Engeler, E.: Periodische und unperiodische Temperaturschwankungen der Benguela-Strömung. 479
geltenden Einzelbeobachtungen hat; es folgt daraus unmittelbar, daß ihm auch
ein dementsprechend geringeres Gewicht zugesprochen werden muß, Dies wurde
insofern zum Ausdruck gebracht, als den für die einzelnen Eingradfelder er-
haltenen Mitteln eine Wertigkeit gegeben wurde, die sich nach der Zahl der
bei der Gewinnung beteiligten Schiffe richtete, und die dann bei der Zu-
sammenfassung der Eingradfelder in größere Gruppen in Betracht gezogen wurde,
Dabei mußten infolge der Verschiedenheit der Seewege auf den beiden
nördlichen und auf dem südlichen jeweils verschiedene Methoden befolgt werden.
Auf den beiden nördlichen Schiffswegen konnte die von Meinardus vor-
geschlagene Methode der Zusammenfassung nach Streifen quer zur Richtung des
Schiffsweges verwandt werden.!) Es wurden demgemäß von zwei zu zwei Grad
Schnitte durch die Schiffslinien gelegt und die innerhalb der hierdurch ab-
geschnittenen Streifen gelegenen Eingradfelder unter Berücksichtigung ihrer
Wertigkeit zu einem Gesamtmittel vereinigt. Für die deutsche Seglerlinie:
Südafrika—Äquator ergaben sich 20, für die englische Dampferlinie 15 Mittel-
werte in jedem Monat, die in von zwei zu zwei Grad fortlaufender Reihenfolge
den Temperaturgang auf diesen Seewegen erkennen lassen. Auf der südlichen
Route verbot sich eine Zusammenfassung nach Streifen quer zu ihrer Richtung,
denn infolge der fortgesetzt schwankenden Grenze des Schiffsweges nach Süden
und Norden und des in diesen Breiten sehr bedeutenden Temperaturgradienten
würden derartig zusammengefaßte Mittel keine miteinander vergleichbaren Werte
darstellen. Es wurde daher in der Weise verfahren, daß die einzelnen Eingrad-
feldermittel für jeden Monat in Arbeitskarten eingetragen, und auf Grund der-
selben und unter Berücksichtigung ihrer Wertigkeit Isothermen gezogen wurden,
4. Normalwerte der Oberflächentemperatur.
Es müssen die einzelnen Temperaturmittel mit den normalen verglichen
werden, um festzustellen, ob eine Temperaturabweichung eingetreten und in welcher
Weise sie vor sich gegangen ist. Die Darstellung beschränkt sich immer auf die
jedesmaligen Abweichungen von den Normalwerten, Letztere lagen im Atlas
zum »Segelhandbuch des Atlantischen Ozeans« und im Atlas zum ersten Band
des »Valdivia«-Werkes?) vor. Es wurden auch auf Grund beider Veröffent-
lichungen Normalkarten der Oberflächentemperatur gezeichnet. Im Verlaufe der
Untersuchung stellte sich jedoch heraus, daß auf diesen Karten der temperatur-
erniedrigende Einfluß der Benguela-Strömung südlich von 35° S-Br. nicht immer
scharf genug ausgeprägt ist; im Bereich des südlichen Teiles der Benguela-
Strömung sind die Temperaturen durchschnittlich zu hoch angegeben.“) Es
mußten auf andere Weise Normalmittel gefunden werden. Alle die vorhin
erwähnten Temperaturwerte wurden nach Monaten zusammengefaßt; so wurde
die normale Temperaturverteilung in jedem Monat durch das Mittel von
8 Jahren dargestellt. Für jeden der beiden nördlichen Schiffswege ergaben
sich somit zwölf Temperaturreihen, die in von zwei zu zwei Grad fortschreitenden
Mitteln die Temperaturverteilung in jedem Monat erkennen lassen. Auf dem süd-
lichen Schiffsweg liefert eine Zusammenfassung der monatlichen Isothermenkarten
die gewünschten Normalkarten, und zwar wurden diese auf die vier Termin-
monate: Februar, Mai, August, November beschränkt. Um dies auch zahlenmäßig
darzustellen, wurden durch den südlichen Schiffsweg in 39° S und 41° S Schnitte
gelegt und für deren Schnittpunkte mit jedem 2. Längengrad der Temperatur-
wert durch Interpolation aus den Isothermenkarten entnommen, wodurch also
auch auf dem südlichen Schiffswege die Temperaturverteilung in den betreffenden
Monaten durch von zwei zu zwei Grad fortschreitende Werte gegeben ist. Vgl.
auch Tafel 39,
ya a. O0. 58.6
2) Wissenschaftliche Ergebnisse der deutschen Tiefsee-Expedition, Bd. I. — G. Schott,
Ozeanographie und maritime Meteorologie. Berlin 1902.
3) Die von mir erhaltenen Normalwerte weichen im wesentlichen nur im südlichen Teil des
Südatlantischen Ozeans von den vorhin genannten Normalkarten ab, und auch dort beschränkt sich die
Fortsetzung der Fußnote 3 auf S. 480,