Neben den genannten Aktivitäten werden auch ständig Sonderaufgaben für die
Bundesrepublik Deutschland im nationalen und internationalen Rahmen wahrge-
nommen. Hierzu gehören u. a. der Entwurf, die Überprüfung und Darstellung von
Hoheits-, Fischerei- und Festlandsockelgrenzen. Für die Bundesmarine werden spe-
zielle Aufträge erledigt. Darüber hinaus werden ständig in- und ausländische Besu-
cher über die Herstellung und Fortführung von Seekarten informiert. Die Ausbildung
von Nachwuchs erstreckt sich auf drei Auszubildende für den Ausbildungsberuf
Kartograph und Berufspraktikanten, die hier ihr praktisches Semester absolvieren.
{m Referat „Nautische Kartographie“ sind z. Z. 38 Bedienstete — davon 33 Inge-
nieur-Kartographen — tätig.
Kartographisches Personal in der nautischen Kartographie von 1875 bis heute
Der erste kartographische Fachmann des Seekartenwerkes war der aus der
Petermannschen Schule in Gotha stammende Kartograph A. Welcker, der 1875
eingestellt wurde, nachdem er zuvor beim Hydrographic Office in Washington bei
der Herstellung der USA-Seekarten mitgewirkt hatte. Ihm wird richtungsgebender
Einfluß auf die Gestaltung der deutschen Seekarten zugeschrieben.
Die Kartographen waren damals Beamte auf Lebenszeit oder Diatäre. Fünf
Kartengruppenleiter — heute Sachgebietsleiter — erhielten eine pensionsfähige Zu-
lage von jährlich 600 Mark. Der Leiter der Kartographie — heute Leiter des Referats
„Nautische Kartographie“ — war expedierender Sekretär.
Im Jahre 1910 befanden sich beim Seekartenwerk des Reichs-Marine-Amts
Kartographen, die aus kartographischen Anstalten oder aus der Decksoffizierslauf-
bahn der Seevermessung hervorgegangen waren. Letztere mußten Oberdecksoffi-
ziere und Kommandanten von Peilbooten gewesen sein.
Nach 1918 wurden die Beamtenstellen stark abgebaut und durch Angestellten-
stellen ersetzt. So kam es damals zu der Regelung, daß nur der kartographische und
technische Leiter sowie die Kartengruppenleiter und ihre Vertreter Beamte waren;
alle anderen Kartographen waren Angestellte. Anstelle der Decksoffiziere wurden
damals Oberfeldwebel der Steuermannslaufbahn der Seevermessung nach 12jähriger
Dienstzeit zur Kartographenlaufbahn zugelassen. Sie mußten ebenso wie die zivilen
Kartographen eine Fachprüfung und eine Prüfung in drei Fremdsprachen ablegen.
Die zivilen Kartographen mit Mittlerer Reife oder Abitur kamen meist von der
von 1911 bis 1945 bestehenden „Hydrokartographischen Anstalt“ von Richard Ende-
rich in Berlin. Diese hatten neue Seekartenoriginale zu zeichnen und kartographische
Fortführungsarbeiten auszuführen. Herr Enderich war bei der Firma Flemming in
Glogau als Kartograph ausgebildet worden und blieb nach Jahren selbständigen
Arbeitens noch 9 Jahre beim Seekartenwerk tätig, ehe er sich auf Wunsch des
Reichs-Marine-Amts seine eigene Firma gründete. In dieser wurden etwa 80 Lehr-
linge ausgebildet, von denen heute noch einer — er wird im Frühjahr 1987 aus dem
DHI ausscheiden — in der nautischen Kartographie tätig ist.
In einer Denkschrift von 1928 über die bisherige Entwicklung des deutschen
hydrographischen Werkes wird auf die Schwierigkeit hingewiesen, „bei unsteten
Entwicklungsverhältnissen geeignete Kartographenkräfte zu bekommen. Ein voll-
wertiger Seekartenkartograph bedarf einer Ausbildungszeit von 8 bis 10 Jahren, um
den hohen Anforderungen des Seekartenwerkes zu genügen. Geeigneter Nachwuchs
ist aber nur zu erhalten, wenn die Fortführung des Seekartenwerkes genau festgelegt
ist. Andernfalls besteht die Gefahr, daß aus Mangel an geeigneten Kräften das
Seekartenwerk nicht in der für die Sicherheit erforderlichen Weise laufend richtig
gehalten werden kann.“