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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1898,
Wenn wir die Kurven der vertikalen Aenderungen von Windrichtung und
Geschwindigkeit für Cyklone und Anticyklone gesondert betrachten, so finden
wir, dafs die nachgewiesene Proportionalität in deren Aenderung mit der Höhe
nur bis zum Niveau von ungefähr 1300 m, welches der Mittelhöhe der Cumuli
entspricht, stattfindet. Da die Bewegung dieser Art Wolken in der Richtung
der Isobare auf der Erdoberfläche geschieht, so darf mit Wahrscheinlichkeit zu-
gegeben werden, dafs die Reibung der Luft in bedeutendem Male, durch Adhäsion
einzelner Lufttheile aneinander, nur bis zu Höhen sich mittheile, welche geringer
sind als diejenigen, bei denen die ersten Cumuli erscheinen. Infolgedessen fällt
die Bewegung dieser Letzteren mit der Richtung der Isobare nahe zusammen, ebenso
wie es auf dem Meere, wo die Reibung unbedeutend, für unteren Wind der
Fall ist.
Schlufsfolgerungen über Luftströmungen in verschiedenen Höhen
in Verbindung mit Wolkenbeobachtungen. Oben wurde Alles dargelegt,
was aus Resultaten von Beobachtungen auf Luftschiffen über Luftströmungen in
verschiedenen Höhen gefolgert werden konnte. Weitere Forschungen in dieser
Richtung, besonders auf hohe Luftschichten bezüglich, können nur auf Grund der
Beobachtungen über Wolkenbewegung unternommen werden,
In den „Izvestiya“ der Kais. russ. Geogr. Ges. für 1893 wurden die
Resultate sowohl meiner ersten Untersuchungen in dieser Richtung als auch
einiger anderen angeführt.
Die dort angeführten Resultate basirten auf Beobachtungen, gemacht mit
Hülfe von Theodoliten meiner Konstruktion, welche es ermöglichen, Azimut und
Winkelgeschwindigkeit der Wolkenbewegung ziemlich genau zu bestimmen. Die
angegebenen Resultate konnten im Ganzen auf Folgendes zurückgeführt werden:
„Zwischen der Form der Isobaren auf der Erdoberfläche und dem Gange
der Veränderungen von Windrichtung und Geschwindigkeit mit der Höhe existirt
ein enger Zusammenhang. Wie immer die Vertheilung des Luftdruckes auf der
Erdoberfläche auch sein mag, die Bewegung der Cumuli und die Richtung der
Isobare am Boden fallen stets zusammen, wobei die erstere stets in dem
Sinne des allgemeinen Kreislaufes der Atmosphäre in Regionen von hohem
und niederem Drucke gerichtet ist. Wenn der Wind (in den oberen Schichten)
mit der Höhe nach rechts dreht, so wird dieses meistens von Sinken des Baro-
meters begleitet; dreht er nach links, so ist es umgekehrt,
Richtung und Geschwindigkeit der Bewegung der Cirren steht in engem
Zusammenhange mit Entstehung und Richtung von Cyklonen, wobei Wolken
dieser Art in breiten, mehr oder minder gradlinigen Strömen flielsen. Am
häufigsten läuft die Bewegungsrichtung der Cirren dem Theile der Isobare 760 mm
de/dv für verschiedene Breiten bestimmt worden wäre; derselbe ist für veränderliche Breiten sicher-
lich nicht konstant.
Die Formeln (3) und (4) gelten für gleichförmige Bewegung. In den ersten Abhandlungen
von Guldberg und Mohn (vgl. „Vesterr. Meteor, Zeitschr.“ 1877, S. 5%) hat es sich bereits gezeigt,
Jafs sie auf den durchschnittlichen Zustand der untersten Luftschicht nicht ohne Weiteres anwendbar
sind, indem sich aus ihnen für den gegebenen Winkel « eine viel grölsere Windgeschwindigkeit ergieht,
als mit den Anemometern gemessen wurde. Im Jahrgange 1883 der „Annalen der Hydrographie
und Maritimen Meteorulogie“ ist auf Seite 642 daraus der Schlufs gezogen, dafs die nach der
Methode von Guldberg und Molın aus der Grüfse des Ablenkungswinkels abgeleiteten Werthe
für die Reibung nicht als wirklicher Ausdruck der Zustände in der untersten Luftschicht zu betrachten
sind, da sie viel zu klein sind. Wir haben es eben an der unteren Grenze der Atmosphäre durch-
schnittlich nicht mit in gleichförmiger, sondern in verzögerter Bewegung hegriffener. weil kürzlich
erst in diese Schicht gekommener Luft zu thun.
In Sprungs „Lehrbuch der Meteorologie“ (1855. S. 131) ist der Nachweis geführt, dafs
bei der gegenseitigen Beeinflussung der Luftschichten, wie sie in der Atmosphäre mehr oder weniger
immer durch Massenaustausch stattfindet, die Richtung sich anders verhält als die (Geschwindigkeit,
indem bei nach oben zunehmender Geschwindigkeit der Winkel zwischen Wind und CGiradient unter
Umständen doch noch gröfser sein kann in der Grundschicht als in der freien Atmosphäre. Ist
dieses auch nur Ausnahme, so ist doch wohl stets die Abnahme dieses Winkels bei herubsteigenden
Luftmassen relativ geringer als die Abnahme der (Geschwindigkeit,
Immerhin können die nach dem GGuldberg-Mohnschen Verfahren aus dem Winkel w
abgeleiteten Gröfsen der Reibungskonstante als Relativwerthe, die für eine gewisse Höhe über dem
Erdboden auch reale Bedeutung haben, sehr nützliche Anwendung in der Meteorologie finden, da
sie für viel mehr Orte bestimmt werden können und freier von ganz lokulen Umständen sind als
die aus dem Quotienten v : Grölse des Gradienten bestimmten, welche letzteren doch auch nicht
frei sind von dem Einfluls der einseitigen Ungleichförmigkeit der durchschnittlich verzögerten Bewe-
gung der untersten Luftschicht. W. K.