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Erläuterungen und Begriffsbestimmungen
6. Gezeitenformen
Halbtägige Gezeiten sind solche, bei denen im
Laufe eines Tages (Mondtages) zwei Hochwasser
und zwei Niedrigwasser eintreten.
Eintägige Gezeiten sind solche, bei denen im
Laufe eines Tages (Mondtages) ein Hochwasser
und ein Niedrigwasser eintreten.
Gemischte Gezeiten sind solche, bei denen die
beiden im Laufe eines Monats eintretenden Hoch-
und Niedrigwasser sich in ihren Höhen oder ihren
Intervallen stark voneinander unterscheiden.
Seichtwassertide ist eine harmonische Teiltide
der Gezeiten, die in seichterem Wasser durch
das Auftreten einer oder mehrerer astronomischer
Tiden zusätzlich hervorgerufen wird. Die Winkel
geschwindigkeiten der Seichtwassertiden sind
entweder ganzzahlige Vielfache der Winkelge
schwindigkeiten der astronomischen Tiden oder
sie setzen sich mit ganzzahligen Beiwerten aus
den Winkelgeschwindigkeiten mehrerer astrono
mischer Tiden zusammen. Die Winkelgeschwin
digkeiten mancher Seichtwassertiden stimmen mit
der Winkelgeschwindigkeit einer astronomischen
Tide überein, so dass eine Trennung der betref
fenden Tiden nicht möglich ist; doch kann gewöhn
lich entschieden werden, ob eine bestimmte Tide
vorwiegend als astronomische oder als Seicht
wassertide anzusehen ist.
Astronomische Tide ist eine harmonische Teiltide
der Gezeiten, die durch ein harmonisches Glied
der gezeitenerzeugenden Kräfte mit der gleichen
Winkelgeschwindigkeit verursacht ist. Die Gezei
ten tiefer Gewässer sind fast ausschließlich aus
astronomischen Tiden zusammengesetzt.
Das Seekartennull in Gezeiten
gebieten
Schifffahrtspegel
Die Angaben der Landkarten über die Höhen der
Bodenerhebungen sind auf eine überall waage
rechtverlaufende Fläche, eine sog. Niveaufläche,
bezogen. In den verschiedenen Staaten sind die
se Nullflächen zwar im Allgemeinen nicht genau
in der gleichen Höhe festgesetzt, doch weicht eine
solche Nullfläche gewöhnlich nur wenig vom mitt
leren Wasserstand an der Küste des betreffenden
Staates ab; eine Ausnahme bildet z. B. Belgien,
wo die Nullfläche erheblich tiefer liegt. Die Fläche
des mittleren Wasserstandes verläuft entlang der
Küste im Allgemeinen nicht genau waagerecht.
In Deutschland sind die Höhenangaben der Lan
desvermessung auf das sog. Normalhöhennull
(NHN) bezogen, dessen Lage durch eine Anzahl
von Höhenfestpunkten in der Nähe von Potsdam
festgesetzt ist. An der deutschen Nordseeküste
weicht das Normalhöhennull nur um geringe Be
träge vom mittleren Wasserstand ab.
Anders als die Landkarten verzeichnen die See
karten von Gezeitengebieten nicht den Abstand
des Grundes von einer Nullfläche oder der Fläche
des mittleren Wasserstandes, sondern sie ge
ben die Wassertiefen an, die bei einem beson
ders niedrigen Niedrigwasser noch verbleiben. Je
größer der mittlere Tidenhub an einem Ort ist,
um so tiefer liegt dieses Niedrigwasser unterhalb
des mittleren Wasserstandes oder unterhalb des
Landesvermessungsnulls an der Küste, z. B. bei
Wilhelmshaven rund 2,7 m, bei Cuxhaven rund
2,0 m, bei List rund 1,5 m (siehe Jahreswerte
deutscher Bezugsorte, Seite 208). Dieses beson
dere Niedrigwasser, auf das die Tiefenangaben
der Seekarten bezogen sind, wird als Seekarten
null (SKN) bezeichnet und ist im Allgemeinen von
Staat zu Staat verschieden ausgewählt. Die deut
schen Seekarten von ausländischen Gewässern
übernehmen jedoch das dort eingeführte Seekar
tennull, und in den übrigen Staaten wird bei der
Herausgabe der Seekarten fast ausnahmslos in
der gleichen Weise verfahren, so das also deut
sche und fremde Karten für das gleiche Gebiet
auch die gleichen Tiefen angeben. Da die Ge
nauigkeit der Lotungen mit wachsender Tiefe ab
nimmt, werden größere Wassertiefen nicht mehr
auf ein Seekartennull bezogen; dieses spielt also
nur im Bereich der Küsten eine Rolle.