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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 32 (1904)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1904. 
kommen, wie ebenfalls die älteren Arbeiten von Hoffmeyer und Meinardus 
ergeben haben. Es galt jetzt, eine Reihe von Monaten ausfindig zu machen, 
welche in ihrer Gesamtwirkung maßgebend sein konnten für die Ausbreitung der 
Eismassen, bezw. der Strömungen im Ostgrönländischen Meer. Wenn nun auch 
nicht immer die Luftdruckverteilung in denselben Monaten bestimmend für die 
Ausbreitung des Eises im Sommer ist, so ergab sich doch ein nicht zu verkennender 
Einfluß der Monate März, April und Mai. Dieser Einfluß der Luftdruck verteilung tritt 
klar zu Tage, wenn man die beigefügte graphische Darstellung (siehe beigegebene 
Tafel3) betrachtet, welche die Luftdruckdifferenzen zwischen 70°N-Br.,20° W-Lg. und 
70°N-Br., 20°O0-Lg für den Gesamtzeitraum März--Mai der einzelnen Jahre 1881 bis 
1895 darstellt. (Von 1883 sind keine Monatskarten vorhanden, daher fehlt dieses.) 
Die ungemein eisreichen Jahre, in welchen sich das Eis entweder bis an 
die Südspitze von Island im Sommer ausbreitete, oder im Juni und Juli noch 
die Insel Jan Mayen besetzt hielt, weisen sämtlich eine bedeutend größere 
Luftdruckdifferenz zwischen Grönland und Nordskandinavien auf, wie die normalen 
Jahre, in welchen die Luftdruckdifferenz auf 70° N-Br. zwischen 20° W-Lg. und 
20° O-Lg. nur 4,1 mm beträgt. Im Gegensatz hierzu steht die minimale Luft- 
druckdifferenz (fast = 0) in den ungemein eisarmen Jahren, in welchen bei 
Island kein Eis gesehen wurde und auch sonst keine Nachrichten über un- 
günstige Verhältnisse vorliegen. Auch die Jahre, welche ich auf Grund der 
oft sehr unzureichenden Berichte als günstiger oder ungünstiger wie normal 
bezeichnet habe, sprechen für einen großen Einfluß der Luftdruckverteilung in 
den Monaten März bis Mai auf die Lage der Eisgrenze. 
Nach diesen Voruntersuchungen über die Luftdruckverhältnisse auf 
70° N-Br. wurde dazu übergegangen, Luftdruckkarten des Nordatlantischen 
Ozeans für den Zeitraum März bis Mai zu zeichnen. In Betracht kamen nur 
die ungemein eisreichen Jahre: 1881, 1882, 1888 und 1891 sowie die ungemein 
eisarmen Jahre 1884 und 1889. Das Verfahren, welches zu diesem Zwecke ein- 
geschlagen wurde, ist folgendes: Aus den von der Deutschen Seewarte und dem 
Dänischen Institut gemeinschaftlich herausgegebenen Monatskarten der Luftdruck- 
verteilung über dem Nordatlantischen Ozean wurden für die Monate März, 
April und Mai die Luftdruckwerte der Schnittpunkte jedes 10. Längen- und 
jedes 5. Breiteugrades ausgezogen und zum Vierteljahrsmittel vereinigt. Aus 
diesen neuen Mittelwerten wurden sodann für die betreffenden Zeiträume der 
obengenannten sechs Jahre neue Luftdruckkarten konstruiert, welche das Gebiet 
des Nordatlantischen, Ozeans zwischen 75° und 40° N-Br. umfassen. Außerdem 
wurde die normale Luftdruckverteilung (März - Mai) in diesem Gebiet dargestellt 
durch eine Karte, welche aus den auf 20jährige Mittelwerte reduzierten Karten 
des Rungschen Atlasses!) kombiniert ist (siehe beigegebene Tafel 3). 
Wenn wir diese letztere zuerst betrachten und mit einer Strömungskarte 
des Nordatlantischen Ozeans vergleichen, bemerken wir wieder die Abhängigkeit 
der Strömungen von der Luftdruckverteilung, indem die südwestlichen Winde 
den Golfstrom nach Nord führen und ihn nach Skandinavien hinüberleiten, 
indessen die nördlichen Winde die Polartrift nach Süden führen. Von 
besonderem Interesse erscheint aber die Luftdruckverteilung im Frühjahr für 
die Erklärung einer Strömung, welche entgegen der ablenkenden Kraft der Erd- 
rotation, von Nord kommend, nach Osten abweicht, nämlich des ostisländischen 
Polarstroms. Pettersson weist in seiner Arbeit: „Die Wasserzirkulation im 
Nordatlantischen Ozean“?) nachdrücklich auf diese Eigentümlichkeit des Stromes 
hin, welcher sich südlich von Jan Mayen von der Hauptströmung trennt und in 
südöstlicher Richtung gegen die Bodenschwelle zwischen Island und den Färöer 
fließt. Nach meiner Ansicht dürfte sich diese Strömung zum großen Teil er- 
klären lassen durch die längs der norwegischen Küste südlich bis zum 65, Breiten- 
grad sich erstreckende Depression, welche an ihrer Westseite west- und nord- 
westliche Winde bedingt, die eine Ablenkung der Wassermassen des Polarstroms 
nach Südosten veranlassen, außerdem dürfte die Einengung des Bettes des ost- 
grönländischen Polarstroms bei Island ein Abfließen der Wassermassen nach 
Osten begünstigen. Pettersson führt die Existenz dieses Zweigstroms in der 
) L. Rung: Repartition de Ia pression atmospherique sur l’Ocean Septentrional, d’apres bes 
observations de 1870—-1889. 1894. 
2) Pet. Mitt. 1900. S. 82 u. f.
	        
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