Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1913.
südlich an der afrikanischen Küste und legten in der Höhe von Cap Verde vor
dem Einlaufen in Dakar wieder einen Schnitt von vier Reihenbeobachtungen
senkrecht zur Küste, Auf die Ergebnisse dieses und der nachher in den ver-
schiedenen Breiten ausgeführten Serienschnitte werde ich später noch zurück-
kommen. Das Arbeiten war diesmal anstrengender; der Kurs lief quer zu hoher
Dünung, das Schiff schlingerte demzufolge außerordentlich stark und holte oft
bis 25° und 30° nach jeder Seite über. Solche Seetage auf einem kleinen Schiff
sind anstrengend, und wir waren darum froh, als wir nach einer Woche in dem
geschützten französischen Hafen Dakar wieder für ein paar Tage ruhig vor
Anker liegen konnten.
In meteorologischer Hinsicht hatte dieser Abschnitt noch etwas Inter-
essantes gebracht. Bei einem am 17. Juli veranstalteten Drachenaufstieg konnte
festgestellt werden, daß an diesem Tage die Schicht des unten über dem Ozean
recht stark wehenden Nordostpassats nur bis zu 380 m über dem Meeresspiegel
reichte. Darüber lagerte eine um 5° C wärmere Stillenschicht, in der trotz aller
Bemühungen die Drachen nicht höher als 1100 m getrieben werden konnten.
Von Dakar ging es unter mehrfach vorgenommenen Lotungen und Serien-
messungen nach Freetown, wo wir gerade in die schönste Regenzeit hinein-
kamen. Freetown ist eine Tropenansiedlung, wie wir sie in Duala und Kamerun
nachher ganz ähnlich fanden, und viel zu erzählen ist von ihm nicht. Auf
dem Wege von Freetown nach Lome kreuzten wir gleich nach Verlassen
der Mündung des Sierra Leone in der Nähe des Schelfs der afrikanischen
Küste eine Strömung, in der es unglaublich viel Plankton und infolgedessen einen
enormen Fischreichtum gab. Fliegende Fische gab es hier in Unzahl, und häufig
genug kam es vor, daß uns solche Flugkünstler an Deck oder gar durch die
Seitenfenster in die Messe flogen.
Die Fahrt von Freetown nach Lome mit den ozeanographischen Arbeiten in
der Guineaströmung und mit einigen weiteren Drachenaufstiegen verging uns bei
ruhigem Wetter schnell. Neben einer kleinen Ergänzung der schon früher
durchgeführten Küstenvermessung dieses Gebiets war als Hauptaufgabe dem
Schiff eine genaue astronomische Ortsbestimmung für Lome aufgetragen, eine
Aufgabe, die nach dem wenige Monate vor unserm Eintreffen erfolgten Zu-
sammenbruch der Landungsbrücke auf besondere Schwierigkeiten stieß. Um
einen Ort so genau seiner geographischen Länge und Breite nach zu bestimmen,
sind eine Reihe sorgfältiger Sternbeobachtungen nötig, bei denen als wichtigstes
Erfordernis mehrere gute, bezüglich ihrer Gangwerte genau kontrollierte Chrono-
meter gebraucht werden, Diese Chronometer und die übrigen benötigten In-
strumente durch die recht starke Brandung ohne größere Erschütterung an
Land zu bekommen, war nicht leicht. Ein Versuch, wenigstens die Chronometer
dadurch’ ruhiger an Land zu bringen, daß wir von dem noch außerhalb der
Brandung stehenden Brückenkopf nach Land zu eine kleine Drahtseilbahn im-
provisierten, scheiterte daran, daß alle Leinen bei der starken Brandung immer
wieder brachen. Da die »Möwe« sobald wie möglich nach Lagos weiter wollte,
um dort Kessel zu reinigen und Kohlen zu nehmen, gaben wir die Bemühungen,
die geplante Verbindung vom Brückenkopf aus herzustellen, schließlich auf und
ich wagte die Fahrt mit allen Instrumenten durch die dreifache Brecherreihe.
Kurz vor mir kenterte noch ein Boot der Woermann-Linie mit seiner ganzen
Ladung und ich fürchtete darum für meine Instrumente, die zusammen mit der
ganzen übrigen Ausrüstung für meine zwei Leute und mich immerhin einen
Wert von annähernd 10000 M. repräsentierten. Aber dank der wirklich hervor-
ragenden Geschicklichkeit der schwarzen Togojungen, die das Boot bedienten,
kamen wir trocken und glatt an Land. Wenn man nicht für eine wertvolle
Ladung zu fürchten hat, ist bei nicht zu grober See so ein Durchgehen durch
die Brandung hier in Togo im Vergleich zu der in Südwestafrika eigentlich ein
wundervolles Vergnügen, wenn man so vom ersten mächtigen Brecher empor-
gehoben und auf den Kamm des nächsten, dann zum dritten fliegt und schließ-
lich mit sausender Fahrt den flachen Sandstrand hinaufgleitet. In Togo war die
große Regenzeit, als wir ankamen, gerade im Abklingen und der in dieser Periode