accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: 54: Nordseezustand 2008-2011

16 
Zusammenfassungen 
Radioaktive Stoffe (Seite 258ff.) 
Die Überwachung war in den Jahren 2008 bis 2011 auf die Radionuklide 137 Cs, 
90 Sr, Tritium und die Transurane 238 Pu, (239 + 240) Pu, und 241 Am in der Deutschen 
Bucht und der Nordsee fokussiert. Die Verteilungen der Aktivitätskonzentra 
tionen der Radionuklide wiesen in der Deutschen Bucht insgesamt gegenüber 
früheren Jahren nur noch geringe räumliche Unterschiede auf. Die Konzentra 
tionen lagen wenig über denen im Oberflächenwasser des Nordatlantiks, die 
auf den globalen Fallout atmosphärischer Kernwaffentests zurückzuführen sind. 
Die gegenüber dem Küstenbereich leicht höheren Konzentrationen von 137 Cs im 
nordwestlichen Seegebiet kamen insbesondere durch resuspendiertes Material 
aus dem hochbelasteten Sediment der Irischen See zustande. In den Konzentra 
tionsverteilungen von "Sr war ein charakteristischer Süßwassereintrag aus der 
Elbe erkennbar. Die höheren Konzentrationen über der Norwegischen Rinne für 
137 Cs und "Sr erklären sich durch den Ostseeausstrom, welcher aufgrund des 
Reaktorunfalls von Tschernobyl und dem geringen Wasseraustausch der Ostsee 
noch immer höhere Konzentrationen mit sich führt als das Wasser der Nordsee. 
Die im Bereich der Elbe und ihrem Ästuar erhöhten Aktivitätskonzentrationen 
von Transuranen entstammen anhand der Aktivitätsverhältnisse eindeutig nicht 
dem Fallout, lassen sich jedoch auch nicht einer lokalen Quelle zuordnen. Im 
letzteren Fall müssten auch andere künstliche Radionuklide in deutlich erhöhten 
Konzentrationen nachzuweisen sein, was nicht der Fall ist. Nach gegenwärtigem 
Kenntnisstand bleibt nur die Flypothese einer Anreicherung in der Tideelbe über 
natürliche Transportprozesse durch Anreicherung an Schwebstoffen. Die erhöh 
ten Konzentrationen nördlich und östlich der Britischen Inseln erklärt sich durch 
resuspendiertes Material der Irischen See. Die zeitweilige, anomale Erhöhung 
der 238 Pu/ (230+240) Pu-Aktivitätsverhältnisse in der zentralen Nordsee im Jahr 2009 
ist auf eine Reinigungsaktion in der Nähe der Anlage Dounreay zurückzuführen. 
Die spezifische Aktivität der Sedimente der Deutschen Bucht ging in den letz 
ten zehn Jahren in Bezug auf 137 Cs und ( 239+24 °)pu kontinuierlich zurück, was auf 
die Resuspension dieser Radionuklide hindeutet. Das Sediment der mittleren 
deutschen Bucht zeigt eine klassische Sellafieldsignatur, wobei südöstlich von 
Helgoland ein reines Falloutverhältnis vorliegt. 
Auswirkungen auf eine Konzentrationserhöhung der untersuchten Radionu 
klide aufgrund des Reaktorunfalls von Fukushima konnten bis 2011 in keinem 
Falle nachgewiesen werden. Mit radiologischen Folgen ist nach bisherigem 
Kenntnisstand nicht zu rechnen. 
Die effektive Gesamtexposition beträgt in Deutschland durchschnittlich 4 mSv 
pro Jahr und Person, wovon die Hälfte auf medizinische, insbesondere rönt 
gendiagnostische Maßnahmen zurückzuführen ist. Die Kontamination der 
Nordsee durch künstliche Radionuklide trägt zur Strahlenexposition der Bevöl 
kerung nur über den Expositionspfad „Fisch- oder Meeresfrüchteverzehr“ bei. 
Aus einem durchschnittlichen Konsum von 14 kg im Jahr resultiert eine effek 
tive Dosis von maximal 0,3 pSv/a, die deutlich unter der laut Strahlenschutz 
verordnung „trivialen Dosis für eine einzelne Quelle“ (10 pSv/a) bleibt und dem 
entsprechend aus der Sicht des Strahlenschutzes außer Acht gelassen werden 
kann. Da sich aus der Anreicherung von Radionukliden in der Nahrungskette 
kein signifikanter Dosisbeitrag für den Menschen ergibt, dürfte dies auch für 
Flora und Fauna der Nordsee zutreffen.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.