Die Küste, 83 AufMod (2015), 39-58
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der Untersuchung zur Mächtigkeit mobiler Sande in der Deutschen Bucht wurde so ein
konzeptionelles Modell des großräumigen Geschiebetransports entwickelt (Zeiler et
al. 2000). Das Oberflächensediment lässt sich ebenfalls heranziehen, um Informationen
über sedimentdynamische Zusammenhänge abzuleiten. Dies findet beispielsweise in der
Sediment- bzw. Grain Size Trend Analyse Verwendung (z. B. McLaren 1981; McLaren
and BOWLES 1985; Gao and COLLINS 1994; POIZOT and Mear 2010), bei der aus statis
tischen Parametern der Korngrößenverteilung auf Netto Sedimenttransportrichtungen
zurückgeschlossen wird. Solche LIntersuchungen beschränken sich jedoch auf hydrody
namische Teilsysteme, da sie unter anderem von einer synoptisch erfassten Datenbasis
abhängen.
Durch das Funktionale Bodenmodell ist ein räumlich umfassender Datensatz an kon
sistenten Korngrößenverteilungen des Oberflächensediments für den Großbereich der
Deutschen Bucht vorhanden (siehe MlLBRADT et al. 2015). Dieser wurde in einem Zeit
raum von über 60 Jahren erfasst, wobei die räumlich relativ hochauflösenden Bodenpro
ben des ehemaligen Deutschen Hydrographischen Instituts (DHI) aus den Jahren 1950
bisl980 einen Großteil der Daten umfassen.
Aufgrund der flächenhaften Auswertung der Korngrößenverteilungsdaten lassen sich
Informationen über die Genese der Oberflächensedimente erfassen. Ein Beispiel hierfür
ist die Karte der Sedimentverteilung in der Deutschen Bucht (FlGGE 1981). Die Sedi
mentklassifikation nach FlGGE (1981) bietet den Vorteil, dass das gesamte Kornspektrum
relativ detailreich im Ubersichtsmaßstab abgebildet wird. Für Fragen der Sedimentdyna
mik sind jedoch gerade die Feinsande (63-250 pm) von besonderem Interesse, die in der
Klassifikation nach FlGGE (1981) in nur einer Gruppe zusammengefasst werden. Fein
sande gelten in allen hydraulisch beeinflussten Georäumen als die am bestsortierten
Kornfraktionen (McMANUS 1988). JARKE (1955) erkannte bereits graduelle Verfeinerung
des Feinsandes im Bereich des ehemaligen Elbe-LIrstromtals.
Ein anderes Beispiel für den Stellenwert des Feinsandes hinsichtlich sedimentdynami
scher Eigenschaften führte beispielsweise TABAT (1979) durch die LInterteilung von
„Wanderfeinsand“, „Barrensand“ und „Restsand“ auf dem nordffiesischen Schelf an. In
älterer Fachliteratur wird für den Bereich der Deutschen Bucht zudem zwischen Feinsand
(125-250 pm) und Mehlsand (63-125 pm) unterschieden (z. B. Deceiend 1949;
Deceiend 1950; JARKE 1955). Zur Analyse sedimentdynamischer Prozesse auf dem
Schelf der Deutschen Bucht ist es daher interessant, die flächenhafte Verteilung einzelner
Feinsandfraktionen näher zu beleuchten, da sie ein Abbild sedimentdynamischer Prozesse
darstellen können.
Im hier vorgestellten Ansatz wurde daher eine Sedimentklassifikation erarbeitet, die
die Deutsche Bucht nach der Zusammensetzung des Sandanteils flächenhaft unterteilt,
wobei ein Schwerpunkt auf der Betrachtung der Feinsandfraktionen lag. Das Ergebnis
dieser Einteilung wird herangezogen, um grundlegende Fragestellungen zur großräumigen
Sedimentdynamik für den in Abb. 1 abgegrenzten Schelf-Bereich zu bearbeiten:
1. Lassen sich aus der Flächeneinteilung sedimentdynamische Systeme identifizieren
und gegebenenfalls Rückschlüsse auf Sedimenttransportrichtungen treffen?
2. Inwieweit kann eine derartige LInterteilung zur Validierung prozessbasierter Mo
delle herangezogen werden?
3. Im Gegenzug stellt sich die Frage, ob prozessbasierte Modelle helfen können, die
Genese der rezenten Oberflächensedimentverteilung zu erklären.