accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text : Bundesfachplan Offshore für die deutsche ausschließliche Wirtschaftszone der Nordsee 2013/2014

44

Anbindungsleitungen  für  Offshore-Windparks

Die  Verlegung  von  Gleichstrom-Seekabelsystemen  kann  zu  Beeinträchtigungen  sensibler
Lebensräume  führen.  Um  potentielle  negative  Auswirkungen  auf  sensible  Lebensräume  zu
begrenzen  und  die  Schutz-  und  Erhaltungsziele  der  Natura2000-Gebiete  zu  wahren,  sollen
Gleichstrom-Seekabelsysteme  innerhalb  der  AWZ  vorrangig  außerhalb  von  Natura2000-Gebieten
  geführt  werden.  Sollte  dies  nicht  möglich  sein,  sind  Auswirkungen  auf  die  Schutz-  und
Erhaltungsziele  der  Natura2000-Gebiete  im  Einzelzulassungsverfahren  zu  prüfen.  Die
strategische  Umweltprüfung  kommt  zu  dem  Ergebnis,  dass  eine  erhebliche  Beeinträchtigung
von  Natura2000-Gebieten  innerhalb  der  AWZ  durch  die  Möglichkeit  der  Umgehung  von
besonders  schutzwürdigen  Bereichen  in  den  Natura2000-Gebieten  im  konkreten  Einzelverfahren ­
  ausgeschlossen  werden  kann.
Sollten  Vorkommen  von  in  §  30  BNatSchG  genannten  Strukturen  bei  näheren  Untersuchungen
im  konkreten  Verfahren  zur  Genehmigung/Planfeststellung  von  Gleichstrom-Seekabelsystemen
aufgefunden  werden,  sind  diese  zu  analysieren  und  bei  der  Entscheidungsfindung  mit
besonderem  Gewicht  zu  behandeln.  Ggf.  ist  eine  räumliche  Alternative  im  Nahbereich
ermittelbar,  die  die  entsprechenden  Schutzgüter  besser  zu  wahren  in  der  Lage  ist.  Jedoch  ist
zum  jetzigen  Zeitpunkt  keine  konkrete  räumliche  Zuordnung  der  genannten  Strukturen  möglich.
Zur  weiteren  Minimierung  sind  die  Vorgaben  des  §  45  WHG  sowie  die  beste  Umweltpraxis
(„best  environmental  practice“)  gemäß  OSPAR-Übereinkommen  und  der  jeweilige  Stand  der
Technik  zu  berücksichtigen  und  im  Einzelverfahren  zu  konkretisieren.
Mit  Blick  auf  §  2  Absatz  2  Nummer  6  ROG,  der  den  Schutz,  die  Pflege  und  die  Entwicklung  von
Natur  und  Landschaft  mit  den  Erfordernissen  eines  Biotopverbundsystems  verbindet,  soll
sichergestellt  werden,  dass  die  Ausbreitungsvorgänge  und  weiträumigen  ökologischen
Wechselbeziehungen  der  Arten  und  ihrer  Lebensräume  berücksichtigt  werden.
5.3.2.9  Sedimenterwärmung
Bei  der  Verlegung  von  Gleichstrom/Drehstrom-Seekabelsystemen  sollen  potenzielle
Beeinträchtigungen  der  Meeresumwelt  durch  eine  kabelinduzierte  Sedimenterwärmung
weitestgehend  reduziert  werden.  Als  naturschutzfachlicher  Vorsorgewert  ist  das
sogenannte  „2  K-Kriterium“  einzuhalten,  das  eine  maximal  tolerierbare
Temperaturerhöhung  des  Sediments  um  2  Grad  in  20  cm  Sedimenttiefe  festsetzt.
Während  des  Betriebs  der  Drehstrom/Gleichstrom-Seekabelsysteme  kommt  es  radial  um  die
Kabelsysteme  zu  einer  deutlichen  Erwärmung  des  umgebenden  Sediments.  Die  Wärmeabgabe
resultiert  aus  den  thermischen  Verlusten  des  Kabels  bei  der  Energieübertragung.  Die
Leitertemperatur  kann  maximal  90°C,  die  Manteltemperatur  maximal  70°C  betragen.
Als  naturschutzfachlicher  Vorsorgewert  hat  sich  das  sogenannte  „2  K-Kriterium“,  d.  h.  eine
maximale  Temperaturerhöhung  um  2  Grad  (Kelvin)  20  cm  unterhalb  der
Meeresbodenoberfläche,  in  der  derzeitigen  behördlichen  Zulassungspraxis  für  alle  im  Bereich
der  AWZ  verlegten  Seekabelsysteme  etabliert.  Das  2  K-Kriterium  stellt  einen  Vorsorgewert  dar,
der  nach  Einschätzung  des  Bundesamtes  für  Naturschutz  (BfN)  auf  Grundlage  des  derzeitigen
Wissenstandes  mit  hinreichender  Wahrscheinlichkeit  sicherstellt,  dass  erhebliche  negative
Auswirkungen  der  Kabelerwärmung  auf  die  Meeresumwelt  bzw.  die  benthische
Lebensgemeinschaft  vermieden  werden.  Eine  stärkere  Erwärmung  der  obersten
Sedimentschicht  des  Meeresbodens  kann  zu  einer  Veränderung  der
Benthoslebensgemeinschaften  im  Bereich  der  Seekabeltrasse  führen.  Dabei  können
insbesondere  in  tieferen  Bereichen  gebietsweise  vorkommende  kaltstenotherme  Arten,  die  an
einen  niedrigen  Temperaturbereich  gebunden  und  gegenüber  Temperaturschwankungen
empfindlich  sind,  aus  dem  Bereich  der  Kabeltrassen  verdrängt  werden  (vgl.  Umweltbericht
Kapitel  4.2.2).  Zudem  besteht  die  Möglichkeit,  dass  sich  durch  die  Sedimenterwärmung  neue,
standortfremde  Arten  ansiedeln  könnten.  Eine  Erhöhung  der  Bodentemperatur  könnte  darüber
hinaus  die  physikalisch-chemischen  Eigenschaften  des  Sediments  verändern,  was  wiederum
eine  Veränderung  von  Sauerstoff-  oder  Nährstoffprofilen  zur  Folge  haben  könnte.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.