Pettersson, O.: Über die Wahrscheinlichkeit von periodischen Schwankungen usw.
3. daß die Ausbreitung des tropischen »Desmoplankton« nach Cleve
vollkommen dieselbe Periode und dieselben Grenzen zeigt (siehe »Les
variations annuelles etc.«);
4. daß die Wasserzirkulation in den Randgebieten, welche nach Sand-
ströms Beobachtungen in der Oberfläche nach außen, d. h. gegen die »Schaum-
ränder«, gerichtet ist, neue Aussichten eröffnet für die Erklärung des merk-
würdigen »Aufblühens« des vegetabilischen Planktons in den Grenzgebieten
zwischen dem arktischen und dem atlantischen Wasser im Frühling. Nach
der Zirkulationstheorie von Bjerknes muß hier Wasseroberfläche »ver-
schwinden«, unter Zurücklassen der schwebenden Lebewesen des Oberflächen-
wassers in der Nähe des Schaumrandes. In der Nähe der Küste wird dagegen
neue Oberfläche »gebildet«, indem neue Wasserschichten dort auftauchen und
der Lichtwirkung ausgesetzt werden. In solcher Weise wird immer neuer
Nährboden für das Phytoplankton und neue Weideplätze für das Tierleben
des Ozeans geschafft. Bisher hat man die außerordentliche Produktivität der
nordischen Randgebiete der chemischen Beschaffenheit. der Nährstoffe im
Wasser, die Wirkung nitrifizierender und denitrifizierender Bakterien usw.
zugeschrieben. Es ist aber möglich, daß auch rein physikalische und dynamische
Ursachen mitwirken. Die eine Erklärung macht keineswegs die andere über-
füssig;
5. daß das Plankton des Randgebietes vom Skagerrak nach Clevel) eine
durch 10jährige Beobachtungen gut konstatierte jährliche Periodizität zeigt,
indem südlichere Arten im Herbst, boreale und sogar arktische Formen im
März/April bei unseren Küsten auftreten;
6. daß gewisse Fische, welche hauptsächlich dem atlantischen Wasser
angehören, wie der Merluccius,”) die Belone u. a, im Sommer und Herbst in
größerer Frequenz in dem Nordseegebiet auftreten und im Frühjahr sehr
viel seltener werden (»Südfische«) und daß andere Fischarten, welche den
nördlicheren Randgebieten angehören wie der Leng u. a,, ein entgegengesetztes
Verhalten zeigen (Nordfische);
7. daß die »Verspätung der Jahreszeiten« in den Küstenländern des
Norwegischen Meeres mit der jährlichen Ebbe- und Flutperiode des
atlantischen Wassers korrespondiert, und daß größere unperiodische
Schwankungen des Atlantischen Stromes mit dem Eintreten von warmen und
kalten Wintern in Nordeuropa verbunden sind und in der Mehrzahl von
beobachteten Fällen von Unregelmäßigkeiten in den Winterfischereien von
Dorsch, Hering usw. der östlichen Randgebiete des Nordatlantischen Ozeans
begleitet waren.
Unter diesen Begleiterscheinungen möchte ich hier nur an eine,
nämlich an die jährliche Periode der Fischwanderungen in dem Barentsmeer
erinnern, weil. sie den deutlichsten Zusammenhang mit der hydrographischen
Periode zeigt. ;
Es muß hier daran erinnert werden, daß das Vorkommen der Nutzfische
in diesem kalten subarktischen Meere wesentlich an das Vorhandensein der
atlantischen Stromzweige gebunden ist, Dr, Knipowitsch äußert:‘°)
»Wir kommen zum folgenden allgemeinen Bilde der Wanderung des
Kabeljaus und anderer Fische nach der Murmanküste, Im März und April
scheint das Meer nördlich von der Murmanküste im ganzen arm an Fischen
zu sein, obgleich dieselben im Gebiete des südlichen Teils der Nordkap-
strömung zuweilen in großen Massen vorkommen können. .
In der Regel finden sich die Fische zu dieser Zeit in großen Massen
mehr nach West (nördlich von Finmarken usw.). Etwas später tritt die
Massenwanderung der Fische (der Kabeljaue, Schellfische und anderer) nach
17
1) P. J. Cleve. Svenska Hydrografisk Biologiska Kommissionen Skrifter 1I. Report on
the plankton of the Baltic current collected from 1893 bis 1904,
?) O. Pettersson. Generalbericht der internationalen Meeresforschung Anlage A.
A. Henking. Generalbericht. Anlage F.
3) N. Knipowitsch. Arbeiten der Expedition für wissenschaftlich-praktische Untersuchungen
an der Murmanküste in den Jahren 1898 bis 1900, p. 596, Bd. I.
Ann. d. Hydr. usw. 1906, Heft I.