Anleitung und Beispiele
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Bestimmung der Gezeitengrundwerte von Anschlussorten
Beispiel 5:
Wie liegen bei Whitehaven das mittlere Spring-, Nipphochwasser (MSpHW, MNpHW) und das mittlere Spring-, Nippniedrigwasser
(MSpNW, MNpNW) zum Seekartennull?
Die Höhenunterschiede des Anschlussortes sind an die Gezeitengrundwerte des Bezugsortes anzubringen. Somit erhält
man die Gezeitengrundwerte des Anschlussortes zum Seekartennull.
Nr.
Ort
MSpHW
MNpHW
MSpNW
MNpNW
Grundwerte
Teil II, Seite 193
1509
Liverpool
9,4m
7,5 m
1,1 m
3,2m
Unterschiede
Teil II, Seite 193
1496
Whitehaven
- 1,4m
- 1,2m
-0,1 m
- 0,8m
Ergebnis
1496
Whitehaven
8,0 m
6,3 m
1,0 m
2,4 m
Abschätzung von Höhen und Zeiten zwischen Hoch- und Niedrigwasser
Den ausführlichen Vorausberechnungen sind die
mittleren Spring- und Nipptidenkurven der Bezugs
orte beigegeben. Mittels dieser Kurven kann man
die Höhe der Gezeit zu einer beliebigen Uhrzeit
zwischen Hoch- und Niedrigwasser oder den Zeit
punkt, an dem eine vorgegebene Höhe eintritt, für
Bezugsorte und deren Anschlussorte abschätzen.
Dazu bildet man nach den Vorausberechnungen
die Steig- und Falldauer, trägt in die Darstellung
der Tidenkurven bei 0 Stunden die vorausberech
nete Hochwasserhöhe, im Abstand der Steig- und
Falldauer die vorausberechnete Niedrigwasser
höhe ein und verbindet die beiden Punkte in An
lehnung an die beiden mittleren Tidenkurven durch
eine aktuelle Tidenkurve.
An dieser aktuellen Tidenkurve kann man ablesen,
welche Höhe zu einer vorgegebenen Zeit vor oder
nach Hochwasser eintritt, oder zu welcher Zeit vor
oder nach Hochwasser eine vorgegebene Höhe
erreicht wird.
Das Verfahren ist einfach, bietet wenig Fehler
möglichkeiten und liefert beispielsweise auch bei
unsicherem ETA (estimated time of arrival) für
die praktische Schiffsführung geeignete Ergeb
nisse. Die dabei erzielte Genauigkeit reicht aus,
weil stets zusätzlich mit der Möglichkeit gerechnet
werden muss, dass auf Grund von Wettereinflüs
sen die tatsächlichen Eintrittszeiten und Höhen
der Hoch- und Niedrigwasser von den vorausbe
rechneten um kleinere und gelegentlich auch um
größere Beträge abweichen.
Eine zweite Methode, für Bezugsorte und deren
Anschlussorte die Höhe H zu einer vorgegebenen
Zeit Z oder die Zeit Z zu einer vorgegebenen Hö
he H abzuschätzen, ist im Folgenden beschrie
ben. Dazu werden die mittleren Spring- und Nipp
tidenkurven der Bezugsorte in das Hoch- und das
Niedrigwasser, zwischen dem Z liegt, rechnerisch
eingespannt. Nur in Fällen, in denen sich der Ver
lauf (nicht die Höhe!) beider Kurven deutlich unter
scheidet, lohnt es sich die Ergebnisse für Spring-
und Nippzeit zu mittein.
Für diese Rechnung sind die Zeiten in dezimal
geteilten Stunden auszudrücken. In der Darstel
lung der Tidenkurven beträgt der Stundenabstand
1 cm, für Dezimalteile kann daher bequem die
Zentimetereinteilung eines Lineals benutzt wer
den.
Die zwei genannten, unterschiedlichen Verfahren
liefern nicht exakt gleiche Ergebnisse. Die berech
neten Höhen können verfahrensbedingt ohne wei
teres um etwa 1 dm voneinander abweichen.