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Full text: Erfassung von Sandverteilungsmustern zur großräumigen Analyse der Sedimentdynamik auf dem Schelf der Deutschen Bucht

Die Küste, 83 AufMod (2015), 39-58 
41 
4.3 Aussagekraft der Datengrundlage der Oberflächensedimentverteilung 
hinsichtlich ihrer zeitlichen und räumlichen Auflösung 59 
5 Zusammenfassung und Ausblick 60 
6 Schriftenverzeichnis 61 
1 Einleitung 
Die intensive wirtschaftliche Nutzung der Deutschen Bucht erfordert es, unser Verständ 
nis der komplexen Systemzusammenhänge dieses Naturraums stetig zu verbessern. Der 
Meeresboden spielt hierbei als Schnittstelle zwischen Wassersäule und geologischem Un 
tergrund eine zentrale Rolle. Durch das Lockersediment des Meeresbodens in Verbin 
dung mit dem Gezeiteneinfluss und regelmäßigen Sturmfluten weist das Küstenmeer der 
Deutschen Bucht eine sehr hohe Morphodynamik auf. Dies ist für den Küstenschutz zur 
Planung von Baumaßnahmen oder Küstenschutzmaßnahmen wie Spülsande von großer 
Bedeutung. Aber auch in größeren Wassertiefen spielt die Beschaffenheit des Meeresbo 
dens hinsichtlich seiner Reaktion auf hydrodynamische Einwirkungen eine Rolle. Bei der 
Errichtung von Offshore-Windenergieanlagen beeinflusst sein Oberflächensediment das 
Kolkverhalten an den Gründungen. Des Weiteren wirkt sich die Beschaffenheit der Ge 
wässersohle auf die Lagestabilität von Seekabeln und Transitrohrleitungen aus. 
Durch die räumliche Ausdehnung der Deutschen Bucht und die Komplexität der 
Wechselbeziehungen zwischen Atmosphäre, Wassersäule und Boden reichen geowissen- 
schaftliche Feldstudien für einen umfassenden Erkenntnisgewinn Sediment- und mor- 
phodynamischer Prozesse allein nicht aus; es müssen zusätzlich prozessbasierte numeri 
sche Modellverfahren herangezogen werden. Diese sind wiederum in hohem Maße ab 
hängig von der Bereitstellung von Naturdaten und deren umfassender geowissenschaftli- 
cher Analyse. Eine Voraussetzung für die naturähnliche Simulation morphodynamischer 
Vorgänge in numerischen Modellen ist eine repräsentative anfängliche Korngrößenvertei 
lung der Sedimente im Untersuchungsgebiet („Anfangskomgrößenverteilung“). Durch 
die Abhängigkeit des Sedimenttransports von der Korngröße bestimmt die Anfangskorn 
größenverteilung maßgeblich die morphologische Reaktion des Systems (z. B. FlIRSCH- 
HÄUSER et al. 1998; KWOLL and WINTER 2011). 
Im Projekt AufMod wurde ein Funktionales Bodenmodell aufgebaut, um die morpho 
logische Entwicklung der Deutschen Bucht zu untersuchen. Im Funktionalen Bodenmo 
dell werden Beobachtungsdaten zur Beschreibung des Meeresbodens, wie Wassertiefen 
oder Korngrößenverteilungen mit räumlichen und zeitlichen Interpolationsverfahren, zu 
einem kontinuierlichen Modell verknüpft (siehe MlLBRADT et al. 2015). Die Analyse der 
Bathymetriedaten ergab, dass auf dem Schelf in Wassertiefen über 15 m morphologische 
Änderungen innerhalb des Messfehlers von bis zu +/- 1 m liegen. Zudem sind für diese 
Bereiche kaum Wiederholungsmessungen für großräumige Untersuchungen vorhanden. 
Demnach müssen alternative messdatenbasierte Ansätze geprüft werden, um weiterfüh 
rende Erkenntnisse über die großräumige Sediment- und Morphodynamik auf dem Schelf 
der Deutschen Bucht zu erlangen und prozessbasierte Modellverfahren validieren zu 
können. 
Für längere Zeitskalen können geologische Ansätze genutzt werden, um auf Basis der 
Sedimentbeschaffenheit großräumige Transporte, zumindest qualitativ, abzuschätzen. Bei
	        
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