Nautische Hydrographie
Datensätzen könnten Anzeigefehler dem System
hersteller zu Unrecht angelastet werden. Zum
Beispiel haben die Datenhersteller mit ihren Digi-
talisierungs- und Objektivierungswerkzeugen die
Möglichkeit, Kartenelemente so zu maskieren,
daß sie vollständig von der Darstellung ausge
schlossen werden. Es könnten dadurch sogar
„Safety Contours“, d. h. Linien, die den gefähr
lichen von dem ungefährlichen Tiefenbereich
deutlich trennen sollen, unterdrückt werden. Ein
Nichtauslösen des Tiefenalarms kann aber auch
auf eine unvollständige Objektbildung des Daten
satzes zurückzuführen sein. Weiterhin können
den Geometrien von Objekten besondere Eigen
schaften wie zum Beispiel „Position angenähert“
hinzugefügt werden. Dieses sollte bei der Alarm
behandlung berücksichtigt werden. Die Prüfung
dieser Systemfunktionen und der Darstellung ist
nur in solchen Testdatensätzen möglich, in denen
derartige Punktobjekte enthalten und bekannt
sind. Ebenso kann eine plausible Kontrolle der
Detailinformationen (s. o.) auch nur mit einem be
kannten Datensatz vorgenommen werden. Sonst
ist nicht feststellbar, ob alle im Datensatz enthal
tenen Informationen angezeigt werden. Des wei
teren wurde die Erkenntnis gewonnen, daß Ein-
und Ausblendungen von Karteninhalten bei Maß
stabsänderungen der Kartendarstellung auch an
Einträge in dem Datensatz gebunden sind. Die
bisherigen Annahmen gingen davon aus, daß be
obachtete Ein- und Ausblendungen ausschließ
lich vom System ausgelöst werden.
Nach dem bisher Gesagten ist ein Testda
tensatz für alle ENCs spezifizierten Objekte erfor
derlich als Bedingung für eine vollständige Prü
fung. Ein solcher Testdatensatz ist bei der IHO
z. Zt. in Entwicklung. Zusätzlich besteht die Mög
lichkeit, in einem für FS Gauß ungefährdet be
fahrbaren Seegebiet real nicht vorhandene
Gefahren in den betreffenden ECDIS-Datensatz
einzufügen, um die unterschiedlichsten, von dy
namischen Vorgängen abhängigen Alarmbe
handlungen in relativ kurzer Zeit mit fahrendem
Schiff testen zu können.
Für ECS-Anlagen, die die für ECDIS vorge
sehenen Testdatensätze nicht verarbeiten kön
nen, ist es wegen fehlender Normierung nicht
möglich, spezielle Testdatensätze zu erstellen.
ECS-Anlagen gibt es in einer großen Varia
tionsbreite, die zum Teil mit unterschiedlichen,
firmenspezifischen Datenformaten arbeiten.
Vergleichbare Alarmbehandlungen stehen
bei RCDS nicht zur Verfügung. Als Testdaten soll
ten hier Karten unterschiedlicher Projektionen
und repräsentativer Karteninhalte verfügbar sein.
Die Prüfung des kartographischen Anteils
als Bestandteil der nautisch-technischen
Ba umusterprüfung
Die Ergebnisse der bisher beschriebenen
Prüfungsabläufe gewährleisten nach einem voll
ständigen Abschluß, daß alle auf das elektroni
sche Seekartensystem anwendbaren Visualisie
rungsregeln umgesetzt worden sind und die
geforderten Darstellungsgenauigkeiten eingehal
ten werden. Auch wurden „Werkzeuge“ wie z. B.
elektronische Peillinien und variable Entfernungs
meßringe sowie Cursorsymbole mit ihren alpha
numerischen Meßwertanzeigen geprüft.
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