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Contents: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Bemerkungen über Montevideo und. Charleston, S. ©. 
Maldonado und Flores Island von einem Pampero oder einem gewöhnlichen 
südlichen Sturm überrascht, so ist es ganz entschieden von einem unschätzbaren 
Werth, wenn ein Lotse an Bord ist, der das Schiff auf der ‚sicheren Rhede 
von Maldonado zu Anker bringen kann. Diese Rhede ist der gewöhnliche 
Zufluchtsort bei schlechtem Wetter und daher den Lotsen sehr gut bekannt, 
Wenn ferner ein einkommendes Schiff nicht mehr bei Tage die’ eigentliche 
Rhede von Montevideo erreichen kann, so wird es, wenn es unter Kommando 
eines Lotsen sich befindet ‚und die Verhältnisse nicht zu ungünstig sind, auch 
bei Nacht auf einen guten Ankerplatz gebracht werden können, den es nicht 
wieder zu verlassen nöthig hat,. und wo am folgenden Morgen die Zoll- und 
Sanitätsbehörden an Bord kommen, Ohne einen Lotsen würde der Kapitän 
dahingegen unter solchen Umständen meistens wohl zu weit nach draufsen 
ankern und daher am nächsten Morgen nochmals unter Segel gehen müssen, 
um nach dem richtigen Ankerplatz zu kommen, wenn Wind und Wetter dieses 
überhaupt noch zulassen. Für einen Dampfer liegen natürlich die Verhältnisse 
ganz anders, 
In Bezug auf die Tüchtigkeit und die Zuverläfsigkeit der hiesigen Lotsen 
habe ich zu bemerken, dafs dieselben nicht die ungetheilte Anerkennung seitens 
der Schiffsführer genießen; mit welchem Recht, mag nachstehendes Beispiel 
lehren, welches sich während meiner Anwesenheit in Montevideo ereignete: 
Der Kapitän einer grofsen Deutschen nach Montevideo bestimmten Bark, 
deren Tiefgang 6,8 m (22% Fufs) betrug, nahm, obgleich er schon auf dem 
La Plata gewesen war, vorsichtshalber beim Kap Santa Maria einen Lotsen 
an Bord. Der Wind war zur Zeit nördlich, also ablandig, das Wetter schön, 
und es wurde demgemäfs Kurs auf East Point gestenert. Als’diese Landspitze 
passirt war, ging der Kapitän, der mehrere Wachen hintereinander nicht 
geschlafen hatte, zu Koje, dem ersten Steuermann und dem Lotsen die Führung 
des Schiffes überlassend. Nachdem er einige Stunden später wieder an Deck 
gekommen war und trotz des klaren Wetters kein Land sah, bemerkte er, dafs 
der Lotse den Kurs WSW steuern liefs, während derselbe ungefähr recht W 
längs der Küste war, Eine sofort angestellte Lothung ergab eine Wassertiefe 
von 7,2m (4 Fad,) oder 1% Fuls mehr als der Tiefgang des Schiffes war. 
Das Schiff wurde rasch‘ über den andern Bug gebracht und darauf nach ENE 
zurückgesegelt, worauf nach Verlauf von einer halben Stunde die Wassertiefe 
wieder zunahm. Das Schiff hatte sich bereits auf der „English Bank“ befunden 
und wäre bei einer Fahrt von 8 Kn höchst wahrscheinlich in ganz kurzer Zeit 
auf den Grund gestofsen, wenn dieses nicht glücklicherweise durch das recht- 
zeitige Aufdeckkommen des Kapitäns verhindert. worden wäre. Aufserdem war 
nicht die geringste Dünung im Wasser. Man sieht aus dem eben erzählten 
Hergange, dafs man die Anordnungen des Lotsen stets sorgfältig zu über- 
wachen hat. 
Schleppdienst. Der Schleppdienst wird durch kleine Schraubendampfer 
ausgeführt, welche hauptsächlich zum Schleppen der Leichterfahrzeuge bestimmt 
sind, aber auch gelegentlich die Segelschiffe von der Rhede nach den Lösch- 
plätzen und wieder zurück bringen. Auf die Hülfe eines dieser Dampfer darf 
man jedoch nur bei gutem Wetter rechnen, weil sie nur eine schwache Ma- 
schine haben. Die Signale der Schiffe, welche am 13. November infolge des 
Sturmes ins Treiben geriethen, wurden daher auch nicht weiter von den Schlepp- 
dampfern beachtet. Für das Schleppen hat man 3 Cts, pro Reg.-Tonne zu 
zahlen, doch kann man es mitunter, wenn man accordirt, billiger haben, 
Ballast. Der Ballast ist theuer und kostet, wenn Sand, 80 Cts..die 
Spanische Tonne von 920 kg, frei ins Schiff; ungefähr das Doppelte, wenn 
Steine genommen werden, Immerhin kann man, wenn keine Verhinderung durch 
die Witterungsverhältnisse eintritt, auf eine prompte Lieferung desselben rechnen. 
Unkosten. Im Allgemeinen sind die Hafenunkosten in Montevideo 
ziemlich hoch. Dieselben beliefen sich für mein Schiff, eine Bark von 551 Reg.- 
Tonnen, mit 830 Tonnen Kohlen beladen einkommend und mit 330 Spanischen 
Tonnen Ballast ausgehend, auf 150 Lstrl. In dieser Summe sind die Auslagen 
für Proviant und Heuer nicht mit eingerechnet. Die hauptsächlichsten Ausgabe- 
posten waren: ; 
Anno, a. Hydr. ete., 188%. Heft I 
a
	        
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