Die Küste, 83 AufMod (2015), 181 -191
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5 Weiterer Forschungsbedarf, der sich aus AufMod ergibt
Durch die Diskussion der Ergebnisse zu den in AufMod formulierten Kernfragen
(vgl. Kap. 2) wurde der unmittelbare Forschungsbedarf offenbar, wie folgende Beispiele
verdeutlichen sollen. So ist die Anlage der bathymetrischen Ausprägung des Meeresbo
dens in der Deutschen Bucht auf einen Zeitraum Zurückzufuhren, der den im Projekt als
langfristig bezeichneten Zeitraum (Bezug zur Simulationsdauer) bei Weitem überschreitet.
Bathymetrische Veränderungen in größeren Tiefen der Nordsee sind nur durch langfristig
anhaltende Veränderungen der hydrodynamischen Bedingungen zu erwarten. Eine Aus
sage zu den bereits im Prozess befindlichen Veränderungen ist hier aber aufgrund der
geringen Dokumentationsdichte nur unzureichend und nicht abschließend zu beantwor
ten; entsprechend benötigte Zeitreihen fehlen für große Bereiche des Schelfs.
Auch ist festzustellen, dass der Fehlerbereich der bathymetrischen Daten vom Schelf
bereich für viele Abschnitte morphologische Änderungen bzw. quantitative Aussagen
derzeit nicht zulässt. Für diesen Küstenbereich wäre für eine Auswertung von Daten aus
der Seevermessung des BSF1, der Beschickungsfehler von bis zu 1 Meter aufweist, deut
lich zu reduzieren und Wiederholungsmessungen wären notwendig geworden.
Die Frage, inwieweit anthropogene Eingriffe erfassbar sind, lässt sich dahingehend
positiv beantworten, dass beispielsweise die Fahrrinnenanpassung der Tideelbe
(1999-2000), vereinzelte Bagger- und Umlagerungsaktivitäten in der Tideelbe sowie der
Bau des Jade-Weser-Ports im Bodenmodell abbildbar sind. Andere anthropogene Eingrif
fe sind hingegen noch nicht identifizierbar, weil auch hier die Datenreihen zeitlich zu
kurz und oft räumlich zu gering aufgelöst sind bzw. Daten komplett fehlen oder auf
Grund unzureichender Projektunterstützung noch nicht hinreichend gut eingepflegt wer
den konnten. Dieses betrifft beispielsweise die langfristigen Wirkungen der Fixierungen
von Inselköpfen durch feste Bauwerke, die Eindeichungsmaßnahmen oder die histori
schen Ausbauten der Flafenzufahrten in der Elbe, der Weser, der Jade und der Ems.
Neue Fragestellungen ergeben sich ebenfalls aus der kleinräumigen Wirkung von
Bauwerken wie Offshore-Windenergieanlagen oder Plattformen auf die Bathymetrie des
Meeresbodens. Von zunehmender Bedeutung ist diese Problematik auch im Zusammen
hang mit der Bewertung von Umweltauswirkungen bei der Verlegung von Seekabeln oder
auch bei der Gewinnung von marinen Sanden und Kiesen. Ein offenes Thema für die
zukünftige Forschung ist dabei, ob für Teilbereiche der Deutschen Bucht Kennwerte
entwickelt werden können, mit denen die „Natürlichkeit“ der Morphodynamik quantifi
zierbar ist. Veränderungen dieser Kenngrößen könnten weitergehend auf Veränderungen
des morphodynamischen Regimes hinweisen.
Insgesamt lässt sich mit den Ergebnissen aus AufMod verdeutlichen, dass für ein lang
fristiges Küstensedimentmanagement alle anthropogenen Eingriffe sowohl im Funktiona
len Bodenmodell als auch in den Simulationsmodellen zu berücksichtigen sind. Flierzu
gehören Vorspülungen, Sandentnahmen, Eindeichungen, Baggerungen und Umlagerun
gen, Buhnenbau, Fahrrinnenanpassungen, Flafenbau und Flafenerweiterungen gleicher
maßen.
Zu der wichtigen Fragestellung im Projekt, ob und inwieweit Simulationsmodelle die
auf Messdaten basierenden Sedimentverteilungen reproduzieren können, wenn eine ho
mogene Komverteilung als Anfangszustand (entsprechend der aus den Messungen be