50 Die Meereskunde im BSH
Die Meereskunde im BSH
Es bedarf aktueller, gesicherter und langfristig verfügbarer Informationen über den
Meereszustand, um Meeresnutzung und Meeresschutz so gut wie möglich in Ein
klang zu bringen. Diese Informationen sind die Basis für Genehmigungen, Fachbe
ratungen sowie für Überwachungsmaßnahmen. Die Vorhersage- und Warndienste
- unter anderem Gezeiten, Wasserstand und Sturmfluten, Strömungen, Öldrift, Mee
reseis - leisten einen wesentlichen Beitrag zur Sicherheit auf See und an den Küsten
und dienen der Leichtigkeit der Schifffahrt.
Salzwassereinbruch in die Ostsee
Messstationen von MARNET in der Ostsee
sandten Mitte Dezember 2014 Daten, die
auf einen Salzwassereinbruch in die
Ostsee schließen ließen. Das Leibniz
Institut für Ostseeforschung Warnemünde
(IOW) schickte daraufhin ein Forschungs
schiff für eine weitere Beobachtung des
Naturphänomens Richtung Darßer
Schwelle. Dieser „Weihnachtssalzwasser
einbruch“ trug Wassermassen (Volumen:
198 km 3 , vier Gigatonnen Salz) ein, die
40 Prozent des mittleren gesamten Fluss
wassereintrags eines Jahres in die Ostsee
entsprachen. In der Folge stieg der Salz
gehalt an der Darßer Schwelle von rund
acht PSU (Practical Salinity Unit) am
3. Dezember auf über 20 PSU an. Annähe
rungsweise wird von 20 Promille - also
etwa 20 g Salz in einem Liter Wasser - ge
sprochen. Eintragswege waren zunächst
der Öresund und mit leichter zeitlicher
Verzögerung die Belte.
Der Wasserschwall transportiert Sauer
stoff- und salzreiches Wasser in die
Sauerstoffmangelgebiete der Ostsee, vor
allem in das Bornholm- und das Gotland
becken. Ein solcher Eintrag ist die einzig
mögliche Versorgung der tiefen Becken
der Ostsee mit Sauerstoff. Anhaltende
Ostwindlagen über der westlichen Ostsee
verursachten einen starken Ausstrom, der
zu einem deutlich niedrigeren Meeresspie
gel der Ostsee führte. Dem folgten (ab
5. Dezember 2014) die kräftigen West
windlagen der Tiefs „Alexandra“, „Billie“
und „Doris“. Sie begünstigten das Eindrin
gen des Salzwassers der Nordsee über die
schmale Verbindung zur Ostsee. Diese
Windsituation blieb über drei Wochen
stabil.
Solche Salzwassereinbrüche sind natür
liche Prozesse, die seit Entstehung der
Ostsee nach der Eiszeit ähnlich ablaufen.
Einträge von Nährstoffen aus mensch
lichen Aktivitäten verschärfen allerdings