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Full text: 49: System Nordsee : 2006 & 2007 : Zustand und Entwicklungen

2.7 Lufttemperatur und Strahlung 
System Nordsee 
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Lufttemperatur wider. Durchaus nennenswerte Abweichungen vom normalen Tempe 
raturgang traten darüber hinaus im Winter (JFM) 2006 auf, der mit 1,7 °C und Rang 
32 zum kalten Viertel aller Winter des Zeitraums 1971 -2010 zählt. Ursache war die 
deutlich abgeschwächte Zonalzirkulation, die sich in einer E-lichen Luftdruckanomalie 
verteilung (Abb. 2-13, S. 77), einer weit in die E-liche Hemisphäre hineinreichenden 
Nordseewindellipse (Abb. 2-21, S. 86) oder einem schwachen resultierenden Nord 
seewind von 2,5 m/s aus SSW zeigt (Tab. 2-13,5.85). 
Herausragend und ohne Beispiel sind Andauer und Intensität der im Juli 2006 einset 
zenden extremen Warmanomlie, die erst im Juli des Folgejahres abbrach. Die mittlere 
Temperatur dieser 12-monatigen Warmphase liegt mit 12,3 °C um 3,8 Standardab 
weichungen über dem Klimamittel (1971 -2000: 9,3 °C) und weit über den Rekord 
temperaturen für 2006 und 2007 von 10,6 °C und 11,0 °C - den höchsten regulären 
Jahresmitteltemperaturen im Zeitraum 1971 -2010. Die saisonalen Lufttemperaturen 
der Warmperiode belegen jede für sich Rang 1, während sich für die Ränge der zu 
gehörigen Monatstemperaturen (Juli bis Juni) die Abfolge 1-20-1-2-1-1-1-7-2-1-9-3 
ergibt. Die nominell höchsten Temperaturabweichungen wurden im Dezember (3,9 K) 
und Januar (4,8 K), die signifikantesten im September (3,5 K) und April (3,7 K) erreicht 
(Abb. 2-27). Die sehr gleichförmige Stärke der monatlichen Anomalien (3,0 ± 1,2 K) 
rechtfertigt die Behauptung, dass die jahreszeitliche Temperaturentwicklung insge 
samt auf einem gegenüber dem klimatologischen Jahreszyklus um 3 К höheren Ni 
veau ablief. 
Der geschilderte abnorme Temperaturgang auf Norderney weist markante Parallelen 
zum Temperaturgang in der Nordhemisphäre auf. Dieser wie jener lässt sich auf an 
omale Strukturen der großräumigen atmosphärischen Zirkulation zurückführen. Wie 
Abb. 2-28 zu entnehmen ist, sind die hohen Julitemperaturen auf Norderney im Rah 
men einer europaweiten Hitzewelle eingetreten und Folge eines stationären Omega 
blocks 1 , der gleichzeitig die inversen Temperaturanomalien jenseits der Linie Nordkap 
- Schwarzes Meer verursachte. Die Auswirkungen der massiven Zonalströmung von 
November 2006 bis Januar 2007 (Abb. 2-22,5.89) waren ebenfalls nicht auf Norder 
ney oder die Nordsee beschränkt, sondern betrafen die gesamte Landmasse nörd 
lich 40° N (Abb. 2-28). Die Temperaturabweichung in Höhe von 0,99 К vom Klimamittel 
(1971 -2000) * 2 im Januar 2007 stellt eine Rekordwarmanomalie dar, die in keinem 
anderen Monat des Zeitraums 1880 - 2011 erreicht oder übertroffen wurde. 
Für die nördliche Hemisphäre waren 2006 (0,49 K) und 2007 (0,54 K) das 4,- und 
3.-wärmste Jahr nach 2010 (0,58 K) und 2005 (0,56 K). Die Periode Juni 2006 bis Mai 
2007 war mit 0,61 К die wärmste 1-jährige Phase im Datensatz (1880-2011). Wie 
auf Norderney wurden im Dezember 2006 sowie im Januar und April 2007 Rekord 
temperaturen erreicht. Für die Ränge der Jahreszeiten (JAS, OND, ...) ergibt sich die 
Abfolge 5-1-2-3, für den Herbst/Winter 2006/07 (02M) bei 0,67 К Rang 1. 
Luterbacher et al. (2007) zufolge war der Herbst/Winter 2006/07 höchstwahrschein 
lich für Europa das wärmste Winterhalbjahr in über 500 Jahren. Auf der Grundlage 
einer Analyse ähnlicher atmosphärischer Zirkulationsregimes bezweifeln Yiou et al. 
(2009), dass diese außergewöhnliche Warmanomlie ausschließlich den günstigen 
atmosphärisch-dynamischen Bedingungen zuzuschreiben ist, und sehen in den Tem 
peratu rverhältnissen im Herbst/Winter 2006/07 einen Vorläufer des künftigen europä 
ischen Regionalklimas in diesen Jahreszeiten. 
7. Von Tiefdruck im Westen und Osten flankiertes Hochdruckgebiet (T-H-T). 
2. Für den Referenzzeitraum 1901 -2000 ergibt sich eine Abweichung in Höhe von 1,19 K.
	        
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