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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 40 (1912)

Ann. d. Hydr. usw., XXXX. Jahrg. (1912), Heft I. 
Wie steht es um unsere Wettervorhersage?) 
Von Professor Dr. Grossmann, Abteilungsvorstand der Deutschen Seewarte 
(Hierzu Tafel 1.) 
In keinem anderen Staate nächst den Vereinigten Staaten Nordamerikas 
genießt der Wetterdienst wohl eine derartige Förderung wie im Deutschen Reich, 
wo für den im Jahre 1906 eingerichteten Öffentlichen Wetterdienst die Aufgabe 
besteht, Wetterkarten so zeitig und an so viel Stellen zu verteilen, daß sie mög- 
lichst jedem Bezieher noch am Ausgabetage zugängig sind, und wo während der 
fünf warmen Monate die Wettervorhersage gegen Mittag an jedem Postamt an- 
geschlagen wird. Das aeronautische Institut in Lindenberg bei Beeskow, die 
Drachenstationen in Groß-Borstel bei Hamburg und in Friedrichshafen am Boden- 
see, sowie die zahlreichen Pilotstationen, die über Monate ausgedehnten wieder- 
holten Versuche mit dem funkentelegraphischen Bezuge von Wetternachrichten 
vom Atlantischen Ozean, sie legen sämtlich Zeugnis ab von der Förderung, die 
der Staat dem Wetterdienst zuteil werden läßt, um ihn der Erfüllung seiner vor- 
nehmsten Aufgabe, der Aufstellung wirklich zuverlässiger Wettervorhersagen 
näher zu führen... War es ursprünglich die Landwirtschaft, zu deren Frommen 
der öffentliche Wetterdienst in erster Linie eingeführt wurde, so hat sich das 
Wirkungsfeld durch die von der Luftschiffahrt gestellten Aufgaben erheblich 
erweitert. Die Anforderungen sind groß, nicht. minder die Erwartungen! An- 
gesichts dieser Verhältnise bietet es gewiß Interesse, Umschau zu halten, welche 
Erfolge die wissenschaftliche Arbeit für unsere Wettervorhersage aufzuweisen 
hat, welchen Nutzen unsere neueren Hilfsmittel versprechen und welche Aus- 
sichten für einen Aufschwung der Wettervorhersage vorhanden sind, Da jeglicher 
Fortschritt auf diesem Gebiet auch den zum Schutze unserer Fischerei und 
Schiffahrt erlassenen Sturmwarnungen, die den Ausgangspunkt jeglichen Wetter- 
dienstes gebildet haben, zugute kommt, so werden die nachfolgenden Darlegungen 
auch an dieser Stelle willkommen sein, 
Indem unsere Wettervorhersage auf der Vorausheurteilung der kommenden 
Luftdruckverteilung beruht, mußte das Ziel der wissenschaftlichen Arbeit zunächst 
auf das Verhalten der Änderungen des Luftdrucks gegen die am Erdboden und 
in der Höhe der Atmosphäre beobachteten Änderungen der Temperatur ge- 
richtet sein. 
An erster Stelle gilt hier die Anführung der Untersuchungen von Ekholm*®) 
über das Wesen und Verhalten der sogenannten Fall- und Steiggebiete, nämlich 
derjenigen Gebiete, die von Linien gleicher Anderung des Barometers innerhalb 
eines bestimmten Zeitraums (Isallobaren) umschlossen werden und als Gebiete 
eines Barometerfalls oder -Steigens gleich den Tiefdruck- und Hochdruckgebieten 
über unsere Wetterkarten hinwegschreiten. Für Ekholm ergab sich, »daß die- 
selben nicht eine Folgeerscheinung sind der Zyklonen und Antizyklonen, wie 
bisher fast allgemein angenommen wurde, sondern eine selbständige Erscheinung; 
lie bei ihrer Fortbewegung immer das vorhandene Isobarenfeld abändert und 
bei hinlänglicher Intensität bewegliche Zyklonen und Antizyklonen erzeugt und 
mit sich schleppt. Diese beweglichen Wirbel sind von den stationären Zyklonen 
und Antizyklonen verschieden. Aber auch die letzteren werden von den Luft- 
druckschwankungen stark beeinflußt, und ebenso diese von jenen. Wie aus den 
bisher gemachten Beobachtungen der Temperatur der höheren Luftsehichten 
hervorgeht, werden diese Schwankungen im allgemeinen dadurch hervorgerufen, 
daß die Temperatur der oberen Luftschichten sich ändert. Das Barometer an 
1!) Ein kurzer Auszug bildete den Gegenstand eines Vortrages bei der Tagung der Deutschen 
Meteorologischen Gesellschaft in München am 4. Oktober d, Js. 
?) Ekholm: Die Luftdruckschwankungen und deren Beziehung zu der Temperatur der oberen 
Luftschichten. Hann. Band der Meteor, Ztschr. 1906. Über die unperiodischen Luftdruckschwan- 
gungen und einige damit zusammenhängende Erscheinungen, Met, Ztschr. Bd. 24. 1907. 
Ann. d. Hydr. usw. 1912, Heft I.
	        
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