4.2 Nährstoffe
System Nordsee
171
Tafel 4-1: Nährstoff-Glossar
Die gesamte marine Nahrungskette basiert auf der Biomasseproduktion von im Meer treibenden einzelli
gen Algen - dem Phytoplankton. Anorganische Spurenstoffe wie Phosphat, die Stickstoffverbindungen
Nitrat, Nitrit und Ammonium sowie Silikat (als Gerüstsubstanz von Kleselalgen) sind für das Phytoplank
ton lebensnotwendig und wachstumsfördernd, weshalb sie als Nährsalze bezeichnet werden. Der Ober
begriff Nährstoffe umfasst neben den genannten anorganischen Nährsalzen auch solche organischen
Verbindungen (z. B. Aminosäuren, Nukleinsäuren, Harnstoff, Lipide), die vom Phytoplankton als Stickstoff
und Phosphorquellen genutzt werden können.
Kohlenstoff wird in Form von C0 2 , HC0 3 ~ oder (ausnahmsweise) C0 3 2 ~ benötigt. Da C0 2 im Oberflächen
wasser In hoher Konzentration vorllegt, wirkt Kohlenstoff kaum begrenzend. Das Carbonatsystem liefert
stets die jeweils benötigte Form.
Stickstoff wird für die Synthese von Aminosäuren und Nukleinsäuren In der Form von Nitrat (N0 3 ~), Nitrit
(NOy), Ammonium (NH 4 + ) oder In Form organischer Verbindungen aufgenommen. So sind Harnstoff und
Aminosäuren bevorzugte Stickstoffquellen. Viele Bakterien können molekularen Stickstoff fixieren. Am
monium wird wegen seiner reduzierten Form meist bevorzugt aufgenommen, während Nitrat energetisch
aufwendig durch das Enzym Nitratreduktase reduziert werden muss, bevor der Stickstoff für Biosynthese
verfügbar Ist.
Phosphor wird meistens als Orthophosphat (P0 4 3 ) aufgenommen. Viele Algen können bei ausreichender
Stickstoffversorgung auch Polyphosphate oder organische Phosphorverbindungen verwenden, die mit
Hilfe von Phosphatasen an der Zelloberfläche hydrolysiert werden (Ott 1996).
Silikat Ist eine Verbindung von Silizium und Sauerstoff (Sl x O y ), einem oder mehreren Metallen und even
tuell auch Hydroxid-Ionen. Mit Silikat bezeichnet man auch die Salze des Siliziums und der Kieselsäuren.
Ein Mangel an Silikat im Meerwasser verhindert das Wachstum bestimmter Phytoplanktonarten, nämlich
Kieselalgen bzw. Diatomeen, die Silikate zur Ausbildung ihrer Schalen benötigen. Wenn Stickstoff oder
Phosphor knapp werden, stellt Phytoplankton generell das Wachstum ein. Wird Silikat knapp, so setzt sich
zwar das Wachstum des Phytoplanktons fort, aber andere Arten treten hervor, wie nackte (unbeschalte)
oder mit Zelluloseplatten beschälte Flagellaten, zu denen auch giftige Arten gehören können.
Phytoplankton enthält die Elemente C, N und P in einem mittleren Atomverhältnis von 106:16:1. Dies wird
als Redfield-Verhältnis bezeichnet (Redfield 1934). Abweichungen im N:P Verhältnis können auf Produkti
onsbegrenzung durch das jeweils in geringster Konzentration vorliegende Element hindeuten (Nährstoffli
mitierung). Außerdem können veränderte N:P-Verhältnlsse zu Verschiebungen In der Phytoplanktonpopu
lation und eventuell auch zu erhöhter Toxizität bei einigen Algen führen.
Phytoplankton wird I. d. R. vom Zooplankton gefressen. Abgestorbenes Phytoplankton kann als Schweb
stoffebenfalls vom Zooplankton aufgenommen werden oder dient Bakterien und benthischen Organismen
als Nahrung. Das organische Material wird dabei unter Sauerstoffverbrauch in Kohlendioxid umgewandelt
und die Nährsalze werden wieder freigesetzt. Diese Prozesse werden als Remineralisierung bezeichnet.
Im Wasser gelöster Sauerstoff ist die Voraussetzung für alles höhere Leben Im Meer. 1 Liter Wasser ent
hält dabei nur ca. 1/20 der Sauerstoffmenge, die im gleichen Volumen Luft enthalten Ist. Das Oberflächen
wasser steht In direktem Kontakt zur Atmosphäre und ist i. d. R. gut mit Sauerstoff versorgt. Während des
Algenwachstums (Photosynthese) kann hier sogar Sauerstoffübersättigung eintreten. Remineralisierungs-
prozesse zehren hingegen den Sauerstoffvorrat im Bodenwasser auf. Sauerstoffmangel Ist hier Insbeson
dere im Sommer möglich, wenn vertikale Austauschprozesse durch Schichtung des Meerwassers unter
bunden sind.
Eutrophierung bedeutet eine Anreicherung des Gewässers mit Nährstoffen, die zu einem erhöhten Pflan
zenwachstum führt, welches wiederum eine unerwünschte Störung des Gleichgewichtes zwischen den
Organismen und eine Beeinträchtigung der Wasserqualität zur Folge hat. Eutrophierung bezieht sich daher
auf unerwünschte Effekte, die auf eine anthropogene Anreicherung mit Nährstoffen zurückzuführen sind
(Abgestimmte Definition der OSPAR Commission, vgl. www.ospar.org.)