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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 19 (1891)

Seylla. und Charybdis. 
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sie zwischen Tropea und Milazzo von Ost nach West (rema del Golfo) oder von 
West nach Ost (rema del Capo). . 
Dagegen steht fest, dafs während des Vorschreitens der eingehenden und 
des Zurückweichens der ausgehenden Strömung infolge der schroffen Wechsel in 
Breite, Tiefe und Richtung des Strombettes vorübergehend sich seitliche 
Gegenströmungen und Unterströmungen ausbilden, bis nach einiger Zeit sämmt- 
liche Wassermassen die Straße von Messina in gleicher Richtung durchflielsen. 
Diese Störungen des glatten Verlaufs der Tideströmungen durch die un- 
regelmäfsige Gestaltung des Strombettes sind die Ursachen der Wirbelbildungen, 
von Scylla und Charybdis. 
Ihren Ausgang nehmen beide Tideströme am Kap ‚Peloro. Bis die Be- 
wegung die Höhe von Messina erreicht, vergehen 2 bis 3 Stunden. Dort hält 
der eingehende Strom noch 3 bis 4 Stunden lang an, nachdem beim Anfang der 
Meerstrafße bereits die nordwärts gerichtete Strömung begonnen hat. Im Durch- 
schnitt beträgt die Stromgeschwindigkeit selten unter 5 und über 12 km in der 
Stunde = 1,4 bis 3,3m in der Sekunde, ist jedoch auf den verschiedenen 
Strecken sehr verschieden, an manchen Orten zuweilen 16 bis 18km in der 
Stunde = 4,4 bis 5m in der Sekunde, welche aufserordentlichen Geschwindig- 
keiten der Schiffahrt schwere Hindernisse bereiten, 
4. Gestaltung des Strombettes. 
Im Einzelnen ist der Verlauf der Strömungen durch die Gestaltung des 
Strombettes bedingt. 
Von Süden her laufen die calabrische und sicilianische Küste in spitzem 
Winkel aufeinander zu und bilden einen bei Messina 7km breiten Trichter, 
dessen tiefes Bett nach den Ufern und nach Norden zu allmählich flacher wird. 
Zwischen der Punta del Pezzo und Sant Agata zieht sich ein 3,7 km langer 
unterseeischer Felsrücken schräg durch die Meerenge, dessen tiefste Einsattelung 
nur etwa 120m beträgt, während in je 2km Abstand an beiden Hängen der 
Stromstrich 250 m Tiefe unter dem Wasserspiegel besitzt. Jenseits dieses Rückens 
wendet sich die Stralse von Messina scharf nach Ostnordost in den Golf von 
Gioja. Die siecilianische Küste folgt der calabrischen in 3 km Abstand auf rund 
4 km Länge bis zum Kap Peloro, wo sie rasch nach Westen umbiegt, ; 
Trotz seiner geringeren Breite ist der benetzte Querschnitt des Strombettes 
am Kap Peloro etwa 3 Mal gröfser als der Querschnitt an jenem Felsrücken. 
Nach Süden zu nehmen die Querschnitte rasch zu und erreichen schon bei Messina 
den 5fachen Flächeninhalt. In den gröfseren Tiefen besteht die Sohle aus Kies 
und Sand, vielfach mit Algen überwuchert. An den Küsten ragen zahlreiche 
Klippen und Felsspitzen aus dem sandigen Bett hervor. Bei Messina findet der 
glatte Verlauf der südwärts gerichteten Strömung ein Hindernifs in dem weiten 
Vorsprung der sichelförmigen Halbinsel des Hafens, welche einstmals der Stadt 
ihren Namen „Zankle“ (Sichel) geliehen hat. 
5. Verlauf der Strömungen. 
Die eingehende Strömung beginnt an der Oberfläche beim Kap Peloro, 
bevor noch die tieferen Wasserschichten ihre nördliche Richtung verloren haben. 
Sie wird daher zunächst nach Osten bis in die Nähe von Zorre Cavallo zur 
calabrischen Küste abgelenkt und verfolgt dieselbe bis an jenen Felsrücken, in 
den sie in schräger Richtung hinweggleitet. Auch an der sicilianischen Küste 
kommt gleichzeitig während der ersten Stunde die südliche Strömung in Gang, 
anfangs im Kampfe mit dem ausgehenden Unterstrom, bis schließlich nach 
L bis 1'% Stunden das ganze Strombett mit südwärts gerichteten Wassermassen 
angefüllt ist, die nunmehr unter stetiger Abnahme der Geschwindigkeit in dem 
breiter werdenden Trichter zum Ionischen Meere hinfliefsen. 
Nach einer weiteren Stunde erreicht der eingehende Strom den Hafen 
von Messina und wird dort südsüdöstlich nach Reggio zu abgelenkt. Die aus 
der Hafenbucht austretende Strömung, in ihrem Abfluls gehemmt, wird außerhalb 
der Sichel vom eingehenden Strom überlagert und nach einstündigem Kampfe an 
die Sohle gedrückt. Jedoch bereits nach 1'/2 Stunden beginnt wiederum der 
Ausflufs aus dem Hafen, während die südlich gerichtete Strömung noch im ganzen 
Bett der Meerenge diesseits des Felsrückens herrscht.
	        
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