26 Die ozeanographischen Verhältnisse an der Meeresoberfläche im Golfstromsektor usw.
auch nördlich von 45° N sind die Abweichungen vom normalen Zustand nur
gering, bis erst in etwa 46°N bis 47°N und 32° bis 33° W stärkere negative
Anomalien auftreten. Der Salzgehalt ist hier relativ zur normalen Verteilung
etwa um 0,20%. die Temperatur um 0.5° bis 1.0° zu niedrig gemessen worden,
Westlich der Ankerstation ist ein kleineres Gebiet mit negativen Anomalien
angedeutet, Die Abweichungen vom normalen Zustand sind aber verhältnis-
mäßig klein. Sie betragen beim Salzgehalt etwas mehr als —0.1°/%0 bei der
Temperatur etwa —0.5° C,
Im Gegensatz zu dem Streifen negativer Temperatur- und Salzgehalts-
anomalien in 46° bis 47° N steht das Gebiet starker positiver Anomalien südlich von
etwa 41° N. Die 0.1 °/„o-Isanomale umschließt ein großes Gebiet, daß sich über Flores
bis etwa 41°N und 30° W erstreckt. Besonders unter 40°N und 31° W müssen
wir bedeutende Abweichungen vom normalen Zustand feststellen. Der Salzgehalt
wurde hier um mehr als 0.20%, die Temperatur um etwa 2.0° zu hoch gemessen.
Die auffallende Übereinstimmung der Lage der positiven und negativen
Anomalien der Temperatur und des Salzgehaltes läßt vermuten, daß es sich bei
liesen Abweichungen um Unterschiede in der Ausbreitung der Wassermassen
nandelt, Eine Erniedrigung der Temperatur gegenüber der mittleren Verteilung
ist mit einer entsprechenden Erniedrigung‘ des Salzgehaltes gekoppelt und um-
gekehrt eine Erhöhung der Temperatur mit einer Erhöhung des Salzgehaltes,
Wäre diese Beziehung S=f (t) nicht bei allen Anomalien so deutlich erfüllt,
dann müßte man allerdings mit oberflächlichen Veränderungen rechnen, wie sie
veim Salzgehalt etwa durch Niederschläge, bei der Temperatur durch lokale
Strahlungseinflüsse zustande kommen können, Die kleinen Unterschiede in den
Anomalienkarten der Temperatur und des Salzgehaltes werden wahrschein-
jich auf diese Weise zu erklären sein. Ob die Anomalien im ganzen Unter-
suchungsgebiet, gleichzeitig bestanden haben, läßt sich jedoch nicht mit Sicher-
heit entscheiden. Es zeigen aber verschiedene, zeitlich weit auseinanderliegende
Profile dieselben Abweichungen, so daß wir annehmen können, daß der größte
Teil der Anomalien nicht nur von kurzer Dauer gewesen ist, sondern längere
Zeit im Juni 1938 bestanden hat,
Unmittelbar nördlich der Ankerstation fanden wir nur geringe Abweichungen
vom normalen Zustand, erst nördlich von 46° N zeigten sich stärkere negative
Anomalien, Es ist nicht ausgeschlossen, daß durch die vorherrschend nördlichen
Winde zur Zeit der Beobachtungen und kurz vorher kälteres und salzärmeres
Wasser südlich getrieben wurde. Auffallend ist aber, daß etwas weiter westlich,
in etwa 34° W, wieder positive Anomalien auftreten. In der näheren Umgebung
der Ankerstation sind die Abweichungen, bis auf das kleinere Gebiet westlich davon,
ebenfalls nur gering. Das kältere und salzärmere Wasser, das wir im
Bereich der Ankerstation angetroffen haben, scheint also eine ganz
normale Erscheinung in diesem Gebiet zu sein.
Die negativen Anomalien zwischen 42° und 43°N und 32° bis 35° W liegen
hauptsächlich in dem Gebiet, wo wir in Abb, 7 einen Gegenstrom angedeutet
haben. Wenn wir hier also zu geringe Salzgehalte und zu tiefe Temperaturen
vorgefunden haben, könnte das bedeuten, daß dieser Gegenstrom zur Zeit
unserer Beobachtungen im Juni weiter westlich vorgedrungen war,
als nach der normalen Verteilung erwartet werden konnte. Die nor-
male Temperatur- und Salzgehaltsverteilung zeigt diesen Vorstoß kälteren und
salzärmeren Wassers ja auch nur bis etwa 31° oder 32°W an. Auch in der
Karte der Oberflächenströmung auf Grund von Besteckversetzungen ist dieser
Gegenstrom nur schwach angedeutet und kaum weiter als bis 32°W zu verfolgen,
Doch scheint der Gegenstrom in 41°N und 30° W zur Zeit der Beobachtungen
zu schwach entwickelt. In der mittleren Temperatur- und Salzgehaltsverteilung
kommt dieser Vorstoß kalten, salzarmen Wassers auch bedeutend stärker zum
Ausdruck, wie es ebenfalls die Karte der mittleren Wasserbewegung Abb. 7 zeigt,
Vergleichen wir die schematische Darstellung der Ausbreitung der Wasser-
massen im Juni 1938 (Abb. 10) mit der Karte der mittleren Oberflächenströmung
nach Besteckversetzungen, dann werden uns die aus den Temperatur- und