Sturm, H.: Kaltluftzirkulation anf der Rückseite einer Zyklone. 363
Vorderrand der Rückseitenkaltluft in der unteren Troposphäre (bis etwa 4 bis
5 km Höhe) aufsteigende Vertikalbewegungen vorherrschen und erst im rück-
wärtigen Teil dieser Kaltluft, näher am Zwischenhoch, sich allgemeines Absinken
mit nach oben hin abnehmender Strömung, wie wir später noch sehen werden,
einstellt, etwa nach dem von P, Raethjen (13) entworfenen Schema der Böen-
uamlagerung.
Dieser Befund ist in guter Übereinstimmung mit den vom Wetterflugzeug
aus beobachteten Himmelsansichten, worauf auch P. Raethjen in dieser Arbeit
(18) hinweist. Aus den Ergebnissen über die Zirkulationsänderung in den ver-
schiedenen Gebieten der Kaltluft müssen wir erwarten, daß am Vorderrand mit
den stark!) aufsteigenden Vertikalbewegungen und den damit notwendig ver-
bundenen starken Abweichungen vom barischen Windgesetz (16) cumulonimboide
Formen der Bewölkung mit großer vertikaler Mächtigkeit vorherrschen, während
auf der rückwärtigen Kaltluft über einer unteren bis etwa 1000 oder 1500 m
reichenden Wolkenschicht infolge allgemeinen Absinkens sich der wolkenlos blaue
Himmel spannt. Die Klartexte vom 12. März 08 Uhr von Königsberg einerseits
und von Berlin, Hamburg und Norderney andererseits bestätigen uns dies ganz
ausgezeichnet. Die Klartexte seien daher im folgenden wörtlich angeführt:
Für den Vorderrand der Kaltluft der Klartext von Königsberg:
„100 bis 800 m 9/10 Fecu und Sec, über See bis 50 m herab, im Samland auf
Wäldern aufliegend. Darüber nur im N-Halbraum sehr starker Dunst und 10/10 Ns
bis etwa 3500 m, am SW-Horizont Quellungen bis etwa 3000 m. Über Gipfel nur
im N-Halbraum 9/10 Ac. Mittlerer Wind SE 50 km/Std.“
Für die rückwärtige Kaltluft: Klartext Berlin: „9/10 Fst 200 bis
400 m. 10/10 St 400 bis 1000 m, ab 600 m starker Eisansatz. Dunst 1000 bis
1200 m. 10/10 St 1200 bis 1600 m, Dunstgrenze 2600 m. Leichter Dunst bis
Gipfel.“
P oder Klartext Hamburg: „400 m einzelne Fetzen. 600 bis 1200 m 10/10 St,
darin mäßige Vereisung. Bis 3300 m mäßiger Dunst.“
oder Klartext Norderney: „700 m 3/10 Fst. 850 bis 1200 m 10/10 Se.
Untergrenze nach N und NW abfallend, Obergrenze Quellkuppen bis 1300 m,
darin sehr leichte Vereisung. Darüber leichter geschichteter Dunst. Über Gipfel
wolkenlos,“
Die passive, d. i. eine mit der Höhe abnehmende, Strömung in der rück-
wärtigen Kaltluft, im Zwischenhoch, können wir, wenn sie auch nur schwach
angedeutet ist, der Höhenwindmessung von List auf Sylt vom 12. März 13 Uhr
entnehmen.
Pilot List: 12. März 1936 13 Uhr:
Höhe in m *
Wind-
Richtung in © | in m/see
Höhe in m
7 Wind.
. . | Stärke
Richtung in ° in m/s
Boden .... 300...
500 ..... 3500. ....
1000 ... 4000. +. ++
1500.10... 5000...
2000 +... 5200.....
A
Bis 3500 m ist die Strömung, wenn wir von der Zunahme in der unteren
Reibungsschicht (bis 1500 m) absehen, passiv und bis zu dieser Höhe müssen
wir etwa die vertikale Mächtigkeit der rückwärtigen Kaltluft nach den hier
nicht eigens dargestellten Aufstiegen von Norderney und Hamburg ansetzen.
Die rasche Zunahme in der Warmluft von 10 m/sec in 4000 m auf 24 m/seec in
5000 m kann vielleicht auch nur durch ein Schwimmen des Pilotballons infolge
Abblasens vorgetäuscht sein.
1 Wenn wir hier mit „stark“ — was wir wegen der bestehenden Ungleichungen streng ge-
nommen. nicht dürfen — die aus der wesentlich größeren Zunahme gegenüber der viel weniger aus-
geprägten Abnahme der zyklonalen Zirkulation pro Flächeneinheit zu folgernde, stärkere aufwärts
gerichtete Vertikalbewegung ausdrücken wollen,