Meereschemie
System Nordsee
19
Da für die PCB- und DDT-Verbindungen der Chlorkohlenwasserstoffe die Nachweis
grenzen erniedrigt wurden, waren sie inzwischen auch in der äußeren Deutschen
Bucht in sehr geringen Konzentrationen nachweisbar. Die PAK-Gehalte des Meerwas
sers lagen im Wertebereich der vorangegangenen Jahre; ein zeitlicher Trend ist bisher
nicht erkennbar.
Für die meisten Chlorkohlenwasserstoffe lassen sich aufgrund hoher Konzentrations
schwankungen im Meerwasser und kurzer Beobachtungszeiten keine robusten Trends
angeben. Die Konzentrationen der Hexachlorcyclohexan-Isomere a- und y-HCH sind
hingegen im Zeitraum 1989-2007 exponentiell zurückgegangen. Die Gehalte an
a-HCH halbierten sich in der Deutschen Bucht alle 4 Jahre. Die y-HCH-Gehalte hin
gegen gingen zunächst bis etwa 1998 ortsabhängig um nur 5-35% zurück, wäh
rend sie sich im anschließenden Zeitabschnitt im Überwachungsgebiet alle 2 Jahre
halbierten. Sowohl für a-, als auch y-HCH liegen die Konzentrationen inzwischen weit
unter 0,5 ng/L. Im von der Elbfahne beeinflussten Seegebiet vor der nordfriesischen
Küste war der langfristige Abwärtstrend von a-HCH bereits um die Jahrtausendwende
in eine Seitwärtsbewegung übergegangen. In den beiden Jahren des Berichtszeit
raums ist hingegen wieder eine Tendenz zur weiteren Reduktion zu beobachten.
Die höchsten Schadstoffkonzentrationen werden in der Deutschen Bucht nicht mehr
für klassische, lipophile Schadstoffe beobachtet, sondern für >moderne<, eher po
lare und persistente Pestizide. Aufgrund dieser Eigenschaften verhalten sich diese
Stoffe relativ >konservativ<, so dass meist recht gute inverse Korrelationen zwischen
Stoffkonzentration und Salzgehalt gelten, welche die großen, in die südliche Nordsee
entwässernden Flüsse als Haupteintragsquellen ausweisen. Die Konzentrationen der
polaren Pestizide unterlagen auch in den Jahren 2006 und 2007 recht starken jahres
zeitlichen Schwankungen. Da regelmäßige Analysen erst seit dem Jahr 2000 durch
geführt werden, sind Zeittrends bislang nicht abschätzbar.
Obwohl lipophile Schadstoffe im Sediment in ca. 10 4 - bis 10 6 -fach höheren Konzen
trationen als im Meerwasser Vorkommen, lassen sich Quellenkorrelationen oder zeit
liche Trends kaum feststellen. Die Konzentrationen aller untersuchten Verbindungen
unterlagen im Sediment hohen Schwankungen, die sich auch bei Normalisierung der
Konzentrationen auf organischen Kohlenstoff (TOC) nicht hinreichend reduzieren lie
ßen, so dass - auch wegen des kurzen Überwachungszeitraums von nur 12 Jahren
- robuste Trends nicht festgestellt werden konnten.
Am Beispiel einer neuen Schadstoffklasse - den perfluorierten Tensiden - konnte ge
zeigt werden, dass anhand ungestörter Sedimentkerne aus Sedimentationsgebieten
retrospektiv Aussagen über Langzeittrends möglich sind.
Metalle (S. 232 ff.)
Im Wasser der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) wurden in den
Jahren 2006 und 2007 keine Metallgehalte (Cd, Cu, Hg, Ni, Pb und Zn, gelöst) gemes
sen, die negative Auswirkungen auf die belebte Natur wahrscheinlich machen würden.
Grundlage dieser Einschätzung ist die Anwendung des WRRL-Umweltqualitätsstan-
dards AA-EQS auf die Cadmium-, Blei-, Quecksilber- und Nickelgehalte. Kupfer und
Zink wurden auf Basis der Wasserqualitätsstandards (WQS) der US-EPA bewertet.
Hintergrundwerte erreichten die Metallgehalte (gelöst) nur in der äußeren AWZ, und
dort auch nur die Elemente Cadmium und Nickel. Auch in direkter Nähe zur Küste in
Wasserkörpern mit Salzgehalten > 28 wurden in keinem Fall die Effektgrenzwerte er-