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Full text: 64, 1936

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April. 1936. 
über Hamburg bzw, auch Lindenberg) vom Boden bis 5 km Höhe eingezeichnet, 
Jann. die Änderung im exiremsien?) der 12 5 cherhagschen Gewitterfälle, vom 
12. auf den 13, September 1929, und endlich die Temperaturänderung über Ham- 
burg—Lindenberg nach dem norddeutschen Nachmittagsgewitter bzw. dänischen 
Nachtgewitter vom 19, bis 20, August 1932. Man sieht in allen Fällen den 
gleichen. Änderungstypus; ur übertrifft der Erwärmungswulst zwischen Boden 
und 2 km Höhe den stärksten der Scherhägsechen Fälle ganz beträchtlich! 
Die starke negative Änderung oberhalb 1500 m Höhe in. dem Fall rom 1% Sep- 
‚ember 1929 fällt, wie die mittlere Temperaturänd erungskurve zeigt, aus dem Rahmen 
der übrigen Fälle heraus. Doch bleibt zu beschten, daß im Mittel sowchl wie in 
unserem. Falle oberhalb 8,6 km Höhe Abkühlung eintritt. Im Mittel der Scher- 
hagschen Fälle ist diese aber so unbedeutend, daß — bei gleichzeitiger Feuchte- 
zunähme -— die äquipotentielle Temperatur bis 5km Höhe angestiegen ist. 
[x diesem Falle vom 19, bis 20. August Ist demgegenüber auch die Aqui- 
potentielle Temperatur über Hamburg oberhalb 3 km Höhe gesunken, maximal 
am etwa 4° dicht unterhalb 5 km Höhe (vgl. Abb, 48, Tafel 20), wenn auch das 
Eindrucksvollste der rund 18° betragende Anstieg in der 500 m-Schicht ist (äqui- 
potentielle Temperatur in 450 m Höhe am 20. morgens 62,7°1. Die hinzugefügte 
mittlere Kurve für August-Tropikluft nach Schinze?) zeigt, daß am 19, wie am 
20, Augusf nur die Werte in Bodennähe und in großer Höhe eine ungefähre 
Entsprechung zu Schinzes TL-Werten. aufweisen. Die Hamburger Abkühlung 
aberhalb 3 km Höhe am 20, August ist in Anbetracht der Vortags-Höhentempe- 
raturen. über Westeuropa. und der Verhältnisse am 20, selbst schwer erklärhbar; 
Charakter, Eintrittszeit und Herkunft dieser Abkühlung müssen deshalb proble- 
Mmatisch. bleiben, da der Deutungsversuch eine synoptisch-aerologische Sonder- 
untersuchung‘ notwendig machen würde, Ihre Geringfügigkeit im Vergleich. mit 
der Geftroposphärischen. Erwärmung und ihr Fehlen im Mittel der Scherhag- 
schen Fälle läßt ihren Einfluß auf die Gewitterbildung aber von vornherein als 
nicht ausschlaggebend. erscheinen, I 
Dieser Eindruck wird dadurch verstärkt, daß am 20, selbst, nach dem Ein- 
iritt des starken Vertikalgefälles der äquipotentiellen. Temperatur keine Gewitter 
in Deutschland zutandekommen — 806, wie Frankreich am 19, August im Bereich 
der Heißluft vollkommen niederschlags- und gewitterfrei blieb. Es tritt vielmehr 
hinter der Warmfront einer der heißesten Schönwettertage in der Witterungs- 
geschichte Mitteleuropas ein, indem z. B. in Mitteldeutschland. Temperaturen. bis 
37% in Hamburg: 341° erreicht werden. Erwähnt mag noch sein, daß am Vor- 
tage (19. die 500 mb-Druckfläche über Duxzford (Südengland) die enorme Höhen- 
lage von 581 bis 582 dynamischen Dekametern erreichte, über Le Bourget bei 
Paris eine solche von 590 dynamischen Dekametern, und daB ihr Abstand von: 
der 1000 mb-Fläche (relative Topographie) über Duxford 565, über Le Baurget 
572 dynamische Dekameter betrug. N / | 
Die Labilisierung allein und insbesondere die Labilisterung in der Höhe 
— am 20, August herrscht über Hamburg teilweise trockenadiabatisches Tempe- 
raturgefälle (vgl. Abb. 14) — kann also nicht für die Gewitterbildung verant- 
wortlich gemacht werden, Ist an den Umlagerungen in der Höhe keine Irisch 
zus den unteren Atmosphärenschichten heraufgeschaffte Luft beteiligt, so wird 
sich, wegen des damn ungenügenden Wasserdampfes der aufsteigenden. Luft- 
quanten, kein Gewitter-Cumulonimbus, sondern nur Fallstreifengewölk der mitt- 
leren und hohen. Wolkengruppe entwickeln. können, Wesentlich ist, daß eine 
genügend große, zusammenhängende Masse von wasserdampfreicher bodennaher 
Luft erst einmal bis zu ihrem Kondensationsniveau heraufgeschafft wird, und 
dies wird am ehesten. durch die Konvergenz von Luftströmen geleistet, Eine 
solche Konvergenz tritt vornehmlich im Zusammenhang mit elliptischen Druck- 
{allgebieten auf (vgl. Abh. 4, 5, 6). Hierbei kann, wie eben gezeigt wurde, 
der Seewind tagsüber eine zusätzlich verstärkende Rolle spielen (Nachmittags. 
gewitter): wenn die geeigneten Vorbedingungen herrschen. 
X Fall mit stärkster Erwärmung in 500 m Höhe. — 2) Gerhart Schinze, Die praktische 
Wetteranalyse, Archir 4. D. 8. Bd, 52, N L 01932) S 81
	        
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