2.6 Sturm
System Nordsee
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sehr wenige (1989: 7) bzw. durchschnittlich viele Stürme eintraten (1994:16), liegt die
Sturmsaison 2006/07 mit insgesamt 54 Sturmtagen auf Rang 3 in der Gesamtstatistik
(Tab. 2-19, S. 99) und dicht auf zu denen von 1989/90 (57) und 1994/95 (56).
Die hohe Beständigkeit im unterdurchschnittlichen (2005/06) und deutlich erhöhten
(2006/07) Sturmaufkommen von Monat zu Monat korrespondiert mit der im jeweili
gen Winterhalbjahr prinzipiell abgeschwächten bzw. verstärkten Zonalzirkulation, die
sich beispielsweise in den Moden der Arktischen Oszillation (Wallace 2000, Great-
batch 2000) widerspiegelt. So entfielen in der Sturmsaison 2006/07 11 von insgesamt
13 schweren Stürmen auf die Monate Dezember und Januar (Tab. 2-18, S. 98), als
der AO-lndex des Climate Prediction Centers 2 eine Rekordhöhe von 2,28 (Dez.)
erreichte, respektive mit 2,03 (Jan.) den vierthöchsten Wert in den Monatsstatisti
ken des Zeitraums 1950-2010 annahm. Der relative Anteil schwerer Stürme am
Gesamtsturmaufkommen lag bei 29 und 58%, zusammengenommen bei 42%. Der
>Nordseewind< zeichnete sich in beiden Monaten durch sehr hohe und extrem rich
tungsstabile Windgeschwindigkeiten aus WSW bis W aus (Tab. 2-14, S. 90).
Den Wetterlagenkalendern (Tab. 2-1, S. 44; Tab. 2-3, S. 45) sind nicht nur eine tagge
naue Zuordnung und die Sturmklasse der in den Jahren 2006 und 2007 eingetretenen
Stürme zu entnehmen, sondern gleichzeitig anhand des Wetterlagentyps die unge
fähre Lage der Sturmtiefs im Nordseeraum (vgl. Abb.2-3, S.46). Besonders erwäh
nenswert erscheinen die Orkane >Britta< (1.11.2006, N, s. a. Kap. 3.3.3, S. 134), >Franz<
(12.1.2007, W+), >Orkun< (18.3.2007, CW++, Abb. 2-1, S.41) und >Tilo< (9.11.2007,
NW), die am Pegel Cuxhaven als Sturmfluten mit Hochwasserständen von 239,
223, 227 und 290 cm über MHW registriert wurden. Mit etlichen Rekordhochwasser
ständen, erheblichen Dünenabbrüchen auf den ostfriesischen Inseln und starken
Lahnungsschäden zählten die durch die Orkane >Britta< (Allerheiligenflut) und >Tilo<
verursachten Sturmfluten zu den schwersten der letzten 100 Jahre an der nieder
sächsischen Küste (Heyken 2007, 2008). Beim entgegen anfänglicher Vorhersagen
beschleunigten Durchzug des Orkantiefs >Kyrill< (18.1.2007, CW+), der Bahnhöfe
in ganz Deutschland zu Wartesälen machte, wurden hingegen wegen mangelnder
Synchronisation von Sturmintensität und Hochwassereintrittszeiten in der Deutschen
Bucht Sturmflutwasserstände nur an wenigen Pegeln erreicht (Ems, Bremen). Ob,
wann und wo Orkane ihr Sturmflutpotenzial realisieren, ist aufgrund der hohen Anfor
derungen an die kleinräumige Zuverlässigkeit der Vorhersagen oftmals erst sehr spät
absehbar. Die Tatsache, dass sich beispielsweise in Cuxhaven in den Sturmsaisons
2005/06 und 2006/07 jeweils 2 und 4 Sturmfluten gegenüber 0 und 10 in Husum er
eigneten, verdeutlicht die Problematik (s. a. Kap. 3.4.5, S. 139).
Eine umfangreiche Sammlung von Medienberichten zu zahlreichen Sturmereignis
sen findet der interessierte Leser auf der von Thomas Sävert unterhaltenen Webseite
>Naturgewalten< 3 . Ausführliche meteorologische Sturmanalysen von Stefan Laps wer
den seit der Sturmsaison 2006/07 auf der Webseite der Meteomedia GmbH im Bereich
F&E/ Unwetterereignisse 4 vorgehalten.
2. www.cpc.ncep.noaa.gov/products/predp/CWIink/daily_ao_index/ao.shtml
3. www. saevert. de/win tersturm.h tm
4. www.meteomedia.de/index.php?id=221