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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 48. Bd. Ñr. 1.
Seebrise gemildert wird. In Chuquicamata dagegen bestanden 1915 folgende Verhältnisse: Niederschlag
18,6 mm, relative Feuchtigkeit 30%, absolute Feuchtigkeit 3,0 mm bei einer Temperatur von 11,3°; um
2p Uhr: 21%., 3,4 mm und 19,0°; in Collahuasi (1915) stieg der Niederschlag wahrscheinlich auf mehr
als 130 mm, während die übrigen Faktoren 40 %, 2,1 mm und 0,8° im Jahresmittel betrugen; um 2p Uhr
finden wir 32%, 1 mm, 5,4°. Während die relative Feuchtigkeit in Chuquicamata und Collahuasi auf
0% sinken kann, war das Minimum in Iquique 60%. — Ein in einer englischen Hütte auf gestellt er Ver
dunstungsmesser gab für Collahuasi einen eineinhalb mal höheren Wert als für Iquique.
Man sieht hieraus, daß, während die Niederschläge von der Küste gegen die Puna und besonders
gegen die Hoch-Kordillere zu von 0 auf relativ hohe Werte ansteigen, umgekehrt der Wasserdampfge
halt der Luft von der Küste nach Osten zu in außerordentlich betonter Weise abnimmt. Die Kor-
dillere ist in bezug auf Niederschläge also sehr viel feuchter, in bezug auf die
Luftfeuchtigkeit sehr viel trockener als die Küste. Puna und Hoch-Kordillere dürf
ten in geographischem Sinne (Pflanzenwelt) bei enger Fassung des Wüstenbegriffs nicht als Wüste
gelten, sondern als Steppe oder Wüstensteppe, da eine an die Lufttrockenheit angepaßte Vegetation vor
handen ist.
Um Irrtümer zu vermeiden wäre es angebracht, die Ausdrücke „trocken“ und „feucht“ in der
Meteorologie, Klimatologie und Geographie einheitlich anzuwenden, also in bezug auf den vorhandenen
Wasserdampf oder vielleicht besser noch in bezug auf den Austrocknungswert, welcher im physikalischen
Sinne die größere oder geringere (potentielle) Wasserabgabe irgend eines Gegenstandes unter bestimm
ten Bedingungen angibt.
Für die kondensierten Wassermengen sollte man ausschließlich Ausdrücke wie „niederschlagsarm“
oder „niederschlagsreich“ gebrauchen.
Gerade das für Nord-Chile gegebene Beispiel zeigt, wie wichtig für das Leben die kondensierten
Niederschläge sind, selbst wenn sie spärlich fallen und die Luft überdies extrem trocken ist. Haben
doch die Pflanzen die Fähigkeit, Wasser in flüssiger Form in jeder noch so geringen Menge zu absor
bieren und mit Hilfe ihrer den Umständen angepaßten Organe zu verwerten (man vergleiche hiermit
auch die G a r u a Vegetation gewisser Gebiete der nordchilenischen und peruanischen Küste) (Xerophile
Pflanzen, Kondensationsorgane).
Umgekehrt kann auch die dürftigste Pflanze nicht in einem Gebiet existieren, wo der Gehalt an
Wasserdampf ein hoher ist, wenn kondensierte Niederschläge irgend welcher Art oder unterirdische
Wasserläufe fehlen. Ein solches Gebiet stellt die Wüste an der nordchilenischen Küste dar.
(21) Siehe W. Knoche, La evaporación en Chile. Revista Chilena de Historia y Geografía No. 32,
1919, p. 398, 441.
(22) Siehe Hann, Handb. d. Klimatol. 1911, I., p. 4.
(23) H o m é n (cit. II a n n, Lehrbuch d. Klimatol. 1915, p. 49) beobachtete in Finnland bei einer
Lufttemperatur von 23° für Granit eine Oberflächentemperatur von 35°, für Sand 42°, für Torf 28°, bei
einer Lufttemperatur von 10° für Granit 14°, Sand 8°, Torf 6°. Sandiger Boden ist für Niederschläge
durchlässig und vermehrt außerdem bei einer höheren Oberflächentemperatur den Austrocknungswert.
Hierauf beruht vielleicht das Vorkommen einer xerophilen Vegetation (Myrten usw.) in vielen Teilen
niederschlagsreicher Gebiete Süd-Chiles.
Bemerkenswert sind die von C. Dorno bestimmten Oberfläehentemperaturen verschiedenartiger
Objekte im Vergleich zur Lufttemperatur und unter Angabe der Austrocknungswerte Objekt und Luft;
er bezieht sich auf verschiedenartige Böden, auf Pflanzen und Baumaterialien (vergl. Grundzüge des
Klimas von Muottas-Muraigl, Vieweg, Braunschweig 1927). Aus der daraus entnommenen Tabelle ist
ersichtlich, wie wenig wertvoll für jedwede Spezialuntersuchung die allgemeinen in den meteorolo
gischen Jahrbüchern auffindbaren Werte sind, um Schlüsse zu ziehen, die auf klimatischer Basis be