stark ausgeprägten
zyklonalen Zirkulation in der Nordsee verbunden.
Seegang
Die Schifffahrt ist auf zuverlässige Seegangsbeob
achtungen angewiesen. Informationen zur Wellenhöhe
(Windsee und Dünung) und zur Dünungsrichtung
sind wichtige Planungshilfen. Das BSH verfügt über
vier Seegangsmessstationen in der Nordsee, eine
fünfte Station liegt in der Ostsee im Arkona-Becken.
Die aktuellen Seegangsdaten werden für Schifffahrt,
Lotsen, Havariekommando und weitere Nutzer stünd
lich unter www.bsh.de zur Verfügung gestellt.
Signifikante Wellenhöhe und Periode des Seegangs an der
Nordseeboje II, 7.-10. 11. 2007
Bei den ersten schweren Sturmfluten der Wintersai
son 2007/2008 traten - wie schon 2006 - bisher nie
gemessene Seegangshöhen auf. Am 9. November
sendete die Seegangsboje an der NSB II 9,4 Meter
signifikante Wellenhöhe, das WAMOS-Seegangs-
radar auf der Forschungsplattform Find meldete
fast 11 Meter Wellenhöhe. Damit wurde die bisher
beobachtete Rekordhöhe an der Plattform FINO I
vom 1. November 2006 vermutlich noch um etwa
einen Meter übertroffen. Der hohe Seegang konnte
sich trotz einer Windstärke von „nur“ 11 Bft durch eine
sehr lange, diagonal durch die Nordsee verlaufende
Windwirkstrecke, den sogenannten fetch, aufbauen.