Berichte über Seebeben,
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ein etwa 30 Sekunden anhaltendes heftiges Seebeben. Die dadurch verursachte
Erschütterung war eine ähnliche, als ob der Anker in tiefem Wasser fallen
gelassen würde; nur war sie eine noch heftigere. Der gleichzeitig wehende
Wind war ENE, Stärke 3, der Luftdruck gleich 760,0 mm.
Aufser den vorhergehenden, den Wetterbüchern der Seewarte entnommenen
Berichten ist hier noch eine der „Weser-Zeitung“ vom 2. August 1894 ent-
nommene Angabe über einen sehr lehrreichen Fall von Seebeben mitzutheilen.
Die Zeitung berichtet aus. Bodö vom 30. Juli: „Der Schoner „Henriette“ aus
Horsens, Kapt. Nielsen, von Island in Ballast nach Archangel bestimmt, hat am
23. d. M. 5 Uhr morgens, 20 Sm NW von den Lofoten, auf einen unbekannten
Gegenstand gestofsen. (Um dieselbe Zeit wurde hier am Lande ein Erdbeben
wahrgenommen.) Während zwei Minuten merkte man eine starke Erschütterung
des ganzen Schiffes, das schwer leck wurde und um 2 Uhr nachmittags mit
7 Fulßs Wasser im Raum verlassen werden mufste. Die beiden Boote wurden
ausgesetzt, und die Besatzung rettete sich darin. Um 7 Uhr abends sank das
Schiff.“ (Hierzu bemerkt die „Hamburger Börsen-Halle“, die wahrscheinlich die
Nachricht zuerst veröffentlicht hat: „Die Annahme von Kapt. Nielsen, dafs das
Schiff auf irgend einen Gegenstand gestofsen habe, dürfte kaum stichhaltig sein.
Wir glauben vielmehr, dafs der Schoner einzig und allein infolge Seebebens leck
gesprungen ist. Die Erschütterung eines Schiffes durch Seebeben ruft genau das
Gefühl On als wenn das Schiff über ein Wrackstück oder eine Klippe hinweg-
gleitet.“
Die Vermuthung der „Börsen-Halle“, dafs der Untergang der „Henriette“
durch ein Seebeben verursacht wurde, wird durch die Nachricht, daß gleichzeitig
an der benachbarten norwegischen Küste Erdbeben beobachtet worden ist, sehr
wahrscheinlich, obgleich starke Beschädigungen von Schiffen, verursacht durch
Seebeben, im Ganzen nur sehr selten sind. Maury theilt indessen in seinen
Segelanweisungen schon: zwei solcher Fälle mit, in denen Schiffe in geringer
Entfernung von dem beim Aequator im Atlantischen Ocean gelegenen kleinen
St. Pauls-Felsen, dem von Seebeben wohl am häufigsten beunruhigten Theile der
ganzen Erde, durch ein solches schwer beschädigt wurden. Das eine davon,
welches den Loskiel verloren hatte und sehr leck geworden war, lief Pernambuco
als Nothhafen an.
Einiges über die Ansegelung von Beira, Ostküste von Afrika.
Von Kapt, E, ELSON, Führer des Reichspostdampfers „Reichstag“.
Beira ist der neue Hafen für Mashonaland, welches zur Zeit durch eine
Eisenbahn mit der Küste verbunden wird; es liegt nahe an der Mündung des
Pungue-Flusses und ist erst seit etwa 3 Jahren bekannt. Der Feuerthurm
befindet sich in 19° 51‘ 35” S-Br und 34° 51‘ 0” O-Lg. Da derselbe nahe bei
der Stadt innerhalb der Untiefen steht und zwischen den hohen Bäumen von der
Seeseite aus nur schwer zu unterscheiden ist, so kann man ihn als Ansegelungs-
marke fast gar nicht gebrauchen. Als solche dient eine rothe, mit einem Topp-
zeichen in Kreuzform versehene Boje, die bei ruhiger See auf eine Distanz von
3 Sm ganz gut sichtbar ist: die Position derselben ist in 19° 53‘ N-Br und
34° 59 O-Lg.
Für von Norden kommende Schiffe bietet das Aufßnden dieser Boje keine
nennenswerthen Schwierigkeiten, wenn sie unter der Küste entlang steuern, zu-
mal sich ihnen eine vorzügliche Landmarke bietet in einem grofsen Baum, der
mw. NO ca 13 Sm von der Boje entfernt liegt und von Weitem das Aussehen
eines Schiffes unter Segel hat. In seiner Nähe befindet sich ein zweiter Baum,
allerdings nicht so hervorragend, aber doch bemerkenswerth. Das Fahrwasser
durch die in der Flulsmündung- liegenden Sandbänke und Untiefen wird durch
sieben Bojen markirt, von denen die rothen Bojen No. 1 bis 5 beim Einlaufen
an B.B. zu lassen sind, während die schwarzen Bojen 6 und 7 an St. B. bleiben,
Der Kurs von Boje 1 nach Boje 2 ist mw. W!/A4S Dist. 4 Sm, Bojen 2, 3 und 4
Ann. d. Hydar. eto.. 1894. Haft 1X.