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Full text: Der Eiswinter 2012/13 an den deutschen Nord- und Ostseeküsten sowie eine kurze Beschreibung der Eisverhältnisse im gesamten Ostseebereich

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des vergangenen Jahres der Umweltsatellit “ENVISAT“ ausfiel und somit keine SAR-Satellltendaten zur 
Verfügung standen. Die Bilder von Wettersatelliten werden durch Wolken beeinträchtigt, so dass es bei 
trüber Witterung Im Dezember, Januar und Februar nur einzelne verwertbare Aufnahmen gab. Leider 
standen Im Winter 2012/13 gerade für die Fahrwasser mit häufiger Eisbildung - Zufahrten nach 
Stralsund, Wolgast und Rostock - keine zuverlässigen Daten zur Verfügung. Etwa 70 % aller Meldungen 
aus diesen Bereichen wurden mit dem Vermerk “Keine Information“ oder “Unbekannt“ versehen, die 
Qualität der gelieferten Daten war an einigen Tagen mehr als fraglich. Für den Erhalt der täglichen 
Berichtserstattung während der Eissaison wurden die Bilder der entlang der Küste vorhandenen 
Webcams sowie Wetterverhältnisse und Meldungen der benachbarten Stationen ausgewertet. 
Für die Beschreibung und Klassifizierung eines Eiswinters werden lückenlose Datensätze benötigt. Nach 
der Im Eisdienst erarbeiteten Methodik, die unten beschrieben wird, kann man das Datum des ersten und 
des letzten Eisauftretens In einem Bereich bestimmen und die zunehmende oder abnehmende Elsdlcke 
berechnen. Diese Methode wird Im Eisdienst seit mehreren Jahren für die Berechnung der fehlenden 
Eisdicken genutzt, besonders gut funktioniert sie In abgeschlossenen Gewässern. Der Bedeckungsgrad 
oder die Topographie des Elses kann nicht bestimmt werden. 
Die theoretisch gewonnenen Daten sind keine exakten Angaben und daher als Orientierungswerte zu 
betrachten. Für die geschlossenen (Stettiner Haff, Dänische Wiek, Vlerendehlrlnne) und halboffenen 
(Grelfswalder Bodden, Unterwarnow) Bereiche wird der Fehler für die Eintrittsdaten auf ± 5 Tagen 
geschätzt. Die Standardabweichung bei den berechneten Eisdicken beträgt ± 3 cm bei ungestörtem 
Wachstum z. B. Im Stettiner Haff und ± 10 cm In offeneren Bereichen, z. B. Im Fahrwasserabschnitt 
Palmer Ort - Freesendorfer Haken. 
Abhängigkeit der Eisdickenzunahme von der Kältesumme (KS) 
Diese Untersuchungen wurden Im Rahmen eines studentischen Praktikums von T. Düskau (Universität 
Marburg) durchgeführt. Ziel der Studie war es, ein Verfahren zur prognostischen Vorhersage der Elsdlcke 
und zur Einschätzung des Vereisungsbeginn In verschiedenen Bereichen der deutschen Ostseeküste zu 
finden bzw. zu aktualisieren. 
Die Eisbildung tritt bekanntlich dann ein, wenn das Wasser bis zum Gefrierpunkt abgekühlt wird. 
Theoretisch kann die Elsdlcke von der Gleichung, die den Wärmestrom durch das Eis beschreibt, 
abgeleitet werden. Bel der mathematischen Berechnung der Eisbildung und des Eiswachstums wird die 
Stefan-Methode (Wurzel-Gesetz) benutzt. Stefan (Stefan, 1861) hat gezeigt, das die Eisdickenzunahme 
Im Wesentlichen von dem Wurzelwert der Kältesumme (KS, Summe der negativen Tagesmittel der 
Lufttemperatur) abhängt. Für dünnes Eis (bis 10 cm) liefert eine lineare Funktion bessere Resultate 
(Ashton, 1989). Für die Berechnung der Eisdicken Im bestimmten Gebiet sind zahlreiche physikalische 
Größen notwendig, die praktisch nicht verfügbar sind. Durch einige Vereinfachungen und 
Einschränkungen kann der Eisdickenzuwachs (h) durch die empirische Gleichung h=a+b*KS 1/2 
beschrieben werden. Die Koeffizienten a und b sind für jeden einzelnen Bereich spezifisch und werden 
durch Anwendung der bekannten Daten ermittelt. 
Als Basis der Untersuchung dienten die Tagesmittel der Lufttemperatur (Angaben der DWD) und die 
gemessenen oder geschätzten Eisdicken an den Eisbeobachtungsstationen. Für die Lufttemperaturen 
wurden die Messwerte der Stationen Greifswald, Schleswig, Rostock-Warnemünde und Arkona 
herangezogen, die Eisbeobachtungsstationen Kamminke, Dänische Wiek, Palmer Ort - Freesendorfer 
Haken, Vlerendehlrlnne, Wismar - Walfisch, Lübeck, Westermarkelsdorf, Kiel Leuchtturm und Arkona 
lieferten die Messwerte der Eisdicken. 
In normalen Wintern erfasst die theoretische Gleichung den Eiszuwachs bis zu den maximal erreichten 
Werten In einem Winter. In starken Eiswintern Ist die Gültigkeit des Wurzel-Gesetzes auf die 
Beschreibung der Eisdickenwerte, die bis zur ersten längeren Tauwetterperlode erreicht wurden, 
beschränkt. Die Tauwetterabschnitte Im Winter sind für unsere Breiten typisch, sie können von einigen 
Tagen bis zu einigen Wochen dauern und verursachen eine Stagnation Im Elszuwachprozess oder sogar 
die Abnahme der Eisdicken. In der darauf folgenden Frostperlode setzt sich die Eisentwicklung fort, aber 
der Eisdickenzuwachs Ist nicht mehr durch die Ausgangsgleichung beschreibbar. 
Es kann, besonders bei Seestationen, Vorkommen, dass keine Eisdicken direkt gemessen wurden. In 
diesen Fällen wurde anhand der Kodeziffern des Ostsee-Elsschlüssels manuell eine Elsdlcke 
eingetragen. Dazu gab es zwei Methoden: Zum einen wurde entsprechend der Kodeziffer ein Mittelwert 
der Elsdlcke eingetragen (z.B. Kodeziffer 2 (10 - 15 cm) Mittelwert: 12,5). Da dabei aber nicht die
	        
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