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Klimatologischer Eisatlas
Mittel (alle Winter) ■ Mittel (Winter mit Eis) ■ Maximum
Abb. 27: Mittlere und extreme Daten für die Anzahl der Tage mit Eis an der südlichen Ostseeküste
Relativ hohe Zahlen für die mittleren Tage mit Eis im Seege
biet erhält man, wenn für die Berechnung dieses Parameters
nur die Winter mit Eis berücksichtigt werden. In den meisten
Wintern wird der Wärmevorrat der offenen Seegewässer nicht
aufgebraucht, und die Eisbildung bleibt aus. Nur in sehr kal
ten Wintern mit langanhaltenden Frostperioden kommt es zur
Vereisung des der Küste vorgelagerten Seegebietes. In die
sem Fall ergeben sich im Mittel etwa 30 Tage mit Eis. Die
günstigsten Eisverhältnisse sind in den inneren westlichen
Bereichen Untertrave und Unterwarnow sowie in der Danzi-
ger Bucht anzutreffen. Hier wurden im Mittel 25 Tage mit Eis
beobachtet. Die vom Austausch mit dem Seewasser weitge
hend ausgeschlossenen Gebiete Stettiner Haff und Frisches
Haff weisen durchschnittlich 60 und 83 Tage mit Eis auf. In
extrem starken Eiswintern wurden in diesen Bereichen 130-
150 Tage mit Eis registriert.
Mittel (alle Winter) Mittel (Winter mit Eis) ■ Maximum
150
Abb. 28: Mittlere und extreme Daten für die Länge der Eissaison an der deutschen Ostseeküste
Der Zeitabschnitt zwischen dem ersten und dem letzten Eis
auftreten in einem Beobachtungsbereich und in einem Winter
wird als Länge der Eissaison bezeichnet. Die Differenz zwi
schen diesem Parameter und der Anzahl der Tage mit Eis
deutet auf eisfreie Abschnitte im betrachteten Gebiet wäh
rend des Winters hin. Je größer die Differenz, desto mehr eis
freie Abschnitte wurden registriert, oder desto länger war der
zeitliche Abstand zwischen den Vereisungsperioden. Für die
Gebiete der westlichen und südlichen Ostsee ist diese Größe
aussagekräftiger als z. B. Beginn/Ende des Auftretens des
Festeises. An den Außenküsten im Südteil der Ostsee ist im
Gegensatz zu den nördlichen Ostseegebieten die Existenz
einer Festeisdecke, die sich bildet und auch längere Zeit
liegen bleibt, ein sehr seltenes Ereignis.
Auch in den inneren Gewässern kann sich das Festeis mehr
mals während eines Winters bilden und verschwinden. Im
Mittel dauert die Eissaison in den inneren Fahrwassern etwa
40 Tage im Westen und 70 Tage im Osten der deutschen
Küste. Im Seegebiet ist sie etwa 40 Tage lang. In den meisten
inneren Gewässern ist die Anzahl der Tage mit Eis in den
extrem starken und sehr starken Eiswintern der Länge der
Eissaison gleich. In vielen Wintern besteht aber die Eissaison
aus mehreren Perioden entsprechend dem Temperaturverlauf
in der Region. Diese Tatsache spiegelt sich in der Differenz
beider Parameter, die zwei bis drei Wochen betragen kann,
wider, vgl. Abb. 29 und die Tabellen 7-12 auf CD.