Bemerkungen über Montevideo und. Charleston, S. ©.
Maldonado und Flores Island von einem Pampero oder einem gewöhnlichen
südlichen Sturm überrascht, so ist es ganz entschieden von einem unschätzbaren
Werth, wenn ein Lotse an Bord ist, der das Schiff auf der ‚sicheren Rhede
von Maldonado zu Anker bringen kann. Diese Rhede ist der gewöhnliche
Zufluchtsort bei schlechtem Wetter und daher den Lotsen sehr gut bekannt,
Wenn ferner ein einkommendes Schiff nicht mehr bei Tage die’ eigentliche
Rhede von Montevideo erreichen kann, so wird es, wenn es unter Kommando
eines Lotsen sich befindet ‚und die Verhältnisse nicht zu ungünstig sind, auch
bei Nacht auf einen guten Ankerplatz gebracht werden können, den es nicht
wieder zu verlassen nöthig hat,. und wo am folgenden Morgen die Zoll- und
Sanitätsbehörden an Bord kommen, Ohne einen Lotsen würde der Kapitän
dahingegen unter solchen Umständen meistens wohl zu weit nach draufsen
ankern und daher am nächsten Morgen nochmals unter Segel gehen müssen,
um nach dem richtigen Ankerplatz zu kommen, wenn Wind und Wetter dieses
überhaupt noch zulassen. Für einen Dampfer liegen natürlich die Verhältnisse
ganz anders,
In Bezug auf die Tüchtigkeit und die Zuverläfsigkeit der hiesigen Lotsen
habe ich zu bemerken, dafs dieselben nicht die ungetheilte Anerkennung seitens
der Schiffsführer genießen; mit welchem Recht, mag nachstehendes Beispiel
lehren, welches sich während meiner Anwesenheit in Montevideo ereignete:
Der Kapitän einer grofsen Deutschen nach Montevideo bestimmten Bark,
deren Tiefgang 6,8 m (22% Fufs) betrug, nahm, obgleich er schon auf dem
La Plata gewesen war, vorsichtshalber beim Kap Santa Maria einen Lotsen
an Bord. Der Wind war zur Zeit nördlich, also ablandig, das Wetter schön,
und es wurde demgemäfs Kurs auf East Point gestenert. Als’diese Landspitze
passirt war, ging der Kapitän, der mehrere Wachen hintereinander nicht
geschlafen hatte, zu Koje, dem ersten Steuermann und dem Lotsen die Führung
des Schiffes überlassend. Nachdem er einige Stunden später wieder an Deck
gekommen war und trotz des klaren Wetters kein Land sah, bemerkte er, dafs
der Lotse den Kurs WSW steuern liefs, während derselbe ungefähr recht W
längs der Küste war, Eine sofort angestellte Lothung ergab eine Wassertiefe
von 7,2m (4 Fad,) oder 1% Fuls mehr als der Tiefgang des Schiffes war.
Das Schiff wurde rasch‘ über den andern Bug gebracht und darauf nach ENE
zurückgesegelt, worauf nach Verlauf von einer halben Stunde die Wassertiefe
wieder zunahm. Das Schiff hatte sich bereits auf der „English Bank“ befunden
und wäre bei einer Fahrt von 8 Kn höchst wahrscheinlich in ganz kurzer Zeit
auf den Grund gestofsen, wenn dieses nicht glücklicherweise durch das recht-
zeitige Aufdeckkommen des Kapitäns verhindert. worden wäre. Aufserdem war
nicht die geringste Dünung im Wasser. Man sieht aus dem eben erzählten
Hergange, dafs man die Anordnungen des Lotsen stets sorgfältig zu über-
wachen hat.
Schleppdienst. Der Schleppdienst wird durch kleine Schraubendampfer
ausgeführt, welche hauptsächlich zum Schleppen der Leichterfahrzeuge bestimmt
sind, aber auch gelegentlich die Segelschiffe von der Rhede nach den Lösch-
plätzen und wieder zurück bringen. Auf die Hülfe eines dieser Dampfer darf
man jedoch nur bei gutem Wetter rechnen, weil sie nur eine schwache Ma-
schine haben. Die Signale der Schiffe, welche am 13. November infolge des
Sturmes ins Treiben geriethen, wurden daher auch nicht weiter von den Schlepp-
dampfern beachtet. Für das Schleppen hat man 3 Cts, pro Reg.-Tonne zu
zahlen, doch kann man es mitunter, wenn man accordirt, billiger haben,
Ballast. Der Ballast ist theuer und kostet, wenn Sand, 80 Cts..die
Spanische Tonne von 920 kg, frei ins Schiff; ungefähr das Doppelte, wenn
Steine genommen werden, Immerhin kann man, wenn keine Verhinderung durch
die Witterungsverhältnisse eintritt, auf eine prompte Lieferung desselben rechnen.
Unkosten. Im Allgemeinen sind die Hafenunkosten in Montevideo
ziemlich hoch. Dieselben beliefen sich für mein Schiff, eine Bark von 551 Reg.-
Tonnen, mit 830 Tonnen Kohlen beladen einkommend und mit 330 Spanischen
Tonnen Ballast ausgehend, auf 150 Lstrl. In dieser Summe sind die Auslagen
für Proviant und Heuer nicht mit eingerechnet. Die hauptsächlichsten Ausgabe-
posten waren: ;
Anno, a. Hydr. ete., 188%. Heft I
a