4 Maya
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1898.
In der zweiten Hälfte des April und der ersten Hälfte des Mai machte
sich, nachdem die Monddeklination gleich Null gewesen war, ein zweimaliger
Fluthwechsel, jedoch nur zur Nippzeit bemerkbar. Während Springzeit war es
yegen 6 Uhr morgens Hochwasser und gegen 9 Uhr abends Niedrigwasser. Nach
Springzeit trat das Hochwasser wieder später und das Niedrigwasser wieder
früher ein. Bei Nippfluthen und halbtägigen Tiden fand das Hochwasser spä-
testens gegen 10 Uhr morgens und das Niedrigwasser ungefähr zwischen 5 und
6 Uhr abends statt. Nach Nippzeit wurde nur ein Fluthwechsel bemerkt. Es
war Hochwasser gegen 6 Uhr morgens oder etwas früher. Das Wasser fiel
während des Tages.
In den Monaten Juni und Juli traten nur eintägige Tiden auf. Das
Wasser fiel während des Tages. Im August und September wurden halbtägige
Tiden während längerer Perioden beobachtet. Die eine Tide verschwand nur
zur Springzeit während regelmäfsig von 5 bis 1 Tag abnehmender Zeitabschnitte,
Es läfst sich eine Uebereinstimmung mit den im April stattfindenden Ge-
zeitenerscheinungen nachweisen, aber im August und September war vor Springzeit
das Abendhochwasser und in der Zeit zwischen Spring- und Nippfluthen das
Morgenhochwasser am höchsten. Niedrigwasser fand wieder gegen 1 bis 2 Uhr
nachmittags und des Nachts statt. Im September war der mittlere Wasserstand
der niedrigste des ganzen Jahres. Im Oktober, namentlich in der zweiten
Hälfte dieses Monats, wurden die eintägigen Tiden wieder vorherrschend. Während
Springzeit trat Niedrigwasser gegen 12 Uhr mittags und Hochwasser ungefähr
6 Uhr abends oder etwas später auf. Nach Springzeit verspätete sich das
Niedrigwasser bis gegen 2 Uhr zur Zeit der Nippfluthen. Hierauf stellte es sich
wieder gegen 10 Uhr morgens ein.
In den Monaten November, Dezember und Januar herrschten die eintägigen
Tiden vor. Das Niedrigwasser fiel zur Springzeit auf den Vormittag und zwar
jeden Monat ungefähr 2 Stunden früher, nämlich im November gegen 11 und
10 Uhr, im Dezember gegen 9 und 8 Uhr und im Januar gegen 7 und 6 Uhr,
während das Hochwasser gegen 6 Uhr abends oder später eintrat. Das Niedrig-
wasser verspätete sich nach Springzeit bis gegen 1 Uhr nachmittags und sprang
nach Nippzeit wieder auf 6 Uhr morgens zurück.
Im Februar waren, wie früher erwähnt, die Springtiden weniger regel-
mäfsig. Eintägige Tiden wurden nur während einer Periode von fünf oder drei
Tagen beobachtet. Es war dann ungefähr gegen 6 Uhr morgens Niedrigwasser
und abends Hochwasser. In den übrigen Tagen des Monats fanden halbtägige
Tiden statt und verspätete sich der Eintritt des Niedrigwassers nach und nach
bis gegen 2 Uhr nachmittags. Nach Nippzeit trat Niedrigwasser wieder ungefähr
6 Uhr morgens ein.
Im März machten sich annähernd dieselben Gezeitenerscheinungen bemerk-
bar. Eintägige Tiden wurden jedoch nur während drei bis zwei Tagen bemerkt,
Niedrigwasser fand gegen 6 Uhr morgens und Hochwasser des Abends statt.
Der Fluthwechsel war nur gering. Sonst wurden während dieses Monats halb-
tägige Tiden mit allmählich später eintretendem Niedrigwasser beobachtet. Der
mittlere Wasserstand des Monats war der höchste des Jahres,
Im Allgemeinen läfst sich eine gewisse Regelmäfsigkeit der Gezeiten-
erscheinungen erkennen, die man in kurzer Fassung folgendermafsen dar-
stellen kann;
In den Monaten Mai, Juni, Juli, November, Dezember und Januar
herrschen die eintägigen Tiden vor. In den ersten drei Monaten fällt das
Wasser während des Tages, in den letzten drei Monaten steigt es während des
Tages.
In den übrigen Monaten herrschen die halbtägigen Tiden vor, doch
sind auch hier die Gezeitenerscheinungen während der Monate August, Sep-
tember und Oktober denen in den Monaten Februar, März und April ent-
gegengesetzt. Im März ist der mittlere Wasserstand am höchsten und der
Fluthwechsel gering; im September ist der mittlere Wasserstand am
niedrigsten und der Fluthwechsel am gröfsten.
Der Fluthwechsel betrug zur Springzeit im September 1,56 m, zu der-
selben Zeit im Juni 1,28 m, zur Nippzeit im September 0,5 m und zu dieser
Zeit im März 0,2 m.