Die Marshall-Inseln,
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genannt werden, wie sie die Monate Oktober und November gewöhnlich dort
mit sich bringen sollen. Wind und Wetter hatten im nördlichen und südlichen
Theil der Gruppe nicht denselben Charakter, vielmehr liefs sich eine Wetter.
scheide erkennen, welche ungefähr auf 812° N-Br lag,
Das im südlichen Theil angetroffene Wetter läfst sich so charakterisiren :
Leicht bewölkter Himmel, leichte, veränderliche, mit Stillen oft wechselnde Winde,
vornehmlich aus dem westlichen Halbkreise des Horizonte, wenige leichte Böen
und vereinzelte Regenschauer,
Im nördlichen Theil der Gruppe konnte das Wetter allerdings nicht so
gut genannt werden, und liefs sich hier der Durchbruch des Passates nach Süden
deutlich erkennen. Es wurden meist Winde aus dem nordöstlichen Quadranten
angetroffen, die meist von Böen begleitet waren, Eine gröfsere Windstärke
in den Böen als 7 wurde jedoch nur einmal während weniger Stunden in
der Nähe der Brown-Gruppe im November beobachtet, In den oft recht zahl-
reich auf einander folgenden, fast stets von Regen begleiteten Böen nahm der
Wind stets eine mehr nördliche Richtung an und fiel dann wieder in die alte
Richtung zurück, Die Böen traten jedoch nie überraschend auf, immer Befsen
gie sich vorher gut erkennen,
Die Tabellen I und II geben die beobachteten Barometer- und Thermo-
meterstände. die Tabelle III giebt die beobachteten Niederschläge,
11. Stromverhältnisse. Unregelmäfßsige Strömungen, wie sie nach
früheren Berichten vorkommen sollen, wurden nicht angetroffen, vielmehr ergab
sich südlich von 8° N-Br eine stets östliche Strömung, in südlicher und nörd-
licher Richtung allerdings varlirend, während nördlich genannter Breite der
westliche Strom fühlbar war, in Richtung und Stärke ausgeprägter, als der
äquatoriale Gegenstrom.
Dafs jedoch auch südlich von 8° N-Br westliche Strömung angetroffen
wird, beweist Tabelle IV (Auszüge aus dem Loggbuche eines Schiffes der
Südsee-Plantagen-Gesellschaft), und zwar scheint sich danach in den Monaten,
während welcher der NE-Passat in dem gesammten Gebiet der Marshall-Gruppe
weht, die westliche Strömung mit diesem mehr nach Süden zu ziehen. Krest
südlich der Kbon-Gruppe wird dann die östliche Strömung fühlbar,
12. Navigirung. Wenn die Navigirung innerhalb der Gruppe der
Marshall-Inseln auch große Sorgfalt und Vorsicht erfordert, so kann dieselbe
doch nicht als eine schwierige bezeichnet werden. Die Karten können allerdings
auf Genauigkeit keinen Anspruch machen und bedürfen der Verbesserung, doch
ist die Lage der verschiedenen Inseln immerhin so genau bestimmt, dafa man
sich nach der Karte mit Sicherheit orientiren kann,
Alle Inseln wurden von S, M. Kr. „Nautilus“ auf 16 bis 18 Sm Ent-
fernung von der Vormarsraa aus und auf ca 10 Sm Entfernung von der
Kommandobrücke aus gesehen.
Die zahlreich, namentlich im Oktober und November, hier auftretenden
Regenböen sind dem Ausguck selbstrerständlich hinderlich, doch wurde die
Erfahrung gemacht, dafs dieselben nie länger wie höchstens 20 Minuten an-
halten und es dann gleich wieder aufklart; dauernd unsichtiges Wetter soll
bier nie vorkommen. Nach Aussage vieler Schiffsführer halten diese Regen-
böen häufig Stunden lang an und sollen oft sehr bösartiger Natur sein,
während „Nautilus“ nur Gelegenheit hatte, Wind in Stärke 6—7 in denselben
zu beobachten, Die Böen ziehen sehr schnell auf, 80 schnell, dafs S. M. Kr.
„Nautilus“ beispielsweise zweimal in die Lage kam, während des Anker-
lichtens Beetingschlag zu nehmen, Kette zu stecken und erst die einsetzende
Böo abzuwarten. ,
Der Strom, welcher zwischen den Inseln gefunden wurde, war Stets Öst-
lich, wie aus den Einzelheiten des Reiseberichts hervorgeht, doch sollen die
Stromverhältnisse zu anderen Jahreszeiten so unregelmäßig sein, dafs etwas
Zuverlässiges darüber sich nicht aufstellen läfst,
Die Passagen, welche in die Lagunen führen, lassen sich bei einiger
Debung leicht auffinden, und läuft der Strom in denselben, wenn cine Lagune
mehrere solcher Passagen hat, nicht so stark, als dafs nicht ein gutes Dampf-