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Der leichte nordöstliche Wind, welcher das Schiff über den Aequator
führte, hielt südlich desselben für längere Zeit an. Er wurde allmählich kräftiger,
als man nach 2° S-Br gelangt war, und schliefslich entwickelte sich aus dem-
selben, unweit 3° S-Br in 94° O-Lg, der SE-Passat, Von frischer beständiger
Briese. begünstigt, durchsegelte „Deutschland“ dann dessen Gebiet, und wurde
am 3. Juni in etwa 23° S-Br und 60° O-Lg dessen polare Grenze erreicht.
Als dieselbe überschritten worden war, beschrieb der Wind in langsamer Weise
mehrere Male einen Rundlauf durch alle Striche des Kompasses, in denen der
dann kräftige Wind sich lange in den östlichen Quadranten hielt. Der Fort-
gang des Schiffes war diesen Verhältnissen entsprechend ein ganz befriedigender.
Westliche Winde von längerer Dauer, die zu Zeiten auch als Stürme auftraten,
wurden erst westlich von 27° W-Lg angetroffen, und würde dann an mehreren
Tagen nur geringer Fortschritt erzielt worden sein, wenn nicht gerade hier die
Agulhas-Strömung helfend eingetreten wäre. In 48 Stunden versetzte dieselbe
das Schiff nicht weniger als 156 Sm nach WzS. Bei leichtem nordöstlichem
Winde passirte „Deutschland“ am 22. Juni die Länge der Kapstadt, überstand
im Atlantischen Ocean dann noch eine längere Periode nordwestlicher Winde
und gelangte am 29. Juni in 10,8° O-Lg wieder nördlich von 30° S-Br. Das
Schiff hatte 16 Tage südlich von diesem Parallel zugebracht und auf seiner
Fahrt über den Indischen Ocean 90° O-Lg in 9° S-Br am 23. Mai, 60° O-Lg
in 23,2° S-Br am 3. Juni und 30° O-Lg in 32,6° S-Br am 15. Juni; ferner
10° S-Br in 88,5° O-Lg am 23. Mai, 20° S-Br in 66,5° O-Lg am 1. Juni und
30° S-Br in 36,8° O-Lg am 13. Juni geschnitten,
Der frische SE-Wind, welcher das Schiff nördlich von 30° S-Br brachte,
endete unweit 24° S-Br in 2,5° W-Lg, und leichter, mehrere Tage anhaltender
westlicher Wind trat an dessen Stelle. In der Nähe von 22° S-Br in 0,9° O-Lg
kam schliefslich wieder leichter SE-Wind durch, der nach und nach etwas auf-
frischte und zum Passat wurde. Nördlich von 15° S-Br herrschte frischer, be-
ständiger Wind, mit welchem „Deutschland“ am 21. Juli in 21,2° W-Lg die
Linie erreichte. Um zu diesem Punkte von 30° S-Br aus zu gelangen, waren
22 Tage erforderlich gewesen, und haite man vorher 20° S-Br in 0,9° W-Lg
am 8. Juli und 10° S-Br in 12,6° W-Lg am 16. Juli gekreuzt.
In nördlicher Breite ging unweit 8° N-Br in 24,3° W-Lg der Passat,
ohne dabei an Stärke abzunehmen, in den SW-Monsun über. Bei diesem Winde
gelangte man dann nach 12,5° N-Br in 24,6° W-Lg, ohne Mallung anzutreffen.
In der Nähe dieses Punktes endete der zuletzt aus nordwestlicher Richtung
wehende Wind, und Mallung wie Stille trat an dessen Stelle; 5 Tage hielten
diese Verhältnisse an, nach Verlauf dieser Zeit erreichte das Schiff in 13,7° N-Br
und 26,1° W-Lg das Gebiet des NE-Passats. Auch in diesem wurde anfänglich
nur noch sehr leichter Wind angetroffen, derselbe frischte erst nördlich von
17,5° N-Br auf und wurde schon wieder flauer, als 25° N-Br überschritten
worden war. Bis nach 33,8° N-Br in 43,2° W-Lg wurde „Deutschland“ vom
Passate begleitet, und auch nachdem derselbe unweit dieses Punktes ein Ende
genommen hatte, walteten östliche Winde doch noch für lange Zeit nachher
vor. Man war nach 41° N-Br in 38° W-Lg gekommen, bevor der Wind durch
Süd nach West drehte, worauf endlich der letzte Theil der Reise bei meist
günstigen Winden vollendet werden konnte. Am 1. September befand sich
„Deutschland“ in der Nähe von Lizard; es waren damals 127 Tage verflossen,
seit man von Rangoon aus in See gegangen war — 42 derselben hatte das Schiff
nördlich von der Linie im Atlantischen Ocean zugebracht, und waren dort
10° N-Br in 24,8° W-Lg am 27. Juli, 20° N-Br in 32,4° W-Lg am 6. August,
30° N-Br in 39° W-Lg am 13. August und 40° N-Br in 40,2° W-Lg am
21. August gekreuzt worden,
13. Reise der Bremerhavener Bark „Auguste“, Kapt. H. Schumacher.
Am 22, Juli 1879 befand sich die von Cardiff nach Honolulu bestimmte
Bark „Auguste“ in Sicht der Scilly-Inseln. Bei umlaufenden Winden, die ebenso
häufig aus östlicher, wie westlicher Richtung herrschten, verfolgte das Schiff
von dort aus zunächst seinen Weg nach Süden. Der Fortgang nach dieser Richtung
hin war nicht sehr befriedigend: er wurde jedoch ein rascherer, nachdem unweit