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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte. — 1920. Ni. 2.
- 4 ) Aro.h. d. Seew. 1900, Nr. 5, S. 14—18, Ann. d. Hydr. 1901, S. 577.
beiden Stationen der prozentuale Überschuß des Juni über den Mai sehr gering und dürfte kaum
tatsächliche Bedeutung haben. Die Minima finden wir am Morgentermin an beiden Stationen
im März — April und im August (wie bei der interdiurnen Veränderlichkeit). Am Nach
mittag entspricht das erste Minimum im Februar dem Verlauf in Borkum, das nachsommer
liche Minimum dagegen rückt an beiden Stationen deutlich bis in den Dezember hinaus. Am
Abendtermin ist bei den beiden Seesationen Borkum und Wilhelmshaven die rasche Abnahme der
Häufigkeitszahlen nach dem Maimaximum bemerkenswert; in Wilhelmshaven ist diese Abnahme sogar
so einschneidend, daß der Juli hier das Hauptminimum erhält, während an den beiden anderen
Stationen das nachsommerliche Minimum erst im September erreicht wird.
In gleicher Weise wie die Änderungen über 5.0° habe ich auch die Änderungen von 7.0° und mehr
für sich zusammengefaßt, die — als wirklich „große“ Änderungen — nach Großmanns'Beispiel im
Folgenden noch häufiger gesondert betrachtet werden sollen. (Graphische Darstellung B, s. S. 6). In
Borkum bleibt die Häufigkeit dieser „großen“ Temperaturänderungen am Morgen- und Abend-
t er min im Mittel der Jahreszeiten stets unter i %>. Nur in einzelnen Monaten, um 8 a im Januar und
Juni, um 8 p im Mai, machen die großen Temperaturänderungen auf der Insel mehr als 1 % der ge
samten Temperaturänderungen aus. Im Sommer 2 p. m. sind die Zahlen auch für Borkum größer; im
Durchschnitt der Monate März—September machen die großen Änderungen etwa 2.5% aller Änderungen
aus, im Mai reichlich 4%. In Wilhelmshaven und H a m b u r g ist gegenüber Borkum schon
eine merkliche Zunahme der Häufigkeitsprozente zu verzeichnen. Unter 1 % im Jahresdurchschnitt
finden wir hier nur noch bei Wilhelmshaven am Abendtermin. Die größten monatlichen Häufigkeits
prozente haben um 8 a der Januar (Wilhelmshaven 3, Hamburg 4%) und um 2 p der Mai (an beiden
Stationen fast 6%). Im jährlichen Gang ist die Übereinstimmung der drei Stationen in Anbetracht der
kleineren Zahl der Fälle fast größer als im jährlichen Gang aller „beträchtlichen“ Änderungen. Das
winterliche Maximum fällt mit Ausnahme von Borkum 2 p und 8 p stets auf den Januar, das Sommer
maximum mit Ausnahme von Borkum 8 a stets auf den Mai. Die Verschiebung des sommerlichen
Morgenmaximums von Mai auf Juni bei Borkum ist ganz geringfügig und hat offenbar keine tatsäch
liche Bedeutung; dagegen ist es vielleicht fraglich, ob die Verlagerung des winterlichen Maximums um
2 p und 8 p von Januar auf Dezember ebenso abgetan werden darf. — Die Einzelbesprechung der
Monate der Minima scheint bei der verschwindend kleinen Anzahl der Fälle in diesen Monaten nicht
am Platze. Bemerkenswert ist aber auch hier am Abendtermin der rasche Anstieg und Abfall beim
Maximum an den beiden Seestationen gegenüber dem umfangreichen Sommermaximum in Hamburg, das
sich — mit dem Höhepunkte im Mai — von April bis Juli erstreckt. Im Juli hat Wilhelmshaven wieder,
wie bei den Änderungen > 5.0, die geringste Häufigkeitszahl im ganzen Jahre.
Im ganzen hat es bei beiden Arten der Zusammenfassung den Anschein, ols ob die eigentlichen
Monate der größten Häufigkeitszahlen der Januar und der M a i sind. Das würde zu der Verteilung der
Höchstwerte im jährlichen Gang der wahren mittleren interdiurnen Temperatur-
veränderlichkeit für unsere Gegend stimmen, wie er sich (als Mittel aus den 24 Werten für
jede Tagesstunde) nach 10- bezw. 15-jährigen Reihen für Bremen ergibt. (Vergl. Großmann, Archiv,
1900, Nr. 5, S. 7, und Bremisches Jahrbuch für 1905, S. 116/117.) Auch bei der mittleren Veränder
lichkeit ist der Mai nicht unbestritten der Monat des Sommermaximums; der Juni erreicht fast den
gleichen Wert. Da es immerhin zweifelhaft ist, inwieweit die Verschiedenheiten der Stationen unter
einander reelle Bedeutung besitzen, und inwieweit andererseits die verhältnismäßige Kürze der Be
obachtungsreihe und die ja ziemlich willkürliche untere Begrenzung des Untersuchungsmaterials von
Einfluß ist, so habe ich einen summarischen Vergleich der Häufigkeitsprozente mit dem Verhalten
anderer meteorologischer Elemente unterlassen. Die allgemeinen Ursachen für die Verteilung der
Extreme im jährlichen Gange der interdiurnen Veränderlichkeit auf die Monate sind von Großmann 1 '’)-