Meeresdaten vielfältig nutzen - Das Jahr 2014 23
Die maritime Wirtschaft in Deutschland
Die maritime Wirtschaft unterstützt rund 500000 Arbeitsplätze in Deutschland. Mit
rund 30 Milliarden Euro trägt sie zur deutschen Wirtschaft bei. Eine große Chance
für sie liegt im Spezialschiffbau.
Seit Jahren befindet sich die Seeschifffahrt
weltweit, und mit ihr auch die
deutsche Seeschifffahrt, in einer schwierigen
wirtschaftlichen Situation. Das
maritime Cluster in Deutschland, das
neben den Schifffahrtsunternehmen auch
Werften und Zuliefererindustrie umfasst,
muss seinen Weg aus der Krise finden.
Die Reedereien müssen alle Maßnahmen
zur Kostensenkung nutzen, um erfolgreich
arbeiten zu können. Gut 74 Prozent der
Betriebskosten eines Seeschiffs sind
inzwischen Treibstoffkosten. Die Reeder
haben mit Modernisierungsmaßnahmen
begonnen, die ihre Flotten sparsamer
machen. Erweiterung der Transportkapazitäten
durch größere Schiffe („Economy
of scale“), hohe Flexibilität bei den Einsatzgeschwindigkeiten
und ein niedriger
Treibstoffverbrauch sind wesentliche
Kriterien für die Modernisierung vorhandener
oder Bestellung neuer Schiffe. Hier
treffen die Zwänge der Krise mit umweltpolitischen
Zielsetzungen zusammen.
Moderne Schiffe sind auch umweltfreundlichere
Schiffe. Zudem bieten die erforderlichen
Lösungen für Modernisierung und
Neubau auch Chancen für die deutsche
Schiffbau- und Zulieferindustrie. Die
Hoffnung auf Wachstum in den nächsten
Jahren steigt in der Branche, rund
60 Prozent der Reedereien planen wieder
Schiffskäufe.
Eine große Chance für das deutsche
maritime Cluster liegt im Spezialschiffbau.
Dazu gehören eisbrechende Bergungsschiffe
für Russland genauso wie besonders
umweltfreundliche Schiffe mit Methanol-
oder LNG-Antrieb.
Auch die Offshore-Branche bietet deutschen
Reedereien, Schiffbauunternehmen
und Zulieferern ein neues Betätigungsfeld.
Inzwischen betätigen sich rund 20 deutsche
Reedereien national und international
als Dienstleister für Unternehmen der
Offshore-Windenergiebranche. Für die
Errichtung und Wartung von Offshore-Windparks,
zur Verkehrs- und Baustellensicherung
sowie für den Transport von
Servicepersonal zu den Anlagen auf See
bereedern sie rund 50 Schiffe. Der Bau
von Errichter- und anderen Spezialschiffen,
Offshore-Windenergieanlagen und
Konverterstationen ist ein neues Betätigungsfeld.
Hinzu kommen Beratungs- und
Koordinierungsaufgaben.
Auch die zunehmende Digitalisierung spielt
in der Branche eine wichtige Rolle. Sie reicht
von dem smart shipping tracking (lückenlose
Nachverfolgung von Sendungen auf dem
Seeweg) über Sicherheits-, Wartungs- und
Instandhaltungsprozesse bis zur automatischen
Überwachung von Maschinen und
Bauteilen. Die Automatisierung und Digitalisierung
des Schiffsverkehrs wird in den
nächsten Jahren erheblich zunehmen. Das
betrifft e-navigation genauso wie digitalisierte
und integrierte Brückensysteme.