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Full text: 2014

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Erläuterungen und Begriffsbestimmungen 
6. Gezeitenformen 
Halbtägige Gezeiten sind solche, bei denen im 
Laufe eines Tages (Mondtages) zwei Hochwasser 
und zwei Niedrigwasser eintreten. 
Eintägige Gezeiten sind solche, bei denen im 
Laufe eines Tages (Mondtages) ein Hochwasser 
und ein Niedrigwasser eintreten. 
Gemischte Gezeiten sind solche, bei denen die 
beiden im Laufe eines Monats eintretenden Hoch- 
und Niedrigwasser sich in ihren Höhen oder ihren 
Intervallen stark voneinander unterscheiden. 
Seichtwassertide ist eine harmonische Teiltide 
der Gezeiten, die in seichterem Wasser durch 
das Auftreten einer oder mehrerer astronomischer 
Tiden zusätzlich hervorgerufen wird. Die Winkel 
geschwindigkeiten der Seichtwassertiden sind 
entweder ganzzahlige Vielfache der Winkelge 
schwindigkeiten der astronomischen Tiden oder 
sie setzen sich mit ganzzahligen Beiwerten aus 
den Winkelgeschwindigkeiten mehrerer astrono 
mischer Tiden zusammen. Die Winkelgeschwin 
digkeiten mancher Seichtwassertiden stimmen mit 
der Winkelgeschwindigkeit einer astronomischen 
Tide überein, so dass eine Trennung der betref 
fenden Tiden nicht möglich ist; doch kann gewöhn 
lich entschieden werden, ob eine bestimmte Tide 
vorwiegend als astronomische oder als Seicht 
wassertide anzusehen ist. 
Astronomische Tide ist eine harmonische Teiltide 
der Gezeiten, die durch ein harmonisches Glied 
der gezeitenerzeugenden Kräfte mit der gleichen 
Winkelgeschwindigkeit verursacht ist. Die Gezei 
ten tiefer Gewässer sind fast ausschließlich aus 
astronomischen Tiden zusammengesetzt. 
Das Seekartennull in Gezeiten 
gebieten 
Schifffahrtspegel 
Die Angaben der Landkarten über die Höhen der 
Bodenerhebungen sind auf eine überall waage 
rechtverlaufende Fläche, eine sog. Niveaufläche, 
bezogen. In den verschiedenen Staaten sind die 
se Nullflächen zwar im Allgemeinen nicht genau 
in der gleichen Höhe festgesetzt, doch weicht eine 
solche Nullfläche gewöhnlich nur wenig vom mitt 
leren Wasserstand an der Küste des betreffenden 
Staates ab; eine Ausnahme bildet z. B. Belgien, 
wo die Nullfläche erheblich tiefer liegt. Die Fläche 
des mittleren Wasserstandes verläuft entlang der 
Küste im Allgemeinen nicht genau waagerecht. 
In Deutschland sind die Höhenangaben der Lan 
desvermessung auf das sog. Normalhöhennull 
(NHN) bezogen, dessen Lage durch eine Anzahl 
von Höhenfestpunkten in der Nähe von Potsdam 
festgesetzt ist. An der deutschen Nordseeküste 
weicht das Normalhöhennull nur um geringe Be 
träge vom mittleren Wasserstand ab. 
Anders als die Landkarten verzeichnen die See 
karten von Gezeitengebieten nicht den Abstand 
des Grundes von einer Nullfläche oder der Fläche 
des mittleren Wasserstandes, sondern sie ge 
ben die Wassertiefen an, die bei einem beson 
ders niedrigen Niedrigwasser noch verbleiben. Je 
größer der mittlere Tidenhub an einem Ort ist, 
um so tiefer liegt dieses Niedrigwasser unterhalb 
des mittleren Wasserstandes oder unterhalb des 
Landesvermessungsnulls an der Küste, z. B. bei 
Wilhelmshaven rund 2,7 m, bei Cuxhaven rund 
2,0 m, bei List rund 1,5 m (siehe Jahreswerte 
deutscher Bezugsorte, Seite 208). Dieses beson 
dere Niedrigwasser, auf das die Tiefenangaben 
der Seekarten bezogen sind, wird als Seekarten 
null (SKN) bezeichnet und ist im Allgemeinen von 
Staat zu Staat verschieden ausgewählt. Die deut 
schen Seekarten von ausländischen Gewässern 
übernehmen jedoch das dort eingeführte Seekar 
tennull, und in den übrigen Staaten wird bei der 
Herausgabe der Seekarten fast ausnahmslos in 
der gleichen Weise verfahren, so das also deut 
sche und fremde Karten für das gleiche Gebiet 
auch die gleichen Tiefen angeben. Da die Ge 
nauigkeit der Lotungen mit wachsender Tiefe ab 
nimmt, werden größere Wassertiefen nicht mehr 
auf ein Seekartennull bezogen; dieses spielt also 
nur im Bereich der Küsten eine Rolle.
	        
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