BfR-Wissenschaft
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1 Einleitung / Introductory Remarks
Matthias Grote
Federal Institute for Risk Assessment (BfR), Berlin, Germany
Einleitung
Ölunfälle auf See können verheerende Auswirkungen auf die Meeresumwelt, Küstengebiete
und die menschliche Gesundheit hervorrufen. Im Falle eines solchen Unfalls müssen Unfall-
bekämpfer die effektivste Bekämpfung auswählen um den Schaden für Mensch und Umwelt
zu minimieren. Neben mechanischen Methoden, wie Ölsperren und die Aufnahme des Öls,
können auch chemische Verfahren eingesetzt werden. Dabei versucht man durch Einsatz
von Dispergatoren, Ölfilme an der Wasseroberfläche aufzubrechen und die Bildung von Dis
persionen (feinen Tröpfchen) zu fördern. Dadurch sollen Verölungen von Seevögeln und
Küstenabschnitten reduziert werden. Außerdem können durch die Vergrößerung der Ober
fläche natürliche Abbauprozesse beschleunigt werden. Allerdings wird durch die Dispersion
auch die Bioverfügbarkeit der Ölbestandteile erhöht und somit werden toxische Effekte auf
wasser- und sedimentbewohnende Organismen verstärkt. Der Einsatz von Dispergatoren zur
Bekämpfung von Mineralöl nach Schiffshavarien wird deshalb im Hinblick auf eine Abwä
gung von Gesundheits- und Umweltgefahren kontrovers diskutiert. Eine wissenschaftliche
Risikobewertung für deutsche Meeresgewässer wurde bisher jedoch nicht unter deutschen
Experten ausgearbeitet. Damit steht denjenigen, die den Einsatz im deutschen Zuständig
keitsbereich auf See planen müssen, keine klare wissenschaftliche Position zu den Risiken
und Chancen eines Einsatzes von Dispergatoren zur Verfügung.
Vom 12.-13. November 2015 wurde deshalb in Berlin ein internationaler Workshop mit dem
Titel „The use of dispersants to combat oil spills in Germany at sea” veranstaltet. Experten
von Behörden, wissenschaftlichen Einrichtungen und internationalen Organisationen erörter
ten aus diesem Anlass den Stand des Wissens und Fragen zur Abwägung zwischen Nutzen
und Risiken eines Dispergatoreneinsatzes. Der Workshop wurde vom Bundesinstitut für Ri
sikobewertung (BfR) in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Seeschifffahrt und Hydro
graphie (BSH), der Bundesanstalt für Gewässerforschung (BfG), dem Havariekommando
(HK) und der Unabhängigen Umweltexpertengruppe „Folgen von Schadstoffunfällen“ (UEG)
organisiert.
Der vorliegende BfR-Wissenschaft Bericht hat zum Ziel, den Stand des Wissens über poten
tielle Effekte und die Abwägung von Chancen und Risiken eines potentiellen Dispergatoren
einsatzes insbesondere in Deutschland zu darzustellen. Er enthält schriftliche Ausarbeitun
gen der auf dem Workshop vorgestellten Beiträge, die die wichtigsten Ergebnisse und
Schlussfolgerungen dokumentieren.
Introductory Remarks
Mineral oil spills at sea have significant effects on coastal areas, marine life and human
health. In case of an oil spill at sea, spill managers have to decide on the most effective spill
response to minimize the damage to the environment and human health. Besides the me
chanical containment and recovery, dispersants could be used for supporting the breakup of
oil slicks into small droplets, which offer the chance for biodegradation of oil in the sea. In this
way, oiling of coastal areas and coating of species like birds could be reduced. However, as
the bioavailability of oil components is enhanced, acute toxic effects on water and sediment
living organisms are increased. Currently, there are conflicting scientific views concerning the
potential risks for human health and the environment generated by the use of dispersants
during maritime oil spills. Until today, no comprehensive assessment of risks and chances of
the use of chemical dispersants has been developed for marine German waters, which could