Die Küste, 56 (1994), 51-65
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3.3. Deformiertes Eis
Deformiertes Eis ist ein allgemeiner Begriff für Eis, das zusammengedrückt und örtlich
gepreßt wurde. Es wird unterteilt in überei nandergeschoben es Eis, hügelig oder lmienförmig
aufgepreßtes Eis. Um subjektive Fehler der Eisbeobachter bei der Einschätzung der Topogra
phie des Eises auszuschließen, wurden bei der Auswertung dieser Kennziffer auch kompakter
Schneeschlamm oder kompaktes Trümmereis, d. h. alle vom ebenen Eis abweichenden
Eistvpen, berücksichtigt. Die Prozesse, die zu Eisdeformationen führen, finden nicht jedes
Jahr und auch nicht in jedem Küstenabschnitt statt. Eisaufschiebungen werden durch stürmi
sche Winde ausgelöst, die entweder zu einer Bewegung der vorhandenen Treibeisfelder oder
zu einem Aufbruch der Festeisdecke und anschließender Bewegung der Eisschollen führen.
Wenn treibendes Eis auf ein Hindernis trifft, so sind an dessen Luvseite, z. B. im Bereich von
Untiefen, in flachen Küstengewässern oder an Baukonstruktionen in der See Eisaufschiebun
gen und Eispressungen in Höhe von einigen Metern möglich.
Die Abb. 3.4. zeigt für sieben repräsentative Stationen eine Relation zwischen der Anzahl
der in 35 Jahren gemeldeten Eisdaten und der Anzahl der Beobachtungen deformierten Eises.
Am häufigsten ist mit Eisdeformationen vor der Küste der Insel Usedom zu rechnen. In der
Vierendehlrinne wurde eine relativ kleine Anzahl der Eispressungen beobachtet. Bei stärkeren
Frösten entsteht in der Vierendehlrinne rasch starkes Festeis, das nicht so leicht zu zerbrechen
ist.
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Eisdeformationen
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Abb. 3.4. Anzahl der Beobachtungen der Eisdeformationen im Vergleich mit der Anzahl der gemeldeten
Eisdaten