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Beobachtungs-Systemes als gesichert zu erachten ist, wurde auch in den äquatorialen Gegenden darauf
Bedacht genommen, wo immer thunlich, Beobachtungs - Stationen zu errichten. So wurden gleichzeitig mit
dem Einzuge des neu ernannten Gouverneurs Freiherrn von Soden in Kamerun meteorologische Beob
achtungen eingerichtet. Herr von Soden und das Personal, welches ihn begleitete, hielten sich im Mai
des Berichts-Jahres zu Zwecken der Einübung in der Beobachtung und Behandlung der Instrumente einige
Zeit an der Seewarte auf und nahmen die Ausstattung an Instrumenten, Journalen p. p., welche die Seewarte
zur Verfügung stellte, mit nach Kamerun. Die Beobachtungen werden seit jener Zeit dort regelmässig aus
geführt und von Zeit zu Zeit an die Direktion übersandt.
Durch die Bestrebungen der Herren Dr. Dr. von den Steinen und Clauss ist im Herzen des süd-
amerkanischen Kontinentes, der Provinz Matto Grosso in Cuyabá eine meteorologische Station errichtet und
Seitens der Direktion mit Instrumenten ausgestattet worden; auch von dort gehen regelmässig Beobachtungen
ein und soll im nächsten Jahres-Berichte eingehender auch darüber berichtet werden.
Die Thätigkeit des Hülfsarbeiters des Direktors. Der persönliche Assistent des Direktors war
während des Berichts-Jahres mit den fortlaufenden Beobachtungen und Berechnungen der magnetischen
Elemente im Kompass-Observatorium beschäftigt. Ausserdem ist zu einem grossen Theile von demselben
auf dem Platze vor dem Dienstgebäude der Seewarte, und namentlich rund um die Kuppel des Kompass-
Observatoriums an vielen Stellen die Deklination und Inklination bestimmt worden behufs Feststellung et
waiger lokaler Störungen. Es wurde eine üebersicht dieser Untersuchungen ausgearbeitet und soll dieselbe
dem allgemeinen, über den Gegenstand zu verfassenden Berichte einverleibt werden. Herr Dr. Duderstadt,
welcher in der letzten Hälfte des Jahres die Funktionen eines Hülfsarbeiters des Direktors übernahm, war auch
in folgenden Materien beschäftigt;
1) Vergleichungen der Registrirung der verschiedenen Anemometer und Ueberwachung der betreffenden
Apparate.
2) Vergleichung der Psychi’ometer - Angaben mit denen eines Kondensations-Hygrometers. Es wurde zu
diesem Zwecke eine grössere Beobachtungs-Reihe ausgeführt.
3) Berechnung von Temperatur-Aufzeichnungen in arktischen und antarktischen Gebieten zur Feststellung
der Differenzen in dieser Hinsicht für die Gebiete ozeanischen Charakters.
4) Vergleichung der Zeitball-Signale mit der telephonisch übertragenen Zeit von der Seewarte.
5) Buchung und Ueberwachung der Uebersendung von Manuskripten und Korrekturen an die Redaktion
der „Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie“.
6) Führurg des Protokolles über die Sitzungen des Kolloquiums und des Journales über die zu Zwecken
von Referaten im Kolloquium verliehenen Zeitschriften.
Ausser den hier oben genannten fortlaufenden Arbeiten leistete Herr Dr. E. Duderstadt wesentliche
Dienste in der Fertigstellung der Bücher - Kataloge der Bibliothek, sowie derselbe herangezogen wurde zu
den für die Vorbereitung einer eingehenden Revision dienenden Vorarbeiten.
Der Zeichner des Institutes. Wie in früheren Jahren war Herr Denys auch im Berichts-Jahre be
ständig durch die laufenden Zeichen- und lithographischen Arbeiten in Anspruch genommen. Sowohl die
täglichen Wetter-Berichte, sowie auch die „Monatliche üebersicht der Witterung“ und im Laufe des Berichts
jahres erschienene kartographische Arbeiten legen für die Thätigkeit des Zeichners ein beredtes Zeug-
niss ab.
Ein erheblicher Theil der Zeit des Zeichners der Seewarte, Herrn Denys, wurde durch strenge
Ausführung der Karten-Korrekturen in Anspruch genommen. Es wurden von demselben i. J. 1885 751 einzelne
Korrekturen in Seekarten ausgeführt, die sich, wie folgt, über die einzelnen (13) von der Kaiserlichen Admi
ralität angenommenen Titel vertheilen:
I, 175; II, 61; III, 82; IV, 20; V, 56; VI, 69; VII, 18; VIII, 22; IX, 44; X, 73; XI, 56; XII, 68;
XIII, 7.
Durch diese Korrekturen, die nach den Angaben in den „Nachrichten für Seefahrer“ ausgeführt sind,
wurden die Seekarten der Sammlung der Deutschen Seewarte stets auf dem Laufenden erhalten, so dass
jederzeit für die Korrektheit der einzelnen in der Sammlung befindlichen Karten eingetreten werden konnte.
Natürlich ist dies stets so zu verstehen, dass der Begriff der Korrektheit nur auf den gegenwärtigen Stand
unserer Kenntnisse bezogen werden kann. Ein Buch, welches allmonatlich vom Direktor revidirt wurde,
giebt über Wesen und Datum der ausgeführten Korrekturen genauesten Aufschluss.