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Full text: Sturmfluten in der Elbe und deren Vorhersage im Wandel der Zeiten

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Sylvin H. Müller-Navarra, Sturmfluten in der Elbe und deren Vorhersage im Wandel der Zeiten 
Hamburg - die Elbe und das Wasser sowie weitere wassertustonsche Beitrage Schriften 
der DWh(., Band 13, Siegburg 2009, ISBN 978-3-8370-2347-3 
Streifen bis an den Deich. Ein breiterer Gra 
ben, der ,Sielgroben 1 , ist durch das Siel, ein 
dickes Rohr aus ausgehöhlten Baumstämmen, 
das durch den Deich hindurchgeht, mit der 
Elbe verbunden. Da auch wiederum alle Grä 
ben des Hofes untereinander durch ,Piepen 1 , 
Tonröhren oder ausgehöhlte Erlenstämme in 
Verbindung stehen, so ist das ganze Graben 
netz an die Elbe und damit an das Steigen und 
Fallen des Wassers, an Ebbe und Flut, ange 
schlossen; so fühlen die Bauern, obgleich 
mitten im Lande wohnend, umhegt von hohen 
Deichen, täglich und stündlich den Atem und 
die Kraft des Stromes und des Meeres, sehen 
das Wasser steigen bei Hochfluten oder im 
Frühjahr, sehen es wegfallen bei Ostwind und 
im heißen Sommer und werden so immer 
erinnert an ihre Abhängigkeit vom Naturge 
schehen und den Wettergewalten, bleiben 
wach und gespannt, rege und denkend und 
fühlen sich verbunden mit der ewigen Natur 
und ihrem Werden und Vergehen.“ 
Einleuchtend ist auch, dass durch die Wasser 
bewegung und den Wasseraustausch in den 
Gräben ein kleinklimatischer Effekt erzielt 
wurde, der die nächtliche Auskühlung ab 
schwächte und damit Frostschäden während 
der Obstblüte zu verhindern half. Nach dem 
Abdämmen der Alten Süderelbe im April 
1962 war der Tidenstrom, bei dem bei jeder 
mittleren Tide 3,4 Millionen Kubikmeter 
Wasser hinein- und dann wieder hinaus flös 
sen, unterbrochen (Anonymus, 1964). 
Mit der Entwicklung der Elbe als Schifffahrts 
straße haben sich über die Jahrhunderte auch 
Gezeitenphasen und -hübe drastisch verändert 
(Rohde, 1971). Bei heutigem, bereits sehr gut 
ausgebautem Zustand, werden zukünftige 
Ausbaumaßnahmen der Elbe wie z. B. Fahr 
rinnenanpassungen vergleichsweise geringe 
Auswirkungen haben (Dücker et al., 2006). 
Nordseestürme und Windstau 
Die Ursache von Sturmfluten in der Elbe 
kennt man schon seit langer Zeit (Hessel, 
1675). Auch über solche in der Deutschen 
Bucht und im Mündungstrichter der Elbe ha 
ben Chronisten berichtet (Weikinn, 1958). 
Über die qualitative Beschreibung der Abläu 
fe kamen diese Berichte jedoch nicht hinaus. 
Erst Lentz (1879), ein Hamburger Wasserbau 
inspektor, nahm sich der Sache wissenschaft 
lich an und quantifizierte die Zusammenhänge 
zwischen Wind und Windstau. Insbesondere 
fand er heraus, das nicht der Wind vor Ort 
entscheidend für den lokalen Windstau ist, 
sondern vielmehr ein gewisses Flächenmittel 
in der Deutschen Bucht berücksichtigt werden 
muss, wenn man den Anstau des Wassers an 
der Küste berechnen will. 
Der Windstau ist die Differenz in Höhe zwi 
schen einem eingetretenen Scheitelwasser 
stand und der zeitlich zugehörigen astrono 
misch vorausberechneten Hoch- bzw. Nie 
drigwasserhöhe. Bei stürmischem Wetter 
kann die Eintrittszeit des Scheitelwasserstan 
des deutlich von der vorausberechneten ab- 
0 m ugi mein UWII 1 Z-/VII" 
Problem mit dem Begriff „Skew Surge“ 
Rechnung (Gerritsen et al., 1995). 
Wenn man nur den Windstau zu den Hoch- 
und Niedrigwasserzeiten berechnet, lassen 
sich einfache empirische Windstautabellen 
aufstellen. Es ist zweckmäßig, deren vier zu 
benutzen, um den Einfluss des Windes in der 
südlichen Deutschen Bucht bei unterschiedli 
chen dynamischen Bedingungen im Mün 
dungstrichter der Elbe bei Cuxhaven zu erfas 
sen (Iomczak, I960). Für jeweils Hoch- bzw. 
Niedrigwasser ist zwischen ablandigen (20° 
bis 200°) und auflandigen Winden (200° bis 
20 ) zu unterscheiden. Eine solche Tabelle für 
Hochwasser und auflandigen Wind ist in 
Abb. 2 graphisch dargestellt. Auf der Abszisse 
ist die Windrichtung aufgetragen, auf der Or 
dinate findet sich die Windgeschwindigkeit in 
Knoten. Die dicke Linie zeigt die bei einer 
bestimmten Windgeschwindigkeit jeweils 
stauwirksamste Windrichtung an, bei Sturm 
ist es Westnordwest (~ 295 °).
	        
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