354 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1912. .
rinnen eingeklemmte Bankmasse, die Jade Plate, die gewissermaßen einen Kon-
servativismus bezüglich der Lage bewahrt und deshalb als konstante Bank an-
zusprechen ist. Zwischen dem Westufer der Jade und dem Mellum- Komplex
fristet nun noch eine Reihe von Wandersänden ein nomadenhaftes Dasein: der
Minsener Sand, die H-Plate, der sogenannte Zwischensand. —
Durch den Vergleich der beigefügten Karten kommen die in den umspannten
Zeiträumen stattgehabten Veränderungen recht deutlich zur Anschauung. Be-
trachten wir zunächst die Jade Plate, deren Rücken fast bis zum Niedrigwasser-
spiegel aufragt und sich fast bei jedem Wasserstande und jeder Windrichtung
durch heftige Brandung verrät.!) Die Karten (Taf. 15 bis 17) zeigen, daß die
Bank durch Sandanschwemmungen in der Höhenlage von 5 bis 10 m bald mit dem
Roten Grunde, bald mit dem Vorstrand von Wangeroog, bald mit beiden zugleich
in Verbindung steht, wodurch die Schiffbarkeit der Fahrrinnen der Jade an Tiefe
wesentliche Einbuße erleidet, so daß Schiffe mit großem Tiefgang diese Barren
nur zur Flutzeit passieren können, so 1859. Dabei ist aber zugleich zu kon-
statieren, daß die eigentliche Sandbank (gelb gezeichnet), deren fester Grundstock
in der Tiefe von 13 bis etwa 18 m (auf Kartennull reduziert) aus ganz gleich-
mäßigem, festem, grauem Alluvialton besteht, worunter Waldtorf liegt, unter
dem wiederum in etwa 19m Tiefe teils humoser brauner Ton, teils die un-
berührte Grundmoräne in Form von vielfach geschrammten Geschieben und
Geschiebeton und -Mergel angetroffen wurde, in der Hauptsache, namentlich im
westlichen Teile,?) die alte Position stets erfolgreich verteidigt, wenngleich auch
die revolutionierenden Wasser nicht spurlos über ihren Scheitel hinrasen. Letzteres
bezeugt die Bemerkung des Segelhandbuchs,%) daß sie sehr veränderlicher Natur
ist, was sich also nur auf das oberhalb des festen Alluvialtones lagernde lose
Material verschiedener Herkunft bezieht.‘) Bald bildet sie eine kompakte, eng
zusammengedrängte Masse, bald eine längliche Form in der Streichrichtung der
Jade, an die sich zuweilen der flüchtige Minsener Sand als Anhängsel anschließt,
Wenn wir nun bei der Jade Plate auch nichts von einer eigentlichen Wanderung
verspüren, so nehmen wir neben einer gewissen Flüchtigkeit der Bedeckung
beträchtliche Sandanlandungen an sich verändernden Punkten wahr.
Beim außerordentlich flüchtigen) Roten Grund konstatieren wir ein
langsames, aber beharrliches Zurückweichen nach Nordosten. Die Karte von 1859
zeigt allem Anscheine nach gerade den Zeitpunkt, wo der Zusammenhang mit
der Bank, die bis vor kurzem den Namen Roter Grund trug, zu zerreißen droht,
um mit neuen von Südwesten her anlandendenMassen eine neue Verbindung ein-
zugehen, die 1868 in ihrer ganzen Mächtigkeit uns entgegentritt, Dieser neue dem
Alten Mellum angegliederte Komplex erhält den Namen Roter Grund, während
auf die alte Bank dieses Namens die Bezeichnung Roter Sand zurückspringt, dessen
Massen nach Nordosten weitertreiben und schließlich an die Tegeler Plate landen.®)
Von 1868 ab ist in den nächsten 40 Jahren ein stetiges Zurückweichen des Roten
Grundes klar ersichtlich, wie aus den Vergleichskarten deutlich hervorgeht, und
schon 1908 scheint die Katastrophe wieder sehr nahe gerückt zu sein, welche die
Karte von 1859 zeigt, nämlich daß die alte Verbindung, die durch Hineinrücken
in die Weser von dieser und von der der Westböschung hart zusetzenden Flut
stark benagt und deshalb immer schmächtiger wird, sich löst, um neuen Ankömm-
lingen den Platz zu räumen. Es scheint also dem Roten Grunde ein Lebens-
alter von bis etwa 60 Jahren beschieden zu sein.’)
Ein Bild allergrößter Verwilderung und Flüchtigkeit bieten die anderen
Wandersände der Jade: der Minsener Sand, die H-Plate und der Zwischensand,
Der Minsener Sand, den wir wegen seiner nahen Lage am Küstengestade
»Allgemeiner Bericht über die Bodenuntersuchungen« (in der Jade), S. 29.
»Allgemeiner Bericht usw.«, S. 29.
Segelhandbuch, 1901, I, 3, S. 293.
‚Allgemeiner Bericht usw.«, S. 30.
Segelhandbuch, 1906, I, 3, S. 293.
‚Allgemeiner Bericht usw.«, S, 30 u. 31.
Siehe »Vorwort zum Bericht über Bodenuntersuchung in der Jade«, 8. 2.
A
”