Die Küste, 83 AufMod (2015), 181 -191
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rechneten mittleren Sedimentverteilung für die Deutsche Bucht) in der Simulation vorge
geben wird, lassen sich folgende Ergebnisse festhalten:
• Wichtige Merkmale der Sedimentverteilung können reproduziert werden.
• Feinsedimente werden in das Rückseitenwatt der nordffiesischen Inseln, in die
Astuare und in das Elbe-Urstromtal eingetragen.
• Grobkörnige Sedimentflächen (z. B. am Borkum Riffgrund) lassen sich nur teilwei
se bzw. nicht (nordfnesischer Schelfbereich) reproduzieren.
• Gröbere Sedimente können sich in den tiefen Rinnen der Astuare und Seegatten
tendenziell ausbilden, werden aber mengenmäßig unterschätzt.
• Das Schlickfallgebiet südlich von Helgoland („Helgoländer Schlicklinse“) wird nur
im Ansatz bzw. gar nicht anhand der Modellergebnisse identifiziert.
Wichtig ist, dass morphodynamische Modellsimulationen das Einschwingen in den Zu
stand der gut sortierten Sedimentflächen im Wesentlichen reproduzieren können. Aller
dings lassen sich mit einem solchen Simulationsansatz die pleistozänen Flächen mit ho
hem Erosionswiderstand a priori nicht nachbilden. Bisher konnte die gewählte Gitter
netzauflösung der Modelle die gemessene Sedimentverteilung nur diffus abbilden. Die
Simulationsmodelle sind folglich im Hinblick auf die Nachbildung der bekannten räumli
chen Differenzierung in der Sedimentverteilung und der Zusammensetzung der gut sor
tierten Sedimentflächen weitergehend zu optimieren.
Die mit konstanten initialen Sedimentverteilungen in Simulationsmodellen nachgebil
dete hydraulische Sortierung ist in den Astuaren ansatzweise erkennbar. Simulationen
ergaben nach längerer Berechnung Änderungen (Sortierung) der Sedimente in den Tide
rinnen und Wattbereichen. Die Berechnungen schlugen bis dato jedoch in den Bereichen
noch fehl, in denen die Sedimentverteilung an der Sohle nicht primär durch die heutige
Hydrodynamik geprägt ist. Eine Herausforderung für zukünftige Forschungsaktivitäten
besteht damit in der Nachbildung der stratigraphischen Sortierung.
Grundsätzlich ist anzumerken, dass die Erhebung von Felddaten zur Oberflächencha
rakteristik in der Regel Momentaufnahmen darstellen. Die räumlich-zeitliche Variabilität
muss deshalb in aus gewählten Gebieten weitergehend untersucht und das Ergebnis mit
neuen Simulationen verglichen werden. Besonders hervorzuheben sind die neuen Er
kenntnisse zur Porosität der Oberflächensedimente. Porositätsmessungen in verschiede
nen Gebieten mit unterschiedlichen Oberflächensedimentzusammensetzungen und zu
unterschiedlichen Zeiten haben mittlere Werte von rund 40,4 % für sandige und 70,5 %
für feinkörnigere Sedimente ergeben. Diese Angaben decken sich mit bisherigen Angaben
aus der Literatur. Ferner konnte bestätigt werden, dass jene Porositätswerte, die für Mo
dellrechnungen genutzt werden, im richtigen Bereich liegen. Allerdings unterliegen die
neuen Messdaten einer teils erheblichen Variabilität, die sich nicht allein auf methodische
Unsicherheiten zurückführen lässt. Hier gilt es noch, weitere Analysen durchzuführen,
um mögliche konkrete Zusammenhänge zu den hydro- und sedimentdynamischen Rah
menbedingungen herstellen zu können.
Im Zuge neuer Sedimentbeprobungen, insbesondere in den Wattgebieten und Astua
ren, zeigte sich, dass das Vorkommen sogenannter Schlickgerölle auf bzw. im Oberflä
chensediment durchaus nicht als lokales Phänomen zu betrachten ist, sondern vielerorts
war die Gewässersohle sogar nahezu vollständig bedeckt. Bei deren Präsenz ist je nach
Anzahl und geometrischer Ausprägung von einer nicht unerheblichen Beeinflussung auf