Lüders, Kı: Die Ablenkung (Deviation} der Kompaßnadel in Strömangsmessern uew, 165
Die mit der Bootsmethode erhaltenen Deviationswerte besitzen also keinen
Anspruch auf Zuverlässigkeit. Auch diese Methode ist daher für die Bestimmung
der Ablenkung ungeeignet.
6) Als dritte Methode ist die Prielmethode angewandt worden, Diese
gründet sich auf der Annahme, daß die Strömung in einem Priellauf in Richtung
der Prielachse verläuft und, wenn diese Richtung bestimmt worden ist, daß damit
auch die Richtung der Strömung bekannt ist, Die von dem Strömungsmesser
angezeigte Richtung würde somit im Vergleich zur Prielrichtung (== Strömungs-
richtung) die gesuchte Deviation ergeben.
Schon bei der Ausführung von Beobachtungen. nach dieser Methode wurde
ihre Unbrauchbarkeit festgestellt, so daß sich hier ein weiteres Eingehen erübrigt,
Da man erkannt hatte, daß die genannten Methoden der Deviationsbestimmung
mit zu großen Mängeln behaftet waren, um zu einer klaren Anschauung über
das Wesen der Deviation zu gelangen, wurden im Jahre 1922 von Schumacher
und Thorade erstmalig systematische Untersuchungen angestellt {7u= 9), Der
Strömungsmesser wurde hierbei durch eins Art bifilarer Aufhängung parallel
zur Schiffsachse gehalten. Als Untersuchungsort wählte man die Eckernförder
Bucht, wo man ein möglichst strömungsfreies Gebiet mit tiefem Wasser zur Ver-
fügung hatte,
Wenngleich diese Untersuchungen nicht sehr umfangreich waren, so zeitigten
sie doch erstmalig einwandfreie Deviationswerte und zugleich grundlegende neue
Erkenntnisse, die für die weiteren Untersuchungen über die Deviationsfirage
hätten richtungweisend sein müssen. Leider hat man aber diesen aussichtsreichen
Weg der systematischen Untersuchungen nicht weiter verfolgt. Vielmehr machte
man für die späteren Strömungsuntersuchungen als Ausweg den Vorschlag, die
Beobachtung der Strömungsrichtung‘ in den oberen Wasserschichten durch einen
unmagnetischen Strömungsmesser auszuführen. und nur die Geschwindigkeiten
mit dem Kompaßstrommesser (nach Ekman) zu messen,
Dieser Ausweg wurde dann auch im Jahre 1924 bei der zweiten Unter-
suchungsfahrt zur Erforschung der Nordseegezeiten mit dem Vermessungsschiff
„Panther“ verfolgt (u), Man wählte für die Beobachtung der Strömungsrichtungen
den. Libellen-Strommesser von Jacobsen und für die Geschwindigkeitsmessungen
den Ekman-Merz-Stroammesser, Um aber nochmals die Deviationsfrage unter-
guchen zu können, beobachtete man mit dem Ekman-Merz-Gerät die Strömungs-
richtungen, so daß man die Deviation aus dem Unterschiedswert der Richtungs-
angaben dieser beiden Strömungsmesser erhielt, Auf diese Weise wurden im
ganzen 869 Deriationswerte gewonnen, eine Zahl, die weit über alle bis dahin
bekanntgegebenen Deviationswerte hinausging.
Die Auswertung dieses umfangreichen Materials ergab aber wiederum die
Unbrauchbarkeit des magnetischen Strömungsmessers für die Beobachtung‘ der
Strömungsrichtungen in seichten Gewässern. In erster Linie war es die starke
Streuung der Deviationswerte, die zu dieser Ablehnung führte, „Wäre die Devia-
tion. für jeden anliegenden. Kurs genau bekannt gewesen, so hätte es einer 20-
bis 30-maligen Wiederholung der einzelnen Strombeobachtung bedurft, um. die
Stromrichtung auf +5° sicherzustellen,“ (11,8. 83.) Außerdem hätte die Auswertung
die auch sehon früher beobachtete beträchtliche zeitliche Veränderlichkeit der
Deviationswerte wieder bestätigt; bereits innerhalb einer Woche, hatte sich eine
starke Grüßenänderung der Ablenkungswerte herausgestellt.
Hierzu ist nun folgendes festzustellen. Die für den Vergleich der Richtungs-
messungen angesetzten beiden Geräte zeigen im strömenden Wasser ein grund-
verschiedenes Verhalten. Der in seinem Schwerpunkt aufgehängte und in
Kugellagern laufende Ekman-Merz-Sirommesser folgt jeder noch so geringen
Richtungsänderung der Strömung spielend leicht. Der Jacobsen-Libellenstrom-
messer dagegen, bei dem die Strömung ein mehrere Kilogramm schweres Gewicht
bewegen muß, ist den Stromrichtungsschwankungen in viel geringerem Maße
unterworfen, Hieraus folgt, daß die stark schwankenden Unterschiedswerte in
den Richtungsangaben der beiden Strommesser nur „Scheinbare Streuwerte“ sind,
die nicht der Deviationsänderung allein zugeschrieben werden dürfen, Selbst