4.4 Metalle
System Nordsee
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Neben den Hintergrundkonzentrationen werden auch ökotoxikologisch begründete
Bewertungskriterien verwendet. Diese bewerten nicht das Verhältnis von belasteter
zu unbelasteter Umwelt, sondern das Auftreten von negativen Effekten auf die be
lebte Umwelt, die durch Schadstoffexpositionen verursacht werden können. Hierzu
werden unterschiedliche Testorganismen den Schadstoffen ausgesetzt und entste
hende Effekte (z. B. sinkende Reproduktionsfähigkeit oder steigende Mutationsraten)
untersucht. Bewertungskriterien zur chronischen Exposition geben maximale Schad
stoffexpositionen an, bei denen trotz Langzeitbelastung keine negativen Effekte zu
erwarten sind. Diese Werte sind grundsätzlich niedriger als die Bewertungskriterien
für eine maximale Kurzzeitbelastung. Wichtig ist allerdings darauf hinzuweisen, dass
für die Ableitung der vielen auf dem Markt befindlichen ökotoxikologischen (Effekt-)
Bewertungskriterien sehr unterschiedliche Testsysteme und Ableitungsstrategieen
eingesetzt wurden. Bewertungskriterien unterschiedlichen Ursprungs sind daher nicht
zwangsläufig direkt miteinander vergleichbar. Insbesondere für die Bewertung der
marinen Umwelt besteht hier weiterhin ein erheblicher Forschungsbedarf.
Während der Test der Umweltbelastung durch Schadstoffe gegen die Hintergrundwer
te dazu dienen kann zu prüfen, ob die Ziele der regionalen Meeresschutzkonvention
(OSPAR) erreicht wurden (»Concentrations are close to background or Zero<), dient
der Test gegen ökologisch begründete Effektgrenzwerte eher der Entscheidung, ob
ein guter Umweltzustand erreicht wurde oder nicht, was eine grundlegende Anforde
rung der europäischen Meeresstrategierahmenrichtlinie (MSRL) ist.
4.4.2.1 Wasser
Zur Bewertung der Metallgehalte im Wasserkörper stehen Bewertungskriterien der
OSPAR-Meeresschutzkonvention, der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und der
US Environmental Protection Agency (US EPA) zur Verfügung. Alle Richtwerte für
Hintergrundkonzentration (1) sowie ökotoxikologische Bewertungskriterien (2 bis 4)
sind in Tab. 4-4 zusammengefasst.
1) OSPAR BRC (Background Reference Concentration, OSPAR 1 997a/b, OSPAR
2005): Die angegebenen BRC-Werte basieren auf Messungen in unbelaste
ten Gebieten der OSPAR-Region »Northern North Sea<.
2) WRRL AA-EQS (Annual Average Concentration Environmental Quality Stan
dard; EU 2008) Umweltqualitätsstandard zur chronischen Belastung von Kü
stengewässern.
3) WRRL MAC-EQS (Maximum Acceptable Concentration Environmental Qua
lity Standard; EU 2008). Nicht zu überschreitende (kurzfristige) Maximalbe
lastung. (Die WRRL gibt keine EQS für die Metalle Kupfer und Zink an. Aus
diesem Grund sind von der Ableitung her ähnliche Standards der US EPA an
gegeben.)
4) US EPA WQS (Water Quality Standards; US EPA 2010). Hierbei handelt es
sich um Kriterien zur Bewertung der chronischen Belastung von Salzwasser
ökosystemen.
Der Vergleich der ökotoxikologisch basierten Bewertungskriterien von WRRL und
US EPA zeigt eine recht gute Übereinstimmung beim Blei, jedoch große Unterschiede
bei der Bewertung der Elemente Cadmium, Kupfer, Quecksilber, Zink und Nickel. Diese
Unterschiede von über einer Größenordnung in beide Richtungen - Cadmium wird von
der WRRL kritischer bewertet, Nickel von der US EPA - ist auf die Verwendung unter-