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Die Henry Reid-Bucht hat an den meisten Stellen eine durchschnittliche Wasser-
tiefe von ca 36m, doch flacht dieselbe nach dem südlichen Ufer hin bedeutend
ab. Während wir in der Bucht zu Anker lagen, sahen wir mehrere grofse Wasser-
vögel zwischen den Bäumen fliegen, welche mit ihren Flügeln cin eigenthümlich
rauschendes Getöse verursachten, ähnlich dem cines fahrenden Eisenbahnzuges;
liese Vögel werden von den Eingeborenen „Banga-Banga‘ genannt. Auch
fanden wir die Fufsspuren von Kasuaren an der Küste, und an einem Abend
sahen wir ein kleines „Wallaby“ welches zum Strande kam, um wahrscheinlich
Jas Salz von den Steinen abzulecken.
Sobald wir Zurner-Pt. umsteuert hatten, trafen wir auf einen langen
Streifen niedrigen Landes, dessen Strand sich fast direkt Nord—Süd ca 4 Sm
weit bie Return-Pt, erstreckt, dem südlichsten Punkte, den wir auf der Ostseite
der Küste von Neu-Britannien besuchten. An diesem Strande erblickten wir cine
grofse Anzahl Eingeborner, welche grüne Zweige schwenkten und heftig nach uns
gestikulirten. Sobald wir geankert hatten, beschlossen wir, Mr. Powell und Mr.
Brown, an Land zu gehen, da wir jedoch von den nördlicher wohnenden Ein-
geborenen so schlecht empfangen waren, waren wir zweifelhaft, wie wir hier em-
pfangen würden. Als wir landeten, schienen sie sich allerdings zuerst zu fürchten,
jedoch nach kurzer Ucberredung, und nachdem wir ihnen Perlschnüre und rothes
Zeug gezeigt hatten, begannen dieselben sich näher an uns heranzuwagen, worauf
wir einen Tauschhandel mit ihnen begannen gegen einige kleine Gegenstände,
welche sie bei sich hatten, z. B. Armbänder, Halsschnüre u. dergl. m. — Sie
kannten weder den Gebrauch von eisernen Reifen, noch eisernen Tomahawks
(sie selbst besafsen solche nur von Stein); es schien überhaupt, als ob sie
bisher nur wenig oder noch gar nicht mit Weifsen verkehrt hätten.
Die tiefe Einbuchtung zwischen Kap Buller uud Kap Orford ist Spacious-
Bucht benannt, sie lässt als Verbindung des Haupttheiles der Insel Newu-
Britannien mit der Gazelle - Halbinsel nur eine schmale Landenge zwischen
der Henry Reid - Bucht im Osten und der Hizxon-Bucht im Westen übrig.
Leider konnte diese tiefe und geräumige Bucht nicht genügend explorirt
werden, um festzustellen, ob sie nicht vielleicht diese beiden Theile von Newu-
Britannien trenne; sollte dies aber wirklich der Fall sein, so müfste das
Fahrwasser zwischen diesen Theilen sehr schmal sein, da es von See aus nicht
zu erkennen war.
3. Nordküste der Gazelle-Halbinsel vom Kap Stephens bis Kap
Lambert. Der Distrikt Goonan, in welchem die North-Daughter mit ihrem
nord-östlichen Ausläufer, dem Kap Stephens liegt, erstreckt sich ca 3 Sm längs
der Küste, in nahezu südsüdwestlicher Richtung. Längs der ganzen Küsto
findet man während des SE-Monsuns gute Ankerplätze, den besten ungefähr
2 Sın südlich und westlich von Kap Stephens, ca '/4 Sın vom Strande entfernt.
Derselbe ist an einem an der Wassergrenzc allein stehenden grünen Baum gut zu
erkennen. Der nächste Distrikt wird von den Eingeborenen Ruterwool (Ratavul)
genannt; die Küste erstreckt sich auch hier in derselben Richtung (SSW) weiter;
das Land ist niedrig, aber im Innern erheben sich Hügel von ca 150 bis 180m
Höhe, wohl vulkanischen Ursprungs, Längs der Küste sowohl wio weiter land-
einwärts erblickt man Waldungen von Kokospalmen. Ungefähr 4 Sm von Kap
Stephens entfernt, längs der Küste, ist in der Küstenlinie ein leichter Vorsprung,
bel welchem eine kleine Untiefe ca 457 m vom Strande entfernt liegt. Südlich
und westlich derselben findet man während des SE-Monsuns gute Ankerplätze.
Hierauf folgt die Tarlily-Bucht, so benannt nach dem Häuptling, welcher vor
Kurzem durch die Ermordung und Verspeisung von vier Lehrern der Mission
dem Rev. G, Brown viele Sorgen bereitet hatte, da dessen Besitzungen in
diesem Distrikte und an dieser Küste liegen. Die Tarlıly-Bucht wird an der
Ostseite von dem südwestlichen Theil des Distriktes Ruterwool und an der
Westseite durch Junior Mission-house-Pt. gebildet. Die Küste ist niedrig
und abflachend; es befinden sich an ihr viele grofse Bananen - Plantagen und
Häuser von Eingeborenen. Kinige Riffe erstrecken sich ca 180 m weit in die
Bucht hinein, aber man kann in einem Abstand von %/4 Sm vom Strande allent-
halben in der Bucht auf 16 bis 20 m Wassertiefe ankern.
Junior Mission-house Pt. ist die nördöstliche Spitze von Kabakadaie und
ist an dem Neu-Britaunischen Missionshause, welches auf derselben steht, eul