2.8 Zusammenfassung
System Nordsee
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chen. Im Unterschied zu den synoptischen Verteilungen stellen diese Druckfelder
keine Wetterlagen sondern Witterungslagen dar, deren Abweichungen von der Klima
tologie als Manifestationen der chaotisch dynamischen Entwicklung einer gedächtnis
losen Atmosphäre auf diesen Zeitskalen unkorreliert, nicht auseinander herleitbar und
lediglich einer Dokumentation zugänglich sind.
Die saisonalen MSLP-Verteilungen setzen sich häufig aus kurzfristigeren komple
mentären Zirkulationsanomalien zusammen, die einander auf dieser Zeitskala auslö
schen. Im Gegensatz zu den Monatsverteilungen entsprechen die saisonalen Vertei
lungen deshalb meist weitgehend der Klimatologie. Ausnahmen hiervon bildeten der
Winter 2006, der durch eine S-liche Meridionalzirkulation charakterisiert war, sowie
der Herbst des gleichen Jahres, in dem eine erheblich verstärkte SW-Zirkulation vor
herrschte. Demgegenüber waren besonders markante intrasaisonale Unterschiede
kennzeichnend für den Sommer 2006 und den Winter 2007, die sich in inversen Luft
temperatu ranomalien über den nordhemisphärischen Landmassen der mittleren Brei
ten ausprägten, was die Eingebundenheit großräumiger atmosphärischer Zirkulati
onsanomalien in das erdumspannende Wellen- und Wirbelsystem dieser Breitenzone
dokumentiert. Der gerne als Indikator für die atmosphärische Zirkulation herangezo
gene Index der Nordatlantischen Oszillation reicht für eine zuverlässige Charakte
risierung der Anströmung im Nordseeraum nicht immer hin. So war beispielsweise
die verstärkte SW-Zirkulation im September und Oktober 2006 Konsequenz eines
entsprechend starken, positiven Modes des Ostatlantikmusters und mit einer von ver
schiedenen NAO-Indizes angezeigten abgeschwächten Zonalzirkulation nicht verein
bar.
Im Zuge der Umstellung der Datenbasis auf MSLP-Verteilungen der NCEP/NCAR
Reanalysen wurde die Druckreduktionsproblematik in Gerbirgsregionen im Bereich
der norwegischen Skanden sichtbar. Gegenüber früher verwendeten störungsfreien
Druckfeldern des UK Met Office weisen die Verteilungen hier im Herbst und Win
ter Deformationen auf, die gewöhnlich als artifizielle SE-liche Windabweichung in Er
scheinung treten. Die MSLP-Verteilungen werden lediglich für diagnostische Analysen
genutzt, denen letztlich das Wetterlagenklassifizierungsverfahren zugrunde liegt; da
die Ergebnisse des Verfahrens durch dieses Artefakt auf keiner der relevanten Zeit
skalen in unerträglicher Weise beeinträchtigt werden, wurde an den unmanipulierten
Feldern des NCEP/NCAR festgehalten.
o Nordseewind (S. 85 ff.)
Der Nordseewind ist als Beiprodukt der Wetterlagenklassifizierung ein zum Windindex
proportionaler geostrophischer Wind, der die charakteristische Windstärke und -rich-
tung im Nordseeraum angibt. Auf Basis täglicher Vektorwinde wurden Windellipsen
und virtuelle Trajektorien konstruiert, welche die saisonalen Zustände und jahreszeitli
chen Entwicklungen der Windverhältnisse in den Jahren 2006 und 2007 veranschauli
chen. Vektorielle und skalare Windgeschwindigkeiten, Windrichtungen und Richtungs
stabilitäten wurden als monatliche, saisonale, und jährliche Mittelwerte tabellarisch
dokumentiert.
Die Vorherrschaft von Winden aus der westlichen Hemisphäre schlug sich in beiden
Jahren in einem W:E-Verhältnis des Zonalwindes von knapp 3:1 nieder. Das S:N-
Verhältnis des Meridionalwindes war 2006 mit 3:2 deutlich unausgeglichener als ge
wöhnlich und im Jahr 2007 (1:1). Das Verhältnis von vektorieller zu skalarer Windge
schwindigkeit ist ein Maß für die Windrichtungsstabilität bzw. Persistenz und liegt für
saisonale und jährliche Mittelwerte typischerweise bei 1:2 - im Frühjahr jedoch bei