3 Meeresphysik
142
System Nordsee
3.5 Temperatur
<•> P. Loewe, H. Klein, A. Frohse, A. Schulz & N. Schmelzer • • •
3.5.1 Einführung ... 142
3.5.2 Oberflächentemperatur ... 142
3.5.3 Temperaturschichtung ... 147
3.5.4 Meereis ... 154
3.5.5 Zusammenfassung ... 155
3.5.1 Einführung
Die Oberflächentemperaturen der Nordsee, die im BSH seit September 1968 wöchentlich
veröffentlicht werden, bilden die wichtigste Datenbasis zur Analyse des thermischen
Zustands der Nordsee und dessen dynamischer Entwicklung. Inzwischen
umfasst das Archiv über 2000 digitale Temperaturfelder, die auf einem flächentreuen
20 sm Gitter vorliegen. Der Datensatz dokumentiert nicht nur die raumzeitliche
Entwicklung einer Schlüsselvariablen des physikalischen Meereszustands über mittlerweile
45 Jahre; als Integrator des meteorologischen Antriebs lässt sich die Meeresoberflächentemperatur
auch zur Untersuchung von Klimaänderungen in der Nordseeregion
nutzen.
Zunächst werden die Oberflächentemperaturen der Nordsee in den Jahren 2006 und
2007 dokumentiert, im Zusammenhang mit atmosphärischen Zirkulationsanomalien
diskutiert und statistisch eingeordnet. Im Anschluss wird die Temperaturschichtung
anhand von Beobachtungen analysiert, die während der Gesamtaufnahme der
Nordsee mit FS Gauss bzw. FS Pelagia jeweils im August angestellt wurden. Die
ökologische Relevanz der Temperaturschichtung zeigt sich in markant verschiedenen
Verteilungen von parallel gemessenen Nährsalzen, Sauerstoff und Chlorophyll-a und
inversen biologischen Prozessen oberhalb (Produktion) und unterhalb (Abbau) der
Temperatursprungschicht.
3.5.2 Oberflächentemperatur
Sowohl im Jahr 2006, als auch im Jahr 2007 lag die Jahresmitteltemperatur 1 der Nordsee
auf der Rekordhöhe von 11,0 °C, die erstmals im Jahr 2002 erreicht worden war.
Dabei wies der jahreszeitliche Verlauf der Nordseetemperatur in beiden Jahren erhebliche
Unterschiede auf (Abb. 3-13).
In den ersten 6 Monaten des Jahres 2006 wichen die Temperaturen mit durchschnittlich
0,2 ± 0,4 K nur wenig vom klimatologischen Verlauf ab. Auch in der zweiten Jahreshälfte
2007 lag lediglich eine moderate Warmanomalie von 0,5 - 1,0 K vor. Als äu- *
7. Mittelwert von Dez. bis Nov. entsprechend Abb. 3-13.