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Risikobewertung für Mensch und Umwelt
aus dem Meer. Beide Wege sind temperaturabhängig und führen zu einer Entfernung des Schadstoffes aus
der marinen Umwelt und damit geringerer Schadwirkung. Der biologische Abbau ist zudem vom Vorkom
men von Nährstoffen abhängig, das Bakterien und andere Kleinorganismen die Metabolisierung ermöglicht.
Es besteht also eine regional spezifische Komponente, die bei der Abschätzung der Exposition betrachtet
werden muss.
Risikocharakterisierung
Die Risikocharakterisierung verbindet die Ergebnisse der Gefahrenbewertung mit denen der Expositions
bewertung. Für Risikobewertungen sind toxische Wirkschwellen oder Dosis-Wirkungs-Beziehungen zu
ermitteln, um die Wirkungen der Stoffe mit der ermittelten Exposition bzw. Umweltkonzentration in Bezug
setzen zu können.
Die aus Untersuchungen an Versuchstieren abgeleiteten Wirkschwellen können erst nach entsprechen
der Anpassung und Extrapolation für Risikobewertungen beim Menschen genutzt werden. Hierbei spielen
Sicherheitsfaktoren eine Rolle, die die unterschiedliche Aufnahme und Metabolisierung in verschiedenen
Spezies, aber auch die individuellen Ausprägungen des toxischen Effektes bei kritischen Bevölkerungs
gruppen berücksichtigen sollen. Auch für die krebserzeugende oder erbgutschädigende Wirkung
(Mutagenität) wird eine minimale Wirkschwelle ermittelt, die als tolerabel angesehen wird.
Die Berechnung der höchsten wirkungslosen Konzentration in der Umwelt PNEC (predicted no-effect
concentration) wird aus den ökotoxikologlschen Daten abgeleitet. Die höchste Prüfkonzentration, bei der
Im Vergleich zu einer Kontrolle ohne Prüfsubstanz innerhalb eines angegebenen Expositionszeltraums
keine statistisch signifikante Wirkung vorliegt (NOEC, no observed effect concentration) wird je nach den
vorliegenden Daten durch einen Extrapolatlonsfaktor dividiert, um die Vielfalt der marinen Organismen zu
erfassen. Für den Bereich der Risikobewertung bei Wasserorganismen wird die abgeschätzte Umweitkon
zentration eines Stoffes (PEC, predicted environmental concentration) in das Verhältnis gesetzt zur voraus
gesagten höchsten wirkungslosen Konzentration in der Umwelt (PNEC).
Für die andere Wirkung von Mineralöl auf die Umwelt sind jedoch keine Wirkschwellen und Verdünnungs
rechnungen möglich: Die Verschmierung von Oberflächen von Tieren hat Wirkungen, die ausschließlich
von der Oberflächenfilmblldung abhängen. Die In die Umwelt eingetragene Menge macht sich dann fast
ausschließlich in der Fläche des kontaminierten Bereichs bemerkbar. Freigesetztes Öl entzieht sich damit In
vieler Hinsicht bei der Risikobewertung der sonst bei Risikobewertungen üblichen Betrachtung einer Dosls-
Wirkungs-Beziehung. In der Regel können für freigesetzte Ölvolumen die abgedeckten Wasserflächen
abgeschätzt werden, die verölt werden. Solche Werte werden für Risikobewertungen genutzt.