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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 46 (1918)

166 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai/Juni 1918. 
des Briefes und seine Vereinigung mit dem Traktat über die Kugel wohl auf Befehl 
D. Joäos erfolgt sei (a. a. 0. p. 193). Es ist dies ein Nebenpunkt, den wir nicht 
weiter verfolgen. 
Der Titel des Regimento drückt bereits die beiden Aufgaben, mit denen es 
sich zu beschäftigen hat, aus, nämlich 1. die Bestimmung der geographischen Breite 
aus der beobachteten Mittagshöhe der Sonne und 2. die Bestimmung der Polhöhe 
durch die Beobachtung des Nordsterns. Der Titel lautet: 2 
Regimento do estrolabio e do quadrante pera saber | ha declinacam e ho logar 
do soll em cada huüm dia | e asy pera saber ha estrella do norte. 
Es ist oben (S. 112) dargelegt, daß die unmittelbare Bestimmung der Breite 
aus der Höhe des Pols über dem Horizont (Geograph. Breite == Polhöhe) die ältere 
Methode gewesen zu sein scheint, der die indirekte aus der Mittagshöhe der Sonne 
gewonnene (Geogr. Breite = dem Komplement der Höhe der Sonne im Äquator) 
erst nachgefolgt ist. Danach ist die Voranstellung der letzteren Aufgabe für die 
Entstehungszeit des gesamten nautischen Leitfadens bedeutungsvoll. 
Bei genauerem Zusehen wird man im Regimento fünf Teile unterscheiden 
müssen, die bis zu einem gewissen Grade unabhängig nebeneinander stehen und in 
ihrer Anlage oder Fassung auf verschiedene Entstehungszeiten hindeuten, nämlich 
Bestimmung der Breiten aus Sonnenhöhen (S. 2 bis 8). 
Regimento do norte (S. 9). 
Breitentabelle (S. 10 bis 12). 
Segelanweisung nach der Marteloio-Regel (S. 12). 
5. Kalender mit Angabe der Länge und Deklination der Sonne (S. 13 bis 24). 
Wir wollen die Einzelabschnitte in etwas anderer Reihenfolge besprechen 
and Nr. 5 gleich mit der ersten Aufgabe kombinieren. 
21. Die Bestimmung der Breite aus Sonnenhöhen erläutert durch 17 vor- 
gerechnete Beispiele, wie weit man sich jeweilig vom Äquator entfernt weiß. Hierbei 
werden die Einzelfälle unterschieden, je nachdem man im Sommerhalbjahr, d. h. 
zwischen dem 11. März und 14. September oder im Winterhalbjahr zwischen dem 
14. September und 11. März, beobachtet und dabei nördlich oder südlich des 
Äquators und weiter innerhalb oder außerhalb der Wendekreise bzw. auf dem Äquator 
sich befindet. Dieser ganze Passus wird im Auszuge und in französischer Über- 
setzung des Originals von Bensaude wiedergegeben (a. a. (0). p. 120 bis 123). Es 
wird genügen, eines der Beispiele im Wortlaut anzuführen (Faksimile- Ausgabe 
S. 5). „Wenn die Sonne in den südlichen Zeichen steht, welches sind Libra, Scorpio 
Sagitari, Capricorno, Aquario und Pisces, und es ist zwischen dem 14. September 
und 11. März, so mußt du wie folgt verfahren: du nimmst die Sonnenhöhe, wie 
ich es schon gesagt habe, suchst in der Tafel die Deklination für den (Beobachtungs-) 
Tag. Alsdann addiere diese beiden Zahlen und ziehe sie von 90° ab: der Rest ist deine 
Entfernung vom Äquator‘. D. h. also 
Nord-Breite == 90° — (h + d). 
„Am 10, November hast du die Höhe von 35°. Fügst du 19 Grade und 35 Minuten 
hinzu, welches die Deklination ist für den 27. Grad des Scorpions, so erhältst du 
34 Grade und 35 Minuten. Wenn du diese von 90° abziehst, folgt 35 Grad und 25 Mi- 
nuten. Soweit bist du von der Linie entfernt‘. (D. h. wieder Breite,== 90 — (h + d). 
Die gleichen Bestimmungen kehren in den späteren nautischen Lehrbüchern 
wieder, meist etwas kürzer gefaßt. Das Regimento von Evora gibt keine Einzel- 
beispiele. Bensaude (p. 126—129) verfolgt die Methoden noch weiter nach den 
Schriften von Duarte Pacheco, Joäo de Lisboa und Pedro Nunes, sowie 
dem Briefe Mestre Joäos, des Piloten Cabrals, vom 27. April 1500 (vgl. $ 27). 
Nunes führt statt der Sonnenhöhe die Zenitdistanz des mittägigen Sonnenstandes 
ein. wadureh sieh die Grundformehln natürlich ein wenig vereinfachen. 
22, Die Deklinationstafel der älteren Ausgaben des Regimento. In allen 
Beispielen des Regimento werden die Werte der Deklination der ausführlichen, 
am Ende stehenden Tafel entnommen. Mit dieser hat es eine eigene Bewandtnis, 
die auch J. Bensaude entgangen zu sein scheint, da er sich auf eine kurze Be- 
schreibung ihrer äußeren Ausstattung unter Hervorhebung einiger offensichtlicher
	        
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