266 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1934.
fallen wegen der Gierperiode des Flugzeuges von 4 sec ohne weiteres aus die
Nummern 22 und 24; in Rücksicht auf die Rollperiode von 10sec sind die
Fälle 1, 2, 3, 4, 6, 8, 11, 12, 13, 22, 23, 24 abzusetzen. Bei der Forderung f = 0.1
sind bei der Gierperiode außer den genannten noch abzusetzen: 1, 2, 3, 4,
8, 12, 13, 15, 23, und in Rücksicht auf die Rollperiode bestehen dann nur noch
die Nummern 7 und 18 die Probe. Das Ergebnis wirkt entmutigend und zeigt
nur, daß die Entwicklung auf einem falschen Wege war, nämlich durch das
Mittel der gesteigerten Dämpfung das zu erreichen, was nur eine Erhöhung
der Schwingungsdauer zu leisten vermag. Man sieht das deutlich an den
Nummern 14 und 16, daß die Anstrengung einer größtmöglichen Dämpfung
nicht zum Ziele führt. Die einzigen Kompasse, welche noch Unempfindlichkeit
gegen die Erregerschwingung zeigen, zeichnen sich durch erhöhte Schwingungs-
dauer aus, Auch bei 7 würde eine Herabsetzung der Dämpfung die Sache noch
fördern; die dort auftretende Phasenverschiebung von 164° kann noch als aus-
reichend angesehen werden, um die oben aufgestellte zweite Bedingung bezüg-
lich der Lage gegenüber der Rollperiode zu erfüllen,
Der Kompaß Askania-Maurer-Immler (7) ist in die kinematographischen
Kompaßaufnahmen des Herrn Kapitän Ritscher aufgenommen worden; auch
diese Aufnahme bestätigten schon damals seine Unempfindlichkeit und Ruhe
gegenüber den Flugzeugstörungen. Dieser Versuch einer Weiterentwicklung des
Flugzeugkompasses dürfte also den Weg weisen, auf dem man sich den ge-
forderten Bedingungen unter Beibehaltung der Kleinform des Gehäuses nähern
kann. Die Schwingungsdauer von 40 sec muß demnach unter den heutigen Ver-
hältnissen als eine untere Grenze angesehen werden, die erstrebt werden muß.
Es darf aber nicht außer acht gelassen werden, daß diese Grenze nur unter
den augenblicklichen Verhältnissen ihre Berechtigung hat. Einer Steigerung
der Flugzeuggeschwindigkeit muß eine Steigerung der Schwingungsdauer parallel-
laufen. Diese Steigerung muß ebenfalls erstrebt werden, wenn sich bei ver-
größertem Flugzeugtyp die Rollperiodizität des Flugzeuges erhöht. Die heute
auf dem Markte befindlichen Flugzeugkompasse genügen den derzeitigen An-
sprüchen der Flugzeugnavigation kaum mehr und sind den kommenden in keiner
Weise mehr gewachsen.
Elsfleth, Institut für Luftnavigation, Oktober 1933.
Kleinere Mitteilungen.
1. Klimatographische Witterungsschilderung. Nr. 21: Ekuador. — Aus
der Sammlung des überseeischen meteorologischen Dienstes der Deutschen Seewarte. —
Bioklimatische Beobachtungen in Guayaquil während der Regenzeit.
Beobachtungszeit: 12. bis 15. Februar und 11. bis 15, März 1930%. Der
erste Eindruck eines Klimas wird besonders stark vermittelt durch die Vegetation.
Der eigentümliche Charakter des Haupthafens von Ekuador wird einerseits sichtbar
durch die westlich der Stadt liegenden stattlichen Mangrovenbäume, durch Gruppen
von Kokospalmen, durch das lebhafte Grün der ausgedehnten Reisfelder, anderer-
seits durch den stachligen Ginster und Tamarisken (Prosopis), weiter aber auch
durch Bäume oder Baumgruppen, die im Sommer die Blätter abwerfen, unter ihnen
der wirtschaftlich wertvolle Kapok. — Also befinden wir uns in einem Ver-
mittlungsgebiete zwischen Steppenklima und solchem der Tropen, vielleicht
Scheintropen, wobei ein ausgesprochener jahreszeitlicher Wechsel der Nieder-
schläge vorhanden ist. Jetzt in den betontesten Monaten der Regenzeit (Februar
267 mm, März 188 mm) ist bei einer Mitteltemperatur von 26',° (nach den
meteorologischen Beobachtungen) der Eindruck bei der hohen Luftfeuchtigkeit
ein durchaus tropischer — für mein Empfinden. Ich messe am 14. März schon
‘) Vgl. Klimatische Beobachtungen in: Verhandlungen des Deutsch-Wissenschaftlichen Vereins
zu Santiago de Chile, Bd, II, 1932, S. 1 bis 46, und „Bio- und med.-geogr. Beobachtungen auf meiner
Da A ler in: Phönix, Zeitschrift des Deutschen Wissenschaftlichen Vereins Buenos Aires,
1931, 5. 135 bis .