Cäsar Puls: Oberflächentemperaturen und Strömungsverhältnisse etc.
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verlässt. Westlich von 180° hört diese Erscheinung wieder auf; das übrigbleibende Wasser sammelt sich
wieder und strömt nördlich von Neu-Guinea, auf wenige Grade zusammengedrängt, wieder mit sehr grosser
Geschwindigkeit, um unmittelbar vor Gilolo nach Norden umzubiegen und die Wurzel des Gegenstroms zu
bilden.
Der nördliche Aequatorialstrom fliesst im Mittel zwischen 9° und 20 d N.Br. Im Durchschnitt erreicht
er nicht die Hälfte der Geschwindigkeit der südlichen Strömung, auch ist ein stärkerer Stromstrich nicht
ausgeprägt. Seine Stärke nimmt aber nicht wie die des südlichen Aequatorialstromes nach Westen hin
ab, sondern eher zu (ganz dem Passat entsprechend); seine Hauptmasse biegt vor den Philippinen nach Norden
um, die Wurzel des Kuro-shiwo bildend; aber ein grosser Theil kurvt auch nach Süden zum Gegenstrom
ab. — Die meisten bisherigen Darstellungen• beider Ströme erwecken die gänzlich falsche Vorstellung, als
seien die Aequatorialströme nur die umgehogenen Fortsetzungen der an der Westküste Amerikas dem Aequa-
tor zustrebenden Küstenströmungen. Diese meridionalen Strömungen sind so schwach (oft garnicht ausge
prägt) und so schmal, dass sie nur einen geringen Theil des Wassers ersetzen können, das die Westströmun
gen hinwegführen; sie könnten an ihrem äquatorialen Ende mit weit mehr Berechtigung als von den West
strömen aspirirte Zuilussströmungen angesehen werden, als umgekehrt die Westströme als die Fortsetzungen
von ihnen.
Zwischen den beiden Passatströmungen nach Osten fliesst über die ganze Breite des Ozeans hin
der Aequatorialgegenstrom, dessen Geschwindigkeit hauptsächlich von der der südlichen Aequatorialströmung
abhängt: ist diese stark, so ist auch der Gegenstrom stark, erreicht jedoch niemals, ausser am äussersten
Westende, wo er durch den Monsun unterstützt wird, dieselbe Geschwindigkeit, wie der Nordrand jener,
bleibt vielmehr um mindestens 1 j i dahinter zurück.
Von der Geschwindigkeit des nördlichen Aequatorialstromes scheint die des Gegenstromes wenig be
einflusst zu werden. Wenn Hofimann 1 ) angiebt, dass im nördlichen Aequatorialstrom der Weststrom im
allgemeinen stärker ist, sobald kein Oststrom nördlich vom Aequator beobachtet wird, dass dagegen Schiffe,
die Oststrom gehabt haben, keinen erheblichen Nordäquatorialstrom antreffen, so ist das in sofern richtig,
als im Winter, wenn der Gegenstrom oft unterdrückt ist, der nördliche Aequatorialstrom das Maximum
seiner Geschwindigkeit erreicht; andererseits im August bis Oktober, wenn der Gegenstrom am stärksten
entwickelt ist, der nördliche Aequatorialstrom sehr schwach ist. Sollte die Angabe aber bedeuten, dass
jedesmal, wenn aus irgend einem Grunde der Oststrom stark oder schwach ist, dann der Weststrom in der
Regel das entgegengesetzte Verhalten zeigt, dass also beide Strömungen in ihrer Stärke von einander ab-
hängen, so wäre sie wohl nicht aufrecht zu erhalten; es fände wohl eher das Gegentheil statt, dass nämlich,
je regelmässiger und stärker gerade die Passattrift auftritt, um so regelmässiger und stärker auch der
Gegenstrom gefunden wird. — Der Gegenstrom, der, wenigstens in den Monaten, wo im Kalmengürtel
SW-Winde vorherrschen, eine geringe Nordkomponente in seiner Ostrichtung hat, giebt in den meisten
Monaten zwischen 140° und 110° W. Lg. von seinem Nordrand Wasser zum nördlichen Aequatorialstrom ah.
Auch das Wasser des Gegenstromes, das auf die Küste zufliesst, biegt in der Regel unter der Küste nach
Norden ah und strömt, vom Winde begünstigt oder gehindert, dem nördlichen Aequatorialstrom zu. Man
sollte eigentlich erwarten, dass der Gegenstrom in' seiner Hauptmasse im Golf von Panama nach Süden,
nach der Seite des stumpfen Winkels hin, umbiegt (wie es auch die meisten bisherigen Karten darstellen),
besonders auch um das von dem südlichen Aequatorialstrom von der Küste hinweg geführte Wasser zu
ersetzen. Dieses Abfliessen nach Süden hin findet nun in der Regel nicht statt (wenigstens nicht an der
Oberfläche), wohl deshalb, weil der Monsun es nicht zulässt; er drängt vielmehr das Wasser an die Küste
von Mittelamerika, an der entlang es nach NW abfliesst, am Kap Blanco oft mit sehr grosser Geschwindig
keit nach Norden strömend.
Das ist das gewöhnliche, das Normalbild, das die Strömungen so lange inne halten, wie es nur irgend
geht; sie lassen sich nur ungern und nach langem Kampfe mit widrigen Winden zwingen, andere Bahnen
einzuschlagen und kehren sofort wieder zum Normalzustand zurück, sobald die widrigen Verhältnisse auf
gehört haben, ohne erst die Gunst des Windes abzuwarten. So verdrängen die Monsune das West
ende des nördlichen Aequatorialstroms nur langsam aus dem Gebiet zwischen Philippinen und Marianen
und nur während der drei Monate Juli bis September gelingt ihnen das zumeist. In dieser Zeit kann der
nördliche Aequatorialstrom nicht die Wurzel des Kuro-shiwo bilden, sondern kann diesem seine Wässer
') Auf pag. 41 seines Werkes.