Erläuterungen und Begriffsbestimmungen
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Deklinationsungleichheiten in Hoch- und Niedrig
wasserhöhe haben bei halbtägigen Gezeiten eine
Abnahme des Tidenhubs mit wachsender Dekli
nation des Mondes zur Folge.
Springzeit (bei halbtägiger Gezeitenform) ist
die Zeit, zu der die halbmonatliche Ungleichheit
in Hochwasserhöhe ihren größten positiven Wert
annimmt. Wenn die halbmonatliche Ungleichheit
alle anderen Ungleichheiten übertrifft, was bei
halbtägiger Gezeitenform mit Ausnahme weniger
Gebiete auf der Erde der Fall ist, so treten also
zur Springzeit durchschnittlich die höchsten Hoch
wasser ein. Bei eintägiger Gezeitenform ist dies
kurz nach dem Eintritt der größten nördlichen oder
südlichen Deklination des Mondes der Fall.
Springverspätung (bei halbtägiger Gezeiten
form) ist der Zeitunterschied zwischen dem Ein
tritt des Voll- oder Neumondes und der Springzeit.
Bei eintägiger Gezeitenform ist die Springverspä
tung der Zeitunterschied zwischen dem Eintritt der
größten nördlichen oder südlichen Deklination des
Mondes und der Springzeit.
Nippzeit ist die Zeit, zu der die halbmonatliche
Ungleichheit in Hochwasserhöhe ihren größten
negativen Wert annimmt. Wenn die halbmonat
liche Ungleichheit alle anderen Ungleichheiten
übertrifft, was bei halbtägiger Gezeitenform mit
Ausnahme weniger Gebiete auf der Erde der Fall
ist, so treten also zur Nippzeit durchschnittlich die
niedrigsten Hochwasser ein. Bei eintägiger Ge
zeitenform ist dies kurz nach dem Äquatordurch
gang des Mondes der Fall.
Nippverspätung ist bei halbtägiger Gezeitenform
der Zeitunterschied zwischen dem Eintritt des er
sten oder letzten Mondviertels und der Nippzeit,
bei eintägiger Gezeitenform der Zeitunterschied
zwischen dem Äquatordurchgang des Mondes
und der Nippzeit.
5. Berechnungsmethoden
Nonharmonisches Verfahren zur Berechnung
der Gezeiten (von halbtägiger Form) ist ein Ver
fahren, bei dem man die Hoch- und Niedrig
wasserzeiten eines Ortes erhält, indem man zu den
Meridiandurchgangszeiten des Mondes die mittle
ren Hoch- und Niedrigwasser-Intervalle sowie die
Ungleichheiten in Hoch- und Niedrigwasserzeit hin
zufügt; die Hoch- und Niedrigwasserhöhen, indem
man zu den mittleren Hoch- und Niedrigwasserhö
hen die Ungleichheiten der Hoch- und Niedrigwas
serhöhe hinzufügt. Die vier Ungleichheiten in Zeit
und Höhe werden ihrerseits aus je einer halbmonat
lichen, parallaktischen, Deklinations- und täglichen
Ungleichheit sowie gegebenenfalls auch noch wei
teren Verbesserungen zusammengesetzt.
Harmonisches Verfahren zur Berechnung der
Gezeiten ist ein Verfahren, bei dem die Gezeiten
durch Zusammensetzen aus einer Anzahl harmo
nischer Teiltiden berechnet werden. Als Grundla
ge dienen dabei die harmonischen Gezeitenkon
stanten des Ortes.
Harmonische Analyse der Gezeiten ist ein Ver
fahren zur Untersuchung der Gezeiten, nach dem
diese in eine größere Anzahl streng periodischer
harmonischer Teiltiden von der Form A-cosU zer
legt werden. Die Winkel U der einzelnen harmo
nischen Tiden nehmen gleichmäßig mit der Uhr
zeit t am Ort zu, da sie je gleich einem Ausdruck
von der Gestalt (P+T+i-t) mit festen Werten P, T
und i sind. Die verschiedenen Perioden der ein
zelnen Tiden sowie die verschiedenen Werte T
ergeben sich aus der Lehre von den Bewegungen
des Mondes und der Sonne; sie sind für alle Orte
der Erde die gleichen. Die Amplituden A und die
Phasen P der einzelnen Tiden sind dagegen im
Allgemeinen von Ort zu Ort verschieden und kenn
zeichnen den verschiedenartigen Verlauf der Ge
zeiten an den einzelnen Orten. Die harmonische
Analyse der Gezeiten beruht auf einer gleichar
tigen Zerlegung der gezeitenerzeugenden Kräfte
in harmonische Glieder.
Harmonische Darstellung der Ungleichheiten
(HDdU) ist ein Verfahren zur Berechnung der
Gezeiten, das dem nonharmonischen Verfahren
ähnelt, bei dem jedoch die Ungleichheiten der
Hoch- und Niedrigwasser in Zeit und Höhe ähnlich
wie beim harmonischen Verfahren durch Zusam
mensetzen aus periodischen Gliedern berechnet
wird.
Differenzenverfahren zur Berechnung der Ge
zeiten ist ein Verfahren, bei dem die Eintrittszeiten
und Höhen der Hoch- und Niedrigwasser eines
Ortes aus den bereits vorhergehenden Eintritts
zeiten und Höhen für einen anderen Ort durch An
bringen von Verbesserungen berechnet werden, die
aus den Differenzen der mittleren Intervalle und Hö
hen an den beiden Orten sowie aus den Differenzen
der halbmonatlichen Ungleichheiten oder weiteren
Ungleichheiten in Zeit und Höhe gebildet sind.
Harmonische Gezeitenkonstanten eines Ortes
sind die Höhe des mittleren Wasserstandes ZO so
wie die Amplituden A und die Phasen P der einzel
nen harmonischen Teiltiden, wie sie sich nach der
harmonischen Analyse der Gezeiten an diesem
Ort ergeben.